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Crowdfunding: Chancen und Risiken

Crowdfunding wird immer beliebter. Das US-amerikanische Bundesgesetz JOBS Act eröffnet Unternehmen in dieser Hinsicht völlig neue Möglichkeiten. Doch wie es mit der rechtlichen Situation in Deutschland aussieht und welche Vorteile und Nachteile sich ergeben, wissen dabei die wenigsten.

Crowdfunding nicht nur für Kunstprojekte

Anstatt auf klassische Kredite oder professionelle Investoren angewiesen zu sein, können Geschäftsideen auch durch die „breite Masse“ finanziert werden. Mit zu den ersten Pionieren dieser Methode gehörten Internetauftritte wie die Seite „Kickstarter“, auf der Künstler ihre Projekte vorstellen und für Spenden werben konnten.

Die Projekte auf Kickstarter waren allerdings oftmals sehr speziell und immer nur für die kurzfristige oder gar einmalige Umsetzung ausgelegt. Der jüngst verabschiedete JOBS Act eröffnet nun auch solche Möglichkeiten für längerfristige und nachhaltige Wirtschafts-Unternehmungen in den USA. In Deutschland ist das Portal ’Startnext’ in diese Fußstapfen getreten.

Weniger Bürokratie trotz Regeln

Die offizielle Legalisierung des Crowdfunding reduziert vor allem auch den formalen Papierkram für Startup-Unternehmen. Solange weniger als eine Million Dollar pro Jahr an Unterstützung gesammelt wird, entfallen viele lästige Aufgaben, mit denen man sich mit Großinvestoren herumschlagen muss. Trotzdem müssen die hoffnungsfrohen Neu-Unternehmer einige Regeln beachten.

So sind beispielsweise einige Hintergrund-Checks, eine Anmeldung bei der Börsenaufsichtsbehörde sowie eine öffentliche Präsentation des Vorhabens unerlässlich. Außerdem gibt es Obergrenzen für die Summen, die per Crowdfunding pro Jahr eingenommen werden dürfen und auch dafür, wie viel ein einzelner Investor spenden darf.

Der gesamte Prozess muss laut JOBS Act über einen (Online-)Broker abgewickelt werden, der auch über mögliche Risiken informiert.

Besonders interessant für Kleinanleger: Konsumgüter

Der neue Gesetzesentwurf in Amerika ermöglicht besonders die stabile Finanzierung von kleinen Unternehmen in Nischenbereichen, die ansonsten nur äußerst schwer zu etablieren wären. Der Grund, warum besonders kleinere Konsumgüter gut per Crowdfunding finanzierbar sind, ist einfach: die Verständlichkeit.

Mehr dazu: Crowdfunding: Internet-Aktionen als Finanzierungshilfe

Große Eigenkapital-Vereinigungen sowie offizielle Investoren stecken ihr Geld gerne in abstrakte Produkte riesiger Firmen. Für kleine Privatanleger ist jedoch der Anreiz wesentlich höher, in neue oder verbesserte Konsumgüter zu investieren, die sie selbst verstehen, wie etwa eine bessere Maulwurffalle für den heimischen Garten. Zudem haben solche Crowdfunding-Projekte besonders dadurch einen Vorteil, weil sich der Kleinanleger von dem Produkt hinterher selbst einen Nutzen erhofft.

Crowdfunding in Deutschland

Selbstverständlich ist man auch in unserem Land gewillt, Crowdfunding als neues Finanzierungsmodell für Kleinunternehmen auszuprobieren. Doch anders als in Amerika ist dieses Prinzip bislang nicht eigens rechtlich verankert. Allein die Einordung in die konventionelle Rechtslage gestaltet sich als recht komplex.

Das freiwillige Schenken von Geld für ein Startup fällt als unentgeltlicher Vertrag unter den Sammelbegriff der „Schenkung“ gemäß §§ 516 ff. BGB.

Mehr dazu: Crowdfinancing in Deutschland auf dem Vormarsch

Dabei wäre aber in keiner Weise berücksichtigt, dass das Geld auch dem geplanten Projekt zufließt, so wie es die Anleger natürlich planen. Um das abzubilden würde sich am besten die Abwandlung als sogenannte „Auflagenschenkung“ gemäß § 525 BGB anbieten. Der Anleger verlangt also stillschweigend die Verwendung seines Unterstützungsbeitrags für das Projekt. Wichtig sind dabei zwei Details:

Erstens ist der Kleinunternehmer nicht dazu verpflichtet, das Projekt auszuführen. Er kann also zum Beispiel im Falle von zu geringen Spendenleistungen das Ganze noch abbrechen. Zum anderen haben die Investoren in einem solchen Fall Anspruch auf die Rückzahlung ihres Geldes.

Unternehmer sollten sich also gut überlegen, ab welcher Summe sie wirklich mit der Umsetzung (und den entsprechenden Ausgaben) beginnen möchten. Überhaupt sollte man als Initiator im Vorfeld klären und erklären, was mit den Unterstützungsbeiträgen passiert, wenn das Ziel nicht erreicht, erreicht oder sogar übertroffen wird.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Vorteile und Nachteile von Crowdfunding sollten abgewogen werden. Es gibt einige, die im Crowdfunding vor allem die Möglichkeit für Betrügereien sehen. Als weiterer Nachteil wird genannt, dass unerfahrene Investoren sich zu hohen Risiken aussetzen und in ungeahnte Unkosten stürzen könnten. Aber auch für die Unterstützung suchenden Unternehmen bestehen Gefahren.

Ohne große Erfahrungen kann es passieren, dass die Finanzierungsprozesse fehlerhaft geführt werden und scheitern – was dann ebenfalls eine erneute Finanzierung durch die Masse höchst unwahrscheinlich macht.

Insgesamt ist das Prinzip noch neu und weiterhin in der Entwicklung begriffen. Erst nach und nach werden sich spezielle Vorgehensweisen in der Wirtschaft etablieren und die Börsenaufsicht wird weitere Regularien entwerfen, um diesen Sorgen entgegenzutreten.

Erst auf lange Sicht wird sich zeigen, ob die Vorteile von Crowdfunding die Nachteile überwiegen. Ob sich Crowdfunding als feste Option für kleinere Unternehmen durchsetzt und wirklich Nischenprodukte ermöglicht, die es sonst niemals geben würde, bleibt also abzuwarten.

29. Mai 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.