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Crowdinvesting: Wie man sich am Unternehmenserfolg beteiligt

Auch wenn man es als Trader vorwiegend mit Aktien zu tun hat, nicht jede Firma betreibt gleich diese recht aufwändige Art von Unternehmensfinanzierung. Bekannte Alternativen sind Wagniskapital bzw. Venture Capital, etwa in Form von Wandelanleihen.

Crowdinvesting – neue Form von Finanzierung und Anleger

Mittlerweile aber gehen gerade junge Unternehmen und Start Ups andere Wege: Crowdinvesting. Der Definition zufolge gehört es zum Bereich der Wagnisfinanzierung und zeigt seit den Anfängen 2009 eine sprunghafte Entwicklung. Wurden hierzulande bis 2011 gut 450.000 € eingesammelt, waren es ein Jahr später bereits 4,3 Mio. €.

Beflügelt wird der Auftrieb durch das Internet. Die Abwicklung läuft entweder über Portale von Crowdinvesting-Anbietern oder direkt über die Homepage der Unternehmen. Der Reiz am Crowdinvesting: Per Definition ist es eine Finanzierungsform, bei der sich zahlreiche Personen schon mit geringen Beträgen an Unternehmen beteiligen, und zwar über stille Beteiligungen oder Genussrechte.

Statt Anleger Mikroinvestor

Wie die Crowdinvesting-Definition zeigt, wurde damit eine neue Art von Anleger geschaffen: der Crowdinvestor bzw. Mikroinvestor. Um Wildwuchs im neuen Gebiet zu vermeiden, wurden seine Rechte 2015 im Kleinanlegerschutzgesetz geregelt. Seitdem unterliegen auch Crowdinvesting-Anbieter der Prospektpflicht und der Aufsicht der BaFin.

Über Plattformen werden kapitalsuchende Unternehmen zunächst geprüft. Dann erst wird Geld eingesammelt, und zwar bis innerhalb einer festgelegten Zeit ein Mindestfinanzierungsbetrag zustande kommt. Wenn nicht, bekommen die Mikroinvestoren ihr Geld zurück.

Wenn ja, kann das Unternehmen loslegen und die Anleger erhalten laufend wichtige Informationen über die Fortschritte. Bei Erfolg winken entsprechende Beteiligungen. Steigt man aus, gibt es in der Regel zudem eine Abfindung, die dem gestiegenen Wert des Unternehmens entspricht.

Schwächere Prüfungsstandards

Crowdinvesting ist offenbar eine Alternative, auf Hoffnungsträger mit Renditepotenzial zu setzen. Am Aktienmarkt ist das schwieriger. Allerdings ist das Risiko ungleich höher. Der anfängliche Firmen-Check ist nicht mit den umfangreichen Due-Dilligence- und Compliance-Verfahren bei herkömmlichen Investitionen zu vergleichen.

Sie stehen nicht im Verhältnis zu Anlagebeträgen, die teils mit 5 € beginnen. Das Konzept der kleinen Beträge zielt auf einen flexibleren Ablauf, vor allem aber auf das Potenzial der Masse, und damit auf den begrifflichen Teil der Crowdinvesting-Definition als Schwarmfinanzierung. Das Kalkül: Die vielen Kleinanleger sind Geldgeber und Multiplikatoren zugleich. Damit erhöhen sie den Bekanntheitsgrad neuer Firmen und Marken.

Checkpunkte für Investoren

Als Anleger sollte man bei allen Vorteilen kleiner Beträge und weitgehend anonymer Beteiligung Folgendes im Blick haben: Investments sind in der Regel nachrangiges Firmenkapital. Weil in der Pleite zuerst alle anderen ihr Geld bekommen, ist das Risiko von Totalverlusten sehr hoch.

Deshalb sollte man sich nicht auf dürftige, blumige Erstinformationen einlassen, sondern griffige, nachprüfbare Fakten bei seriösen Firmen und Portalen suchen. Außerdem ist die Gefahr groß, blind einer oft emotionsgetriebenen Schwarmdynamik hinterherlaufen. Die üblichen Vorsichtsregeln gelten auch für Mikroinvestoren: Nur Verluste riskieren, die man notfalls tragen kann. Und lieber das Geld auf mehrere Start Ups verteilen. Die niedrigen Beträge eignen sich für eine breite Streuung besonders gut.

Außerdem ist zu beachten, dass es während der unterschiedlichen Laufzeiten zwischen meist 2 und 8 Jahren verbreitet keine Möglichkeit zur Kündigung gibt. Und: Mikrobeteiligungen lassen sich längst nicht so einfach verkaufen wie Aktien. Der Markt muss sich erst noch entwickeln. Einige Plattformen bieten eigene kleine Handelsplätze.

Der Unterschied zu Crowdfunding

Aufpassen muss man übrigens auch beim Begriff Crowdinvesting selbst. Wer sich für ausländische Beteiligungen interessiert, sollte eher unter dem Stichwort Equity Crowdfunding suchen. Dies ist der international verbreitete Name, er bedeutet so viel wie Spende mit Gewinnbeteiligung. Und genau die macht den Unterschied zum reinen Cowdfunding.

Dies wiederum ist nicht mit Crowdinvesting zu verwechseln und dient rein dazu, freiwillige Geldspenden für den jeweiligen Zweck aufzubringen. Meist geht es um Kunst, soziale und ähnlich förderwürdige Projekte.

Insgesamt ist Crowdinvesting eine interessante Möglichkeit des investierens mit kleinen Beträgen. Mit etwas Glück können hierbei echte Renditeperlen entdeckt werden. Aber aufgepasst: Das Risiko des Totalverlustes ist ungleich höher als bei klassischen Investments und somit kann Crowdinvesting auch nicht mit solchen verglichen werden.

9. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.