von Rolf Morrien

China hortet Gold und überholt Indien

China hortet Gold und überholt Indien

Der deutsche Leitindex DAX ist am letzten Handelstag der Börsenwoche auf 6.848 Punkte geklettert. Das ist ein neues 6-Monats-Hoch.

Kurstreiber war das Gerücht, dass es am Montag eine Einigung in der Griechenland-Krise geben soll.

Hinzu kommt, dass Ende Februar die nächste Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) folgt.

Weniger Risiken, dafür mehr Liquidität. Das ist der ideale Nährboden für steigende Aktienkurse. Voraussetzung: Der Griechenland-Kompromiss darf nicht platzen.

Gold bleibt spannend

Bei den Aktien ist die Ausgangslage eindeutig: Weniger Risiken und mehr Liquidität sind positiv. Etwas anders sieht die Situation beim Goldpreis aus.

Mehr Liquidität (= steigende Inflationsgefahr) sorgt für einen steigenden Goldpreis. Sollte dagegen die Griechenland-Krise entschärft werden, könnten einige Anleger den sicheren Hafen Gold verlassen und Anlageklassen mit mehr Wachstumspotenzial bevorzugen.

Kurzfristig ist die Entwicklung am Goldmarkt daher schwer zu bewerten.

Angebot steigt auf Rekordniveau

Nach ersten Berechnungen wurde im Jahr 2011 so viel Gold wie nie zuvor gefördert. Das alte Rekordhoch aus dem Jahr 2001 lag bei 2.600 Tonen. 2011 wurden nach ersten Schätzungen rund 2.700 Tonnen gefördert.

Der große zeitliche Abstand zwischen dem alten und dem neuen Hoch überrascht nicht. Im Jahr 2000 erreichte der Goldpreis einen Tiefpunkt. Schlagartig wurden die Investitionen gekürzt.

Der Goldpreis steigt seit 10 Jahren wieder, aber in den ersten Jahren der Preis-Rally war das Misstrauen noch zu groß. Erst vor rund 5 Jahren stiegen wieder die Investitionsausgaben. Da Goldprojekte eine lange Vorlaufzeit haben, sind erst jetzt die ersten Ergebnisse zu sehen.

Die Angebots-Seite hat sich verändert

Wenn die Angebots-Seite einen neuen Rekordwert erreicht, ist das oft ein Alarmsignal. Blicken wir daher auf die Einzelstatistiken.

Es fällt auf, dass der ehemalige Weltmarktführer Südafrika mit 190 Tonnen Goldförderung auf Platz 5 abgerutscht ist. Da Südafrika große Teile des Goldschatzes exportiert hat, war die Goldförderung in Südafrika für den weltweiten Goldhandel immer enorm wichtig.

Neuer Spitzenreiter mit 355 Tonnen Gold ist China. Und hier zeigt sich der Unterschied: China beliefert den Weltmarkt faktisch nicht, sondern hortet das Gold. Es wird mehr Gold gefördert, das zusätzliche Gold erreicht jedoch nicht den freien Handel.

Zur Abrundung: Auf den Plätzen 2 bis 4 liegen Australien (270 Tonnen), USA (237 Tonnen) und Russland (200 Tonnen).

China: Alle sammeln Gold ein

In China ist die Goldnachfrage explodiert. Der Staat hortet Gold, damit die Notenbank zumindest ein kleines Gegengewicht zu den riesigen Dollar-Beständen aufbauen kann. Der Gold-Anteil an den Devisen-Reserven soll noch deutlich ausgebaut werden.

Die chinesische Bevölkerung kauft Goldmünzen und Schmuck, um sich so vor der Inflation zu schützen. Diese Absicherungsstrategie hat in den vergangenen Jahren sehr gut funktioniert.

Hinzu kommt der Mangel an Anlagealternativen. Bargeld leidet unter dem Verlust der Kaufkraft, Immobilien-Investitionen werden seit einiger Zeit vom Staat gebremst.

China überholt Indien

China ist nicht nur die Nr. 1 bei der Goldförderung, auch bei der Goldnachfrage strebt China den Spitzenplatz an. 2011 war noch die Gold-Großmacht Indien der größte Käufer. 933 Tonnen Gold gingen im vergangenen Jahr nach Indien. Ein Rückgang um 7%.

China steigerte dagegen die Goldnachfrage um 20% auf 770 Tonnen. Im 4. Quartal 2011 lag China auf Quartalsbasis bereits vor Indien.

Der China-Faktor macht den Goldmarkt noch spannender. Die weltweite Fördermenge steigt zwar, aber China saugt das Gold auf wie ein Staubsauger. Der Goldpreis hängt daher wesentlich davon ab, wie offensiv China zukünftig auf der Käufer-Seite auftritt.

 
 
Bildquelle: Stephen Coburn - Fotolia

Autor:

Rolf Morrien

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