von Heiko Böhmer

China investiert in Mode ?

Modeunternehmen decken an der Börse eine attraktive Nische ab. Gelingt es den Firmen ihre Marken in den Märkten zu etablieren, locken hier hohe Renditen und vor allem stetige Gewinne. Markentreue ist hierbei ein ganz entscheidender Faktor. So gehört Gerry Weber nicht nur zu den etablierten Modemarken in Deutschland. Vielmehr ist die Aktie ein Lieblingswert vieler Value-Investoren.
Besonders spannend wird es dann, wenn auch noch hohe Wachstumsaussichten mit hinzukommen. Dafür ist China ein Paradebeispiel. Dort entwickelt sich derzeit eine riesige Mittelschicht, die auch immer mehr Geld in den Konsum und damit auch in Kleidung investiert. Gut, wenn man als Marke dort schon einen Namen hat.
Genau darauf kann Kinghero verweisen. Das chinesische Modeunternehmen ist schon seit 1986 mit verschiedenen Marken aktiv. Nun wagt Kinghero den Schritt an die Börse. Bei einem Jahresumsatz von knapp 50 Mio. Euro wäre diese Börsengang noch nicht einmal eine Randnotiz wert – wenn er denn in China stattfinden würde. Kinghero hat sich aber dazu entschieden, die Erstnotiz an der Börse in Frankfurt anzustreben.
Das chinesische Unternehmen möchte nach dem Vorbild von Asian Bamboo und anderen chinesischen Unternehmen in den Entry Standard. Die Erstnotiz ist für den 6. August geplant. In einer  IPO-Studie haben die Analysten von GBC Research den Wert einmal ganz genau unter die Lupe genommen. Bei Kinghero ist wichtig, dass die Produktionsstätten sich in China befinden und das Land auch der Hauptmarkt sind.
Schon jetzt gehört die Marke Kinghero, laut aktueller Umfragen, zu den 10 bekanntesten Herrenbekleidungsmarken Chinas. Seit 2007 gibt es zudem unter dem Namen „Kinghero Womenswear“ auch eine Produktlinie für Damenoberbekleidung.

Im Fokus von Kinghero steht die schnell wachsende Mittelschicht im Alter zwischen 28 und 45 Jahren.

Wichtig ist dabei das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der städtischen Haushalte. Laut Zahlen aus einer McKinsey-Studie hat sich dieses Einkommen von 2005 bis 2009 auf 2.515 Dollar im Jahr mehr als verdoppelt. Dabei haben andere Studien gezeigt, dass der Kleiderkonsum sehr eng mit dem Einkommensniveau städtischer Haushalte zusammenhängt.
Gleichzeitig wächst die Stadtbevölkerung in China sehr rasch. Lebten im Jahr 2000 erst 35,8% der Menschen in Städten, so werden es, nach Angaben der Vereinten Nationen, in diesem Jahr schon annähernd 45% und in zehn Jahren sogar 53% sein.
Für die GBC-Analysten steht fest, dass “nicht nur die chinesische Wirtschaft im Allgemeinen in denvergangenen Jahren eine starke Dynamik aufweisen konnte, sondern auch der chinesische Bekleidungsmarkt starke Wachstumsraten verzeichnete.“ So erhöhte sich seit 2005 der Betrag der im Durchschnitt für Bekleidung ausgegeben wurde von 800 RMB auf beinahe 1.500 RMB.


Kinghero ist ganz klar ein Profiteur der starken Dynamik in China.

So gab es in den vergangenen drei Geschäftsjahren ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 42 %. Zusätzlich stieg auch die Ertragskraft. Mit einem Vorsteuerergebnis von 10,65 Mio. Euro erzielte Kinghero eine Marge von 27%. Die GBC-Analysten gehen davon aus, dass „Kinghero die Geschwindigkeit des Wachstums weitestgehend beibehalten kann.“ Dazu soll neben der Etablierung von landesweiten Flagship-Stores und Werbekampagnen auch die Ausweitung der Vertriebskanäle dienen. 
Bei der Bewertung kommt GBC auf einen fairen Unternehmenswert von 173,01 Mio. Euro. Bei der zugrunde gelegten Aktienanzahl von 7,05 Mio. Stück ergibt sich damit ein fairer Wert pro Aktie von 24,54 Euro. Bei der angegebenen Bookbuildingspanne ergibt sich beim oberen Wert von 18,50 Euro ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 und von nur noch 7,4 für 2011.
Abschließend kommen die GBC-Analysten in der IPO-Studie zu dem Schluss, dass „ wir angesichts der hohen Wachstumsraten und der guten Profitabilität des Unternehmens die Bewertung des Unternehmens auf diesem Niveau als sehr günstig einschätzen.“ So werden aktuell vergleichbaren Unternehmen, wie z.B. der japanischen Fast Retailing Co. Ltd. oder dem chinesischen Wettbewerber China Lilang Ltd., doppelt so hohe KGVs zugestanden.
Wie der deutsche Markt auf diesen Börsengang reagiert, werden wir schon in der nächsten Woche wissen, denn für den kommenden Freitag (6. August) ist der Börsengang geplant.
Bis morgen,
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“


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Heiko Böhmer

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