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Daniel Eckert: „Der Dollar ist unheilbar krank.“

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches „Weltkrieg der Währungen“ von Daniel D. Eckert führte GeVestor ein exklusives Interview mit dem Autor:

GeVestor: In dem Klappentext Ihres Buches heißt es, sie haben sich schon als Jugendlicher für die Themen Geld und Börse interessiert. Woher kam dieses frühe Interesse?

Daniel D. Eckert: Ich bin Jahrgang 1970. Der Großteil meiner Jugend fällt daher in die 80er-Jahre. In dem Jahrzehnt herrschte wirtschaftlich eine große Aufbruchstimmung.

Es war wie das Erwachen aus einem ökonomischen Dämmerschlaf – das genaue Gegenteil der Abbruchstimmung, die wir heute in großen Teilen Europas sehen. Für einen jungen Menschen war das einfach fantastisch.

Dazu kam der Umbruch in den Köpfen. Reagan in Amerika und Thatcher in Großbritannien gaben ihren Nationen Wachstum und Selbstbewusstsein zurück. Zugegeben: Manches davon beruhte auf ökonomischen Taschenspielertricks.

Aber selbst wenn wir heute im Rückspiegel die problematischen Seiten sehen: Damals war es im höchsten Maße faszinierend, was da intellektuell und politisch in Bewegung geriet.

Selbst im behäbigen Deutschland wagte sich die Kohl-Regierung zaghaft an Reformen.

Da war noch etwas anderes: Die 80er sahen den Aufstieg des Investment-Bankings. Die traditionellen Industrien, z.B. Kohle und Stahl in meiner Heimat, dem Saarland, hatten mit Problemen zu kämpfen und verloren an Bedeutung.

Wenn ich meine Lehrer fragte, was es mit diesem Umbruch auf sich habe, wie das alles zusammenhänge und funktioniere, hatten sie keine befriedigenden Antworten.

Das war zwar einerseits ernüchternd, andererseits führte es dazu, dass ich die Welt des Geldes auf eigene Faust erkunden wollte. Ich fühlte mich wie ein Forschungsreisender in einem unentdeckten Land. Das war eine sehr aufregende Zeit.

GeVestor: Nach Ihrer Banklehre studierten Sie Sprachwissenschaft und Geschichte. Eigentlich würde man bei Ihnen eher von einem betriebswirtschaftlichen Studium ausgehen. Warum haben Sie sich trotzdem gerade für diese beiden Fächer entschieden?

Eckert: In die Aufbruchstimmung der 80er hinein habe ich meine ersten Aktien gekauft und hatte von da an immer ein Auge auf die Kurse – man erfuhr sie damals übrigens immer erst mit einem Tag Verspätung in der Zeitung.

Dann kam der Crash von 1987: Der Dow Jones sackte an einem Handelstag um 23%.

Im Nachhinein war es nur ein Ausrutscher nach unten. Aber seinerzeit hat es großen Eindruck auf mich gemacht.

Ich kam zur Erkenntnis, dass ich bei weitem noch nicht genügend wusste, um das große Ganze zu sehen.

Der Crash fand vor dem Hintergrund eines Währungskriegs zwischen Japan und den USA statt. Japan war mitten in einem raketenhaften Aufstieg zum neuen finanziellen Gravitationszentrum der Welt.

Aber konnte das nachhaltig sein? Konnte Tokio New York wirklich vom Thron stoßen? Konnte Japan prosperieren, wenn die Wall Street in Trümmern lag?

Ich fand, dass ich das nur würde begreifen können, wenn ich die Geschichte kenne, die Mentalitäten der Völker, ihre Träume und Albträume. Aus dem Grund habe ich damals auch Japanisch gelernt.

Was die Linguistik angeht, ist das intellektuell Faszinierende an dieser Wissenschaft, dass sie einen zwingt, zwischen Oberflächen- und Tiefenstrukturen, zwischen Regel und Abweichung zu unterscheiden.

Auch das hilft, die Dinge klarer zu sehen. Für das Buch „Weltkrieg der Währungen“ hat mir das viel gebracht.

GeVestor: Welche Botschaft verfolgen Sie mit Ihrem Buch? Kritik, Aufklärung, Ratgeber?

Eckert: Als ich mich dafür entschied, das Buch zu schreiben – das war im Herbst 2010 –, befanden wir uns gerade in der ersten Stufe der Finanzkrise.

Die meisten Menschen dachten noch, das Ganze sei ein Problem durchgeknallter Banken.

Das war ein Teil des Ganzen, ja. Aber nach allem, was ich aus der Geschichte gelernt hatte, würde sich die Krise zu einer Schulden-, und dann zu einer Währungskrise auswachsen.

Daher war es mir von Anfang an wichtig, eines zu zeigen: Die Verzerrungen, die wir jetzt haben, resultieren aus einer Verquickung der Interessen großer Geldhäuser und Versicherungen, der Kapitalsammelstellen, mit denen des Staates.

Diesen Finanzfilz sollten wir uns als Bürger nicht bieten lassen. Deshalb habe ich die Sprache in „Weltkrieg der Währungen“ so einfach wie möglich gehalten; um auch Menschen zu erreichen, die nicht gerade in Finanzthemen zu Hause sind.

Vielleicht gelingt es mir ein Bewusstsein zu schaffen dafür, dass es immer eine Alternative gibt.

Die Schlussfolgerungen für die eigene Vermögensbildung oder Vorsorge ergeben sich fast von selbst: Meide als Anleger Vermögensformen, die von der Manipulation durch den finanziell-politischen Komplex betroffen sind.

GeVestor: Sie haben „Weltkrieg der Währungen“ geschrieben, um „Licht in die dunkle Welt der Währungen zu bringen“, wie Sie selbst es in Ihrer Danksagung formuliert haben. Wer, glauben Sie, ist Schuld an dieser Undurchsichtigkeit? Die desinteressierte Öffentlichkeit, oder die gezielte Verschwiegenheit der Notenbanker?

Eckert: Regierungen haben kein Interesse daran, dass sich große Teile der Bevölkerung mit dem Thema beschäftigen. Nur eine kleine Gruppe von Insidern fühlt sich berufen, die Geld- und Währungspolitik zu machen.

Denken Sie nur mal an ein so wichtiges Gesetz wie den ESM. Selbst den Abgeordneten des Bundestags wurde erklärt, dass es keine Alternative gebe. Dann bekamen sie seitenweise Finanzkauderwelsch vorgelegt.

Von der Struktur her erinnert so etwas an das Feudalzeitalter, als den Bauern von den Adeligen gesagt wurde, sie hätten gar nicht das nötige Wissen, um über die Politik mitzubestimmen.

Ich möchte den Blick auch auf die Notenbanken lenken, die sich noch vor wenigen Jahren so viel auf ihre Unabhängigkeit zugutehielten. Nun sind die Notenbanken praktisch Außenstellen der Finanzministerien; keine Spur mehr von Währungshütern.

Man muss jedoch anerkennen, dass es die Staaten auch mit einem mächtigen Widerpart zu tun haben; den Finanzmärkten und in ihrem Schlepptau den Rating-Agenturen. Da wird mit harten Bandagen gekämpft.

Der Titel „Weltkrieg der Währungen“ ist von einigen Rezensenten als zu martialisch kritisiert worden. Aber hier geht es um Billionen von Vermögen und um die Zukunft von Nationen.

Mit meinem Buch möchte ich dazu beitragen, den Wissensvorsprung der Eliten einzuebnen.

GeVestor: Sie schreiben in Ihrem Buch, der Euro sei „sterblich“, der Dollar „unheilbar krank“. Es schreit also nach einer neuen Währungsreform. Was denken Sie in Bezug auf Europa? Zurück zu DM, Drachme, Lire und Franc?

Eckert: Um es vorwegzunehmen: D-Mark, Lira und Franc werden – höchstwahrscheinlich – nicht wiederkommen. Und das, obwohl die Rückkehr der nationalen Währungen aus marktwirtschaftlicher Sicht Vorteile hätte.

Nationale Währungen erlauben mit ihren schwankenden Wechselkursen leichtere ökonomische Anpassungen und Angleichungen zwischen den Ländern.

Einen völligen Zerfall der Eurozone wird es nicht geben, denn die europäische Währung ist ein politisches Projekt.

Ob der Euro in einigen Jahren noch existiert, werden also nicht Kommissionen oder Ökonomen, nicht Wirtschafts- oder Finanzminister entscheiden, sondern die europäischen Staats- und Regierungschefs.

Der einzige Staatschef in der Riege ist übrigens der französische Präsident.

Darüber hinaus sollten wir nicht vergessen, dass die Staaten der EU miteinander durch regen Handel verbunden sind. Für die Unternehmen bedeutet es eine Erschwernis, wenn die Preise währungsbedingt stark hoch- und runtergehen.

Aus dem Grund hatten sich die Europäer nach dem Zerfall der Ordnung von Bretton Woods Anfang der 70er-Jahre beeilt, ein eigenes Währungssystem aufzubauen: zuerst die Schlange, dann das EWS.

Man muss freilich sehen, dass keiner dieser Verbünde reibungslos funktioniert hat. Die einzige Zeit, in der das EWS ohne große Auf- und Abwertungen auskam, war die zweite Hälfte der 90er.

Aber da hatten alle Beteiligten einen enorm starken Anreiz, keine Schwäche zu zeigen; eben weil am Ende des Weges die ultimative Prämie Euro winkte.

Den Ausgleich, den früher Auf- und Abwertungen bewirkt haben, müssen in Zukunft Geldtransfers übernehmen.

llerdings – das will ich nicht verhehlen – ist da ein Restrisiko, dass der Vertrag zwischen Kern und Peripherie (wir geben euch Geld und dafür konsolidiert ihr) von den Völkern zurückgewiesen wird.

Ein solches Platzen des Nord-Süd-Gesellschaftsvertrags in Europa würde das Gebilde Eurozone zerreißen.

GeVestor: In Euro und Dollar können wir unsere Hoffnungen derzeit kaum noch setzen. Jedoch bedeutet die Investition in Gold auch die Gefahr einer Inflation. Welchen Rat für mehr Sicherheit können Sie uns abschließend also geben?

Eckert: Bei den Edelmetallen hat sich eine gewisse Ernüchterung breitgemacht. Der Nachteil der traditionellen Währungen Gold und Silber ist, dass sie keine laufenden Erträge, keinen Zins abwerfen.

Das bedeutet: Man kann nicht anhand einer simplen Arithmetik einschätzen, ob diese Metalle über- oder unterbewertet sind.

Viele Akteure haben zuletzt wohl Zweifel bekommen, ob Gold und Silber 2011 vielleicht zu weit gelaufen sind. Das hat auch damit zu tun, dass die große Inflation auf sich warten lässt.

Viele Skeptiker rechnen ja schon seit langem mit Inflationsraten von 4, 5% oder mehr. Zumindest in den offiziellen Statistiken spiegelt sich das nicht wider. Zuletzt sind die Teuerungsraten sogar gesunken.

Zugleich ist es für viele klar, dass es etwas Besseres gibt, um sich gegen den Zerfall der Eurozone abzusichern: solide Investments in dem alten Hartwährungsland Deutschland.

Wenn Sie in Griechenland, Portugal oder Spanien leben, können Sie nicht 100% sicher sein, wie sich Gold bei einem Kollaps des Euro verhält. Was Sie aber wissen: Eine Währung wird zu Ihrer nationalen Währung auf jeden Fall aufwerten: die neue D-Mark.

Deshalb fließt so viel Geld in den deutschen Bondmarkt. Und ein Teil des Immobilienbooms ist damit sicher auch zu erklären.

Ein Grund, mein Gold zu verkaufen, ist das alles aber noch lange nicht. Denn strukturell steuert ein Großteil der Industriestaaten auf die Insolvenz zu. Die Frage einer großen Inflation könnte sich also sehr wohl stellen.

GeVestor: Können wir in Zukunft ein weiteres Buch von Ihnen erwarten? Und wenn ja, um welches Thema würde es wohl gehen?

Eckert: Momentan entwickelt sich die Realität schneller, als die Politik – und häufig auch die Wissenschaft – zuzugeben in der Lage oder willens sind. Die Ereignisse in Griechenland sind das beste Beispiel dafür.

Dem wohnt etwas Tragisches inne, denn schließlich ist das ja unsere Elite, in die wir die Erwartungen setzen, dass sie uns in schwierigen Zeiten den Weg weist.

In meinem Buch habe ich beschrieben, warum die Eurozone 1.0 scheitern muss und wie die Eurozone 2.0 aussehen könnte.

Das bewegt uns derzeit alle, und über Twitter und andere soziale Medien befinde ich mich im Dialog mit vielen Bürgern.

Wenn man über den europäischen Tellerrand hinaus blickt, wird schnell klar: Das große Thema des 21. Jahrhunderts ist die Konfrontation von China und den USA.

Um diesen Kampf der Giganten wird sich auch das nächste Buch drehen. Sie können also sicher sein: Sie werden von mir lesen.

Daniel D. Eckert hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und ist als Reporter im Wirtschaftsressort der Welt und Welt am Sonntag tätig. Lesen Sie hier mehr über den Autor.

Das Buch ist im FinanzBuch Verlag erschienen und kostet 19,99€.

20. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.