China exportiert Inflation in die USA

Chinas teure Exporte beflügeln US-Inflation

Chinas teure Exporte beflügeln US-Inflation

Die USA haben im vergangenen Jahr für 365 Mrd. Dollar Waren aus China importiert. Das waren 23% mehr als im Vorjahr.

Der Hunger amerikanischer Konsumenten auf billige Ware aus dem Reich der Mitte hat den Retail-Riesen Wal-Mart zu einem der zehn größten Handelspartner Chinas gemacht.

Chinas neuester Exportschlager

Im Zusammenhang mit der eskalierenden Inflation in China, die jetzt über 6% liegt, ist das eine wichtige Entwicklung. Denn aus amerikanischer Sicht exportiert China zunehmend Inflation.

Nicht nur, weil die Löhne in der Volkrepublik im Jahr um 15-20% steigen. Sondern auch, weil der chinesische Renminbi (Volksgeld) gegenüber dem Greenback zulegt.

Der “Yuan”, wie er auch genannt wird, hat zur Wochenmitte ein 17-Jahreshoch gegenüber dem Greenback erreicht. Bei 6,45 Renminbi für einen Dollar notiert die chinesische Währung so hoch wie seit 1993 nicht mehr. Und das hat direkt mit Ben Bernanke zu tun.

Bernanke macht die Renminbi-Kurse

Der US-Notenbankchef signalisierte am Mittwoch im Kongress, dass in seinem Hause über Maßnahmen für eine weitere Geldschöpfungs-Kampagne nach QE2 – das Ende Juni auslief – nachgedacht wird.

Weil die US-Konjunktur schwach ist, sorgt das an der Wall Street bereits für Hoffnung auf einen neuen Adrenalin-Schub für die Aktien.

Bei genauerem Hinsehen ist das aber keine gute Nachricht für die Börsen. Denn wenn China anhaltend Inflation in die USA exportiert, setzt das die Notenbank unter Druck, die Zinszügel zu straffen.

Bernanke hat stets versprochen, dass die Teuerung in ein paar Monaten wieder nachlassen wird. China könnte diesen Traum platzen lassen. Die Zinsen kämen dann nach oben in Bewegung und die Börsianer hätten eine Sorgenfalte mehr.

Und der Blick auf die amerikanische Notenbank ist ganz gewiss von hohem (internationelen) Interesse.

US-Notenbank: Die Wette auf den „Reichmacher“ Inflation

Die amerikanische Notenbank FED hat weltweit ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Die Preise für Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle steigen sprunghaft an. Genau das war auch das Ziel. Es ist aber ein Spiel mit dem Feuer.

In den offiziellen Marktberichten heißt es heute, dass an der Börse das Hilfspaket für die US-Wirtschaft gefeiert wurde.

Da die US-Notenbank Anleihen im Wert von 600 Mrd. USD aufkauft, sinkt das Zinsniveau. Niedrige Zinsen sollen die Investitionsneigung der Unternehmen beflügeln.

Investitionsneigung der US-Unternehmen wird kaum steigen

Die oben genannte Begründung für das Kursfeuerwerk klingt plausibel. Eine genaue Prüfung der Fakten zeigt jedoch, dass die Realität anders aussieht. Denn:

Seit fast 2 Jahren betreibt die US-Notenbank eine 0-Zins-Politik. Warum sollten Unternehmer, die seit 2008 nicht investiert haben, jetzt plötzlich Erweiterungspläne aus den Schubladen ziehen?

Viele US-Unternehmen sitzen auf Bargeldbeständen in Rekordhöhe. Die brauchen keine billigen Kredite.

Unternehmer lassen sich nicht davon beeindrucken, wenn die Zinsen noch einmal minimal nach unten gedrückt werden. Das Zinsniveau war schon vorher eine Einladung.

Die Investitions-Entscheidung hängt jetzt davon ab, ob die Unternehmen eine stark steigende Nachfrage für ihre Produkte erwarten. Und das ist in den USA in vielen Fällen offensichtlich nicht der Fall.

Alibi-Veranstaltung der US-Notenbank

Es stellt sich natürlich die Frage, warum die US-Notenbank wochenlang eine gigantische Theateraufführung plant, wenn der Effekt in der Realwirtschaft verpufft.

Dazu muss man wissen, dass die amerikanische Notenbank – anders als der europäische Gegenspieler EZB – zwei Aufgaben zu erfüllen hat: Die FED soll für ein stabiles Preisniveau sorgen und gleichzeitig den Arbeitsmarkt unterstützen.

Das Ziel der Preisniveaustabilität gilt aktuell als nahezu erreicht (ob die echten Inflationszahlen diesen Schluss tatsächlich zulassen, möchte ich ganz stark bezweifeln), aber die offizielle Arbeitslosenquote von 9,6 % (inoffiziell über 15%) ist eine offene Wunde.

Die FED kann den Arbeitsmarkt nicht direkt entlasten, trifft aber Entscheidungen, die von der Masse als „arbeitsmarktfreundlich“ interpretiert werden.

Das verdeckte Ziel: Mehr Reichtum, mehr Konsum

Die US-Notenbanker um FED-Chef Ben Bernanke haben aber noch ein letztes Ass im Ärmel. Ihre Überlegung: Wenn sich die Bürger reicher fühlen, werden sie mehr konsumieren.

Und der Konsum ist in den USA für über 60% der Wirtschaftsleistung verantwortlich. Die einfache Formel: Läuft der Konsum, läuft auch die US-Wirtschaft.

Was passiert jetzt genau? Die US-Notenbank kauft Anleihen im Wert von 600 Mrd. USD und pumpt dafür Liquidität in den Markt. Dieses Geld „arbeitet“ weltweit.

Investoren kaufen dafür Aktien, Immobilien, Rohstoffe oder Edelmetalle. Eine steigende Nachfrage bedeutet: Die Preise dieser Anlage-Klassen steigen ebenfalls.

Ein US-Bürger, der Aktien für die Altersvorsorge im Depot hat, fühlt sich heute nach dem Kurssprung reicher als gestern. Wer sich reicher fühlt, ist auch konsumfreudiger und gönnt sich etwas.

Der künstlich von der Notenbank angefeuerte Preis-Boom bei Vermögenswerten soll die Initialzündung für die schwächelnde US-Wirtschaft werden.

Das Spiel mit dem Feuer

Diese Strategie klingt verlockend: Mehr Reichtum, mehr Konsum, mehr Wirtschaftswachstum. Wohin aber die ungezügelte Konsumlust führt, haben wir in den vergangenen Jahren erleben dürfen.

Ein Konsumwunder, das sich auf steigende Vermögenspreise stützt, kann wie ein Kartenhaus zusammenbrechen, wenn die Vermögenswerte plötzlich an Wert verlieren.

Hinzu kommt, dass die Währungen unter dem Druck leiden. Auch steigende Vermögenspreise zeigen Inflation an. Jedes Rekordhoch beim Goldpreis ist ein direktes Misstrauensvotum gegen die US-Währung.

Wenn das Vertrauen in die Papierwährung zerstört ist, muss das ganze „Spiel“ neu begonnen werden. Dann können sich die Investoren glücklich schätzen, die solide Sachwerte besitzen.