Das Fatale ist, dass sich niemand vorstellen kann, wie die Preise plötzlich in einem deflationären Umfeld ins Rutschen kommen könnten. Ein Grund für eine Deflation ist ein plötzlicher Crash. Die meisten Menschen meinen, dass Crash automatisch Inflation bedeutet. Doch was machen Sie, wenn plötzlich Banken schließen? Geben Sie dann schnell alles Geld aus, weil Sie eine Inflation befürchten? Oder sparen Sie und kaufen nur noch das Nötigste, aus Angst vor dem Ungewissen? Sie werden Letzteres machen und nicht nur Sie, sondern Millionen Menschen genauso. Sobald Unsicherheit da ist, verschieben die Leute alle nicht unbedingt nötigen Käufe in die Zukunft. Dann kommen die Unternehmen unter Druck, weil sie nichts mehr verkaufen können und sind zu Preissenkungen gezwungen – eine Deflation entwickelt sich.
Wie schnell solch ein plötzlicher Crash stattfinden kann, konnten Sie am 11. September 2001- dem Terroranschlag in New York - erleben. Unternehmer berichteten, dass die Käufe der Menschen unmittelbar nach den Anschlägen zusammenbrachen. Hätten damals nicht die Notenbanken eingegriffen und wären die Börsen in den USA nicht geschlossen worden, so wären Bankenpleiten mit einer Deflation unvermeidbar gewesen.
Erkennen sollten Sie aber: Jeder Crash, jeder plötzliche, unerwartete Schock führt niemals zu einer Inflation, sondern immer zu einer Deflation.
Wie sehr die Psychologie der Anleger hier reinspielt sehen Sie bei folgendem Gedankenspiel: Was machen Sie, wenn Sie denken, dass Ihre Aktien an der Börse immer weiter steigen? Dann geben Sie großzügig Ihr Geld aus, weil Sie denken, dass Ihre zukünftigen Ausgaben ja durch noch höhere Börsenkurse gedeckt werden. Umgekehrt: Was tun Sie, wenn Ihre Aktien plötzlich stark an Wert verlieren?
Dann geben Sie immer weniger aus, weil Sie befürchten, dass Ihr Aktienbestand noch weiter zusammenschmelzen könnte und sie dann unter Umständen später zu wenig Geld haben. Das ist der Grund dafür, warum allein durch die Verluste an den Börsen seit dem Jahr 2000 schon eine deflationäre Tendenz eingeläutet wurde.
Dasselbe passierte im Sommer 2007, als die Immobilien in den USA nach jahrelanger spekulativer Steigerung anfingen zu sinken. Für immer mehr US-Bürger platzten die Krediten, die Banken kamen in Schwierigkeiten und so zog sich eine ganze Liquiditätskrise bis nach Europa. Später kam es zur Bankenkrise und immer mehr Großbanken gingen insolvent. Wackeln jedoch erst einmal die Banken und gehen Geldvermögen in Bankencrashs verloren, dann entwickelt sich daraus durch die fallende Massenkaufkraft zwangsläufig eine Deflation.
Und genau das passierte dann im Jahr 2008, als das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheiten der Banken erschüttert und immer mehr Geld von den Konten abgehoben wurde. Für die größte Sparkasse der USA, die Washington Mutual Bank, reichte es, als nur 9 Prozent der Einlagen im Jahr 2008 von besorgten Bürgern abgehoben wurden, um die Bank in die Insolvenz zu treiben.
Sie haben gesehen, dass ein Crash, auch wenn er in kleinen Schritten stattfindet, immer deflationäre Tendenzen aufwirft. Nun stellt sich die Frage, ob es überhaupt möglich ist, solch eine verhängnisvolle Entwicklung aufzuhalten. Diesem Thema werde ich mich in der kommenden Woche widmen.


