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Cum-Ex-Geschäfte: Steuertricks mit Aktien kosten den Fiskus Milliarden

Geht es ums Geldverdienen, war der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer in den letzten Jahren immer ganz vorne dabei. Sei es als Investor in der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ oder als Buchautor, Maschmeyer weiß, wie man investiert.

Doch zuletzt musste sich Maschmeyer einem Untersuchungsausschuss im Bundestag stellen und erklären, warum sich der gewiefte Investor von der Schweizer Bank Sarasin hat täuschen lassen und dabei Millionen verlor.

Konkret geht es dabei um sogenannte Cum-Ex-Aktiengeschäfte, die von 2002 bis 2012 aufgrund einer Gesetzeslücke möglich waren. Erst 2012 hat der Gesetzgeber diese Lücke geschlossen, solange konnten auf Dividendenstripping spezialisierte Fonds diese Lücke für ihre Geschäfte nutzen.

Cum-Ex-Aktiengeschäfte – So funktioniert Dividendenstripping

Das Prinzip, das hinter Cum-Ex-Aktiengeschäften steht, ist relativ einfach. Konkret geht es dabei um Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag, in dessen Rahmen Aktien zwischen einzelnen Handelspartnern schnell hin- und hergeschoben werden.

Der Grund: Unmittelbar vor einer Dividendenausschüttung notieren Aktien „Cum Dividende“, während am Dividendenstichtag die Dividende vom Kurs abgezogen wird – die Aktie notiert dann „Ex Dividende“.


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Gewiefte Banken und Fonds machten sich diese Situation zunutze und verkauften Aktien unmittelbar vor der Dividendenausschüttung, die sie gar nicht besaßen – man spricht dabei von einem sogenannten Leerverkauf.

Am Dividendenstichtag wurden dieselben Aktien, die zuvor leerverkauft wurden, wieder um die Dividende bereinigt (Ex Dividende) zurückgekauft. Dabei entsteht in der Regel ein Kursgewinn, da die Aktie abzüglich der Dividende niedriger notiert.

Beispiel für ein Cum-Ex-Aktiengeschäft

Die Aktie der XY AG notiert vor der Dividendenausschüttung bei 100 €, gleichzeitig wird eine Bruttodividende von 3,00 Euro gezahlt. Die Aktie der XY AG notiert nach dem Dividendenstichtag bei 97 €. Daraus ergibt sich für den Anleger eine Dividendenausschüttung (netto) von 2,25 €, nach Abzug der Kapitalertragsteuer (25% von 3,00 € = 0,75 €).

Anleger A verkauft also eine Aktie der XY AG, die er gar nicht besitzt, einen Tag vor dem Dividendenstichtag (cum Dividende) für 100 €.

Anleger B (Bank oder Fonds) kauft diese Aktie nach dem Stichtag (ex Dividende) als Leerkäufer zu 97 €. Dabei ist zu beachten, dass die Dividende im Gegensatz zum Privatanleger für eine Bank oder ein Unternehmen steuerfrei ist.

Anleger A kauft nun diese Aktie der XY AG wieder mit Dividendenabschlag zu 97 € von einem dritten Beteiligten (Verkäufer C) zurück und stellt damit seine Position glatt. Er überträgt diese Aktie anschließend an den Anleger B (Bank, Fonds) zuzüglich einer Kompensation in Höhe der entgangenen Nettodividende von 2,25 €.

Anleger A streicht somit den Gewinn aus dem Leerverkauf abzüglich der Kompensationszahlung (3,00 – 2,25 € = 0,75 €) ein, während Anleger B und Verkäufer C noch einen Dividendenanspruch haben und sich gleichzeitig die entsprechende Kapitalertragsteuer auf die Dividende wieder vom Finanzamt zurückholen. Werden diese Transaktionen mit höheren Summen durchgeführt, ergeben sich für die Beteiligten durchaus ansehnliche Gewinne.

Cum-Ex-Aktiengeschäfte ermöglichten mehrfache Steuererstattungen

Denn die auf Dividenden fällige Kapitalertragsteuer wurde bei der Ausschüttung der Dividende einbehalten, der Anleger erhielt eine entsprechende Steuerbescheinigung. Da die zu viel gezahlte Kapitalertragssteuer vom Finanzamt erstattet wird, hatte der Anleger somit Anspruch auf eine Steuergutschrift.

Folglich wurden Steuererstattungen für bezahlte Kapitalertragsteuern mehrfach ausgestellt, obwohl diese Steuern in Wirklichkeit gar nicht abgeführt wurden. Dies hat dazu geführt, dass für Fonds und Banken derartige Cum-ex-Aktiengeschäfte sehr lukrativ waren, während die Finanzämter draufzahlten. Insgesamt sollen derartige Cum-Ex-Geschäfte dem Fiskus von 2002 bis 2012 rund 12 Mrd. € gekostet haben.

Cum-Cum-Regelung soll Steuertrickserei mit Aktien eindämmen

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Durch eine neue Regelung müssen nicht mehr Aktiengesellschaften selbst, sondern die depotführenden Banken die Kapitalertragsteuer einbehalten und bescheinigen – damit ist das sogenannte „Dividendenstripping“ heute nicht mehr so einfach.

Jedoch verleihen ausländische Anleger nach wie vor kurz vor der Dividendenausschüttung ihre Aktien gegen Gebühr an deutsche Banken, die sich dann die Kapitalertragsteuer vollständig erstatten lassen.

Die Regierung will mit einer neuen Cum-Cum-Regelung gegensteuern. Das neue Gesetz sieht vor, dass Anleger innerhalb eines 91-Tageszeitraums rund um den Dividendenstichtag mindestens 45 Tage wirtschaftlicher und zivilrechtlicher Eigentümer der Aktie sein müssen, um die Steueranrechnung zu erhalten.

19. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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