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Clemens Fuest: Neue Wege für die Wirtschaft?

Anleger, die wissen wollen wohin die Reise bei deutschen Aktien oder Anleihen geht, schauen regelmäßig gespannt auf die Ergebnisse des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts in München.

Als eine der renommiertesten Denkfabriken in Sachen Ökonomie versorgt es die Öffentlichkeit, Wirtschaft, Forschung und Politik mit wichtigen Daten, Analysen und Szenarien. Landläufig bekannt ist der monatliche Ifo-Geschäftsklima-Index.

Clemens Fuest – neuer Chef des Ifo-Instituts

Seit April 2016 steht es unter der Leitung von Prof. Clemens Fuest. Er ist Präsident des Instituts und traditionell zugleich Professor an der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Mit seinem Wechsel vom Direktorensessel im Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim trat Clemens Fuest in die Fußstapfen seines Vorgängers Prof. Hans-Werner Sinn.

Sinn, der ab 1999 das damals angeschlagene Institut mit grundlegenden Reformen zu neuen Höhen geführt hatte, wurde zum stets und überall präsenten Mahner und Wegweiser in Deutschland, mit oft provokanten Thesen. Der 1968 in Münster geborene Clemens Fuest ist eher ein Mann der leiseren Töne, doch seine Analysen gelten als mindestens ebenso messerscharf.

Neue Schwerpunkte und Ansätze

Zugleich setzt er neue Schwerpunkte, und die gehen in Richtung Steuern und Staatsfinanzen. Dabei ist Clemens Fuest für seinen internationalen Denkansatz bekannt. Fuest war bis 2013 Leiter des Zentrums für Unternehmensbeteuerung in Oxford, wo er sich als Finanzexperte und Regierungsberater einen Namen machte.

Seit 2003 ist er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums, war drei Jahre dessen Vorsitzender und gehört derzeit auch zur Kontrollkommission beim Mindestlohn. Die Liste seiner Betätigungsfelder und Mitgliedschaften ist lang. Sie umfasst unter anderem den wirtschaftsliberalen Kronberger Kreis, den Beirat des CDU-Wirtschaftsrats oder das internationale Beratungsnetzwerk Ernst & Young.

Fuest mit mahnenden Worten und Positionen

Bereits 2006 wurde Clemens Fuest vom Handelsblatt zu den Top-10 der forschungsstärksten jüngeren Ökonomen im deutschsprachigen Raum gezählt. Mit Blick auf die Zukunft sieht er die derzeit ungleichen Bildungschancen in Deutschland als eines der großen Herausforderungen an. Das Land dürfe nicht zu einer Zwei-Klassen-Bildungsgesellschaft werden.

Dabei warnt er auch vor Überlegungen, das bewährte deutsche Ausbildungssystem durch Einfachvarianten für Migranten und Flüchtlinge zu untergraben. Übergreifend spricht er sich dafür aus, unabhängig von der Asylfrage Zuwanderer aus dem Ausland zu qualifizieren und so für Nachwuchs zu sorgen, der die Wirtschaft und das Sozialsystem stützt.

Forderungen nach Steuererhöhungen lehnt er ebenso ab wie eine Finanztransaktionssteuer. Der Staat hat seiner Erkenntnis nach kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem.

Frische Idee gegen Schuldenkrise

Der neue Ifo-Chef befasst sich neben Auswirkungen der Globalisierung vor allem mit den Themen Steuern, Staatsfinanzen, aber auch der Schuldenkrise. Als Clemens Fuest im April sein neues Amt antrat, hatte er prompt eine neue radikale Idee gegen die Schuldenpolitik im Euro-Raum parat.

Sein Vorschlag: nachrangige Staatsanleihen. Diese Anleiheform gibt es bisher nur bei Unternehmenstiteln. Sie haben lange Laufzeiten und sind sehr hoch verzinst. Dafür werden Anleger im Konkurs nach allen anderen Gläubigern bedient. Das Prinzip: Wenn mit steigender Verschuldung immer höhere Zinsen zu zahlen sind, wird es irgendwann schwieriger, Investoren zu finden.

Clemens Fuest hat dabei ein Stufenmodell im Sinn: Ab einer Neuverschuldung von 0,5 % kann ein Staat nur noch nachrangige Anleihen ausgeben. Steigt die Schuldenquote über 120 %, werden die Zinszahlungen ausgesetzt. Und bei der Flucht unter den ESM-Rettungsschirm fällt die Anleihe aus.

Außerdem können derartige Anleihen nicht von der EZB aufgekauft werden. Damit trägt dann nicht mehr der Steuerzahler, sondern der Gläubiger das Risiko. Und die Schuldenstaaten könnten das Problem nicht mehr so einfach ignorieren.

Ob sich Clemens Fuest mit seiner Idee durchsetzen und Investoren eine neue Anlageform bescheren wird, bleibt nach den bisherigen Erfahrungen allerdings fraglich. Seine Hauptaufgabe jedenfalls wird sein, dass das Ifo-Institut im Wettbewerb der deutschen Denkfabriken seine Spitzenposition behält.

20. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.