von Andreas Sommer

Charttechnik US-Dollar Index: Wiederholt sich 2008?

Charttechnik US-Dollar Index: Abwärtstrend seit 2010 beendet

Kennen Sie das?

Sie sehen etwas und es erinnert Sie an etwas, dass Sie schon einmal gesehen oder erlebt haben.

So etwas nennt man Déjà-vu.

Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet „schon gesehen“.

Laut Wikipedia ist es „ein psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen oder geträumt zu haben“.

Genau so erging es mir, als ich vor wenigen Tagen den Chart des US-Dollar Index betrachtete.

US-Dollar Index: Spiegelbild der Weltleitwährung

Falls Sie mit dem Begriff US-Dollar Index nichts anfangen können: Dieser Index vergleicht den Wert des US-Dollars mit einem Währungskorb aus den 6 größten Währungen der Welt. Es wird sozusagen die Weltleitwährung mit den anderen führenden Weltwährungen verglichen.

Diese 6 anderen führenden Währungen sind der Euro (Gewichtung: 57,6%), der japanische Yen (13,6%), das britische Pfund (11,9%), der kanadische Dollar (9,1%), die schwedische Krone (4,2%) und der Schweizer Franken (3,6%).

Euro: Rennen der Verlierer verloren

Wir Europäer neigen dazu, zumeist das Währungspaar Euro / USD zu analysieren. Allerdings spiegelt es eben nur das Kräfteverhältnis zwischen diesen beiden Währungen wider.

Ob sich der US-Dollar auch gegen andere Weltwährungen so verhält wie gegen den Euro, können wir daher besser aus dem Verlauf des US-Dollar Index ablesen. Zumal bekanntermaßen seit einiger Zeit sowohl Euro als auch US-Dollar aufgrund der Schuldenproblematik und des „Gelddruckens“ ihrer Notenbanken als „schwache Währungen“ angesehen werden.

Somit ist die Währungsrelation zwischen Euro und USD eigentlicher eher als „Rennen der Verlierer“ anzusehen. Und wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hat der Euro dieses Rennen vor kurzem erst einmal wieder verloren: Der Euro ist gegenüber dem USD kräftig gesunken.

US-Dollar Index: Abwärtstrend seit 2010 beendet

Schauen wir also gemeinsam einmal auf den US-Dollar Index, um zu überprüfen, ob sich der USD auch gegenüber den anderen Währungen ähnlich verhält.

Und da sehen wir, dass er Anfang September aus einem seit Juni 2010 bestehenden Abwärtstrend (grüner Kreis) nach oben ausgebrochen ist.

Und genau das war der Auslöser für mein Déjà-vu.

Vor meinem geistigen Auge verband ich mit diesem Ausbruch nämlich eine Situation, die ich vor einigen Jahren schon einmal erlebt hatte.

Genauer gesagt: Im Jahr 2008.

Wiederholt sich 2008?

Daraufhin zog ich den Chart weiter auf und blendete zusätzlich den Kursverlauf des DAX ein. Und was ich dann sah, bestätigte das beunruhigende Gefühl, dass mich bei meinem Déjà-vu-Erlebnis beschlichen hatte.


Charttechnik US-Dollar Index: Wiederholt sich 2008?

Doch schauen Sie selbst: Im August 2008 durchbrach der US-Dollar Index ebenfalls seinen seit 2005 bestehenden Abwärtstrend nach oben (roter Kreis).

Zu dieser Zeit war der DAX ebenfalls schon gehörig unter Druck geraten, wie Sie im Chart erkennen können. Wenige Wochen später folgte das Lehman Brothers-Debakel. Den Rest der Geschichte kennen Sie.

Wenn ich dann noch höre und lese, dass die französische Großbank Société Generale just in ihrer Bonität herabgestuft wurde und Gerüchte am Markt kursieren, dass diese Bank besonders stark im Derivate-Geschäft rund um „Anleihen hoch verschuldeter europäischer Staaten“ engagiert sein soll, dann verstärkt sich mein Déjà-vu-Erlebnis nur noch.

Fallender US-Dollar Index = Re-Patriierung

Falls Ihnen der Zusammenhang zwischen US-Dollar Index und DAX nicht klar sein sollte: Ein steigender US-Dollar Index belegt, dass der USD gegenüber den führenden anderen Weltwährungen massiv gekauft wird.

Gekauft wird er aber zumeist dann, wenn Investoren Gelder außerhalb der USA aus anderen Währungen abziehen und in USD zurücktauschen. Beispielsweise, wenn sich ausländische Investoren aus dem DAX zurückziehen. (Vielleicht, weil sie einen Zusammenbruch des Euro befürchten?) Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Re-Patriierung: Die US-Dollars fließen in ihr Ursprungsland zurück.

Ich finde das schon ziemlich beeindruckend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der US-Dollar in den letzten Jahren doch eher als die Verlierer-Währung schlechthin angesehen wurde.

Doch ganz offensichtlich hat sich dieser Trend zum US-Dollar-Kauf in den letzten Tagen derart verstärkt, dass er nun im Chart als Bruch des Abwärtstrends erkennbar wird.

Also für mich war das erst einmal genug „Déjà-vu“ für heute.

Viel Erfolg an den Börsen,

Ihr

Andreas Sommer

 
 

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.