„Die Chinesen schaufeln Geld nach Europa“ titelt die Financial Times in ihrer
Mittwochausgabe.
Das ist die Realität auf rosa Papier gedruckt. Den Anstieg der Direktinvestitionen als Erfolg zu interpretieren mag beruhigend sein. Tatsache ist jedoch, dass ein Nettozufluss von Geld einem Transfer von Vermögenswerten gleichkommt.
China kauft Europa
Genauso gut hätte die Schlagzeile „China kauft Europa“ heißen können. Aber das wäre politisch nicht opportun und zielführend. Es handelt sich bei den „Direktinvestitionen“ in der Regel um Käufe bestehender Vermögenswerte, also um einen Wechsel der Eigentumsverhältnisse.
Beispielsweise erwarb der chinesische Staatsfonds CIC eine Beteiligung an Gaz de France für 2,3 Mrd. Euro. Klamme Regierungen in Europa müssen Staatsunternehmen privatisieren, um Haushaltsdefizite zu verringern.
Das Geld, mit dem Chinesen kaufen, stammt aus den Überschüssen, den die Volksrepublik aus Exporten über den Importen erzielt. Vereinfacht ausgedrückt:
Wir kaufen chinesische Waren – Kleidung, Elektronik und andere Massenartikel – und bezahlen mit Unternehmensanteilen. Hiermit sei also zur zukünftigen Macht- und Vermögensverteilung alles gesagt.
In den USA regte sich in der Vergangenheit erheblicher Widerstand gegen Käufe strategischer Unternehmen wie die von Unocal durch CNOOC. Dort hat man schon realisiert, dass permanente Handelsbilanzdefizite eben auch einen permanenten Vermögensabgang bedeuten.
Zu Zeiten des Goldstandards bedeuteten Handelsbilanzdefizite Goldabflüsse und Deflation. Heutzutage sind Handelsbilanzdifferenzen aber inflationär für die Überschussländer und führen zu Vermögensabflüssen aus den Defizitstaaten.
Verbal intervenieren chinesische Vertreter zugunsten der Eurozone, so sagte der Vorsitzende der PBOC (Nationalbank von China) – man habe Vertrauen in die Eurozone und man unterstütze die EZB und die EU in ihren Stützungsbestrebungen.
Doch wenn es zu diesen Taten kommt, sieht es anders aus. Der Vorsitzende des Staatsfonds CIC – der 410 Milliarden Dollar verwaltet – bremste die Bitte der Kanzlerin Merkel, man möge europäische Staatsanleihen kaufen, mit dem Hinweis aus, dass solche Investitionen für Langfristinvestoren schwierig sind.
Weiter führte der Vorsitzende des CIC (China Investment Corp.) Lou Jiwei auf dem europäisch-chinesischen Gipfel aus, jede Investition des Fonds in Europa würde nur in Industriebeteiligungen und reale Vermögenswerte gehen.
Gleichzeitig beschwichtigte das Sprachrohr der kommunistischen Partei „People´s Daily“, man wolle keinesfalls „Europa aufkaufen“. Worte und Taten sind eben nicht und dasselbe.
Zugang zu europäischer Forschung und Entwicklung
Die sogenannten Direktinvestitionen werden chinesischen Firmen den Zugang zu westlicher Forschung und Entwicklung ermöglichen, um später höherwertige Produkte herzustellen.
Der Aufstieg von Chinas Unternehmen zu Qualitätsproduktherstellern würde eine weitere Konvergenz (Angleichung) der Lohnniveaus zwischen China, Europa und den USA erzwingen.
Wenn aufstrebende Staaten mit ihren Handelsüberschüssen Unternehmen und reale Vermögenswerte erwerben, ist dies kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke der Regionen, die ihre Vermögenswerte abgeben (müssen).
Dagegen hilft keine Abschottung vor dem globalen Wettbewerb, sondern nur Wettbewerbsfähigkeit. Doch diese müssen viele europäische Staaten erst wieder erlangen.


