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Chinesisches Banksystem: Vorsichtshalber in Deckung gehen

Es knirscht in Chinas Bankengebälk. Und vieles erinnert an die Lehman-Pleite und ihre Folgen.

Erste Ausfälle gibt es bereits. Wer sich wappnen will, sollte Emerging-Market-Bonds und Rohstoffe mit Vorsicht genießen und breit gestreut investieren. Die letzte Finanzkrise konnte China außen vor halten. Doch jetzt droht es von ihr eingeholt zu werden.

Als 2007 das Subprime-Problem seinen Lauf nahm, strotze China mit zweistelligen Wachstumsraten. Die chinesische Industrie und Handelsbank (ICBC) wurde zur größten Bank der Welt.

Auch die China Construction Bank (CCB), die Agricultural Bank of China (ABC) und die Bank of China (BoC) eroberten die vorderen Plätze im internationalen Banken-Ranking. Dabei sind die 4 Staatsbanken nur im Inland tätig.

Chinesisches Banksystem – Schulden und faule Kredite

Als dann die Finanzkrise die Exportindustrie ins Stocken brachte und Massenarbeitslosigkeit drohte, half ihnen eine großangelegte Aktion der Regierung.

Straßen, Airports, Hochhäuser und ganze Modellstädte wurden aus dem Boden gestampft. Eine Infrastruktur-Intervention auf Pump. Das Volk war beschäftigt, doch es arbeitete an überdimensionierten Fehlinvestitionen.

Geisterstädte und unausgelastete Flugplätze wurden zur betonierten Schuldenfalle. Die Banken sitzen auf faulen Krediten in Billionenhöhe.

Dabei vergeben sie Kredite ohnehin nur an diejenigen, bei denen Peking notfalls einspringt: staatliche Großunternehmen und Kommunen. Gerade letztere aber müssen für ihre Schulden weitere Kredite aufnehmen. Die Abwärtsspirale trieb die Schuldenquote Chinas auf über 200% der Wirtschaftsleistung.

Die Brisanz der Lage zeigte sich, als Ende letzten Jahres die Zentralbank kurzzeitig den Geldfluss drosselte: Die Banken liehen sich untereinander kein Geld mehr. Im Interbankenhandel schossen die Zinsen auf fast 28 % . Lehman-Brothers und Finanzkrise lassen grüßen.


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Chinesisches Banksystem ohne zeitgemäße Angebote

Die Devise „Wachstum auf Pump“ hat auch die Bevölkerung erfasst. Die Privatschulden werden auf 17 Billionen € geschätzt. Zwar fällt die Inflation mit offiziellen 2,6% überraschend moderat aus.

Doch mit dem Zustrom in die Ballungszentren können sich viele die hohen Immobilien- und Lebenshaltungskosten kaum leisten. Gleichzeitig wird der Binnenkonsum angeheizt – China verabschiedet sich von der reinen Exportabhängigkeit.

Gefragt sind attraktive Anlagen und Kredite für Konsumenten sowie Mittelstandsfirmen. Darauf aber haben die 4 Staatsbanken keine Antwort. Die Einheits-Anlagezinsen betragen 3,3%. Und Kredite bekommen nur die Großen. Den Kleinen bleibt die Flucht in den grauen Kapitalmarkt mit hohen Zinsen und viel Risiko.

Schattenbanken und Pleiten

Weil der bereits über 60% des Inlandsprodukts ausmacht, mischen auch die Staatsbanken mit – vorsichtshalber nur als Vermittler. Wenn´s schief geht, haben die Anleger das Nachsehen. Dieses Jahr sind schon 2 Treuhandfonds geplatzt, weil Anlegergeld an marode Pleitefirmen ging. Ebenso fiel eine Unternehmensanleihe aus.

Es brodelt auch in einem anderen Bereich der Schattenbanken, den rund 5.000 Genossenschaftsbanken. Sie bedienen die Landwirtschaft, bekommen aber kein Geld von der Zentralbank.

Die Einlagezinsen liegen bei 7% bis 10%, Kreditnehmer zahlen 15% bis 18%. Auch hier werden Kredite an branchenfremde Wackelfirmen vergeben, und auch hier wird mit Anlegergeld wild spekuliert.

Die Folge: Anfang des Jahres räumten etliche der Finanzkooperativen hastig das Feld – sie waren pleite. Die Anleger standen vor verlassenen Filialen.

Kundenfeindlichkeit treibt Blüten

Bislang reibungslos präsentieren sich die neuen Online-Finanzangebote im Internet. Sie sie in China der Renner.

Der Internet-Händler Alibaba etwa lockt mit eigenen Bezahlsystemen sowie hochrentierlichen Geldmarktfonds und versucht sich nun mit digitalen Geldbörsen. Auch Suchmaschinenbetreiber Baidu und das Sozialnetzwerk Tencent sind auf den Zug aufgesprungen – ein Multimilliardenmarkt.

Die Schattenbanken haben den Staatsinstituten bereits rund 120 Mrd. € an Einlagen entzogen.

Kein Wunder, dass die Regierung aufgeschreckt gegensteuert und weitere Experimente von Alibaba & Co. blockiert. Doch wo sind die Alternativen?

Die Schieflage und ihre Folgen

Die Schieflage des chinesischen Banksystems erklärt sich nicht nur mit Überschuldung und faulen Krediten. Befördert wird sie durch eine verkrustete Staatsstruktur nach sozialistischem Muster mit Intransparenz, Korruption und fehlendem Wettbewerb. Alles ist auf Staatsbetriebe ausgerichtet.

Und weil Konsumenten und dem wachsenden Mittelstand Angebote vorenthalten werden, entstehen die in der Grauzone. Doch wo Schattenbanken dominieren, entsteht Wildwuchs mit unabsehbaren Folgen.

Bisher konnte China etliche Krisen vermeiden. Sogar die Immobilienblase lässt Luft ab. Gelingt es aber nicht, ein zeitgemäßes Banksystem auf die Beine zu stellen, wird die Schieflage immer bedrohlicher. Geraten Chinas Riesen-Banken ins Wanken, wird das Beben die Börsen und Wirtschaft weltweit erschüttern.

Die Auswirkungen: Investoren ziehen Gelder ab, Liquidität schwindet und Aktien brechen ein. Besonders gefährdet sind Rohstoffe und Emerging-Market-Bonds. Als Gewinner dürften sich sichere Häfen wie Gold oder Bundesanleihen erweisen.

Wer sich wappnen will, sollte sich auf china- und rohstoffunabhängige Titel konzentrieren und möglichst breit gestreut investieren. ETFs haben die Finanzkrise vergleichsweise gut überstanden.

3. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.