Darum ist Kuba derzeit kein echter Hoffungskandidat

Als im letzten Jahr die USA und Kuba vorsichtig aufeinander zugingen und Barack Obama eine Lockerung der Sanktionen in Aussicht stellte, begannen die Planspiele potenzieller Investoren weltweit, die vom Aufbau der maroden Zuckerrohrinsel profitieren wollen. Damit nicht nur die Amerikaner das Sagen haben, lud Havanna Delegationen aus verschiedenen Ländern ein.

Kubas Wirtschaft sucht Anschluss

Um Kubas Wirtschaft auf Vordermann zu bringen, hatte die Regierung bereits 2014 Investitionen ausländischer Interessenten ermöglicht. Als marktwirtschaftliches Experimentierfeld dient eine mit chinesischer Hilfe errichtete Sonderwirtschaftszone um den Seehafen Mariel. Hunderte von Projekten sind international ausgeschrieben. Anleger und Unternehmen werden mit niedrigen Steuern angelockt.

Weil dies als erster Schritt zum behutsamen Ausstieg aus der restlichen Planwirtschaft gedacht ist, drängt sich natürlich die Frage nach den Potenzialen auf. Einige Fondsanbieter stellten Überlegungen zur Ausweitung entsprechender Anlagemöglichkeiten an. Doch obwohl die Wirtschaft in Kuba zwischen Abriss und Aufbruch steht, geben die jüngsten Veränderungen wieder weniger Anlass zu Optimismus.

Neuer Druck aus Washington

Einerseits ist letzten November Fidel Castro verstorben, der bis zuletzt aus dem Hintergrund versuchte, die Öffnungspolitik der Regierung zu bremsen. Andererseits trat fast zeitgleich mit Donald Trump ein neuer Bremser auf den Plan. Er stellt die von Obama eingeleitete Annäherung zur Disposition und fordert Kuba nun zu einer Reihe sofortiger Zugeständnissen auf. Wenn nicht, will er bereits getroffene Vereinbarungen aufkündigen.


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Ob dies mehr Symbolpolitik ist und wie Havanna reagieren wird, muss sich noch zeigen. Fest steht indes, dass die zuvor positive Wirtschaftsentwicklung einen Dämpfer erlitt. Nach einem Wachstum von 4,1% im Jahr 2015 ging es letztes Jahr um 0,9% zurück. Als Hauptgrund werden die Schwierigkeiten des wichtigsten Handelspartners Venezuela angegeben, das unter niedrigen Ölpreisen leidet.

Die Abhängigkeit von wenigen Partnern, zu denen auch Russland und China gehören, zeigt umso mehr die Notwendigkeit, ebenso mit anderen Ländern ins Geschäft zu kommen. Nachholbedarf herrscht an allen Ecken und Enden. Gebäude, Geräte und Strukturen sind völlig veraltet.

Enormer Nachholbedarf

Nur 5% der Bevölkerung haben Zugang zum Internet. Selbst ein klassisches Mobiltelefon besitzt nur jeder vierte Kubaner. Der Weg aus der maroden Mangelwirtschaft bietet Chancen für sämtliche Branchen: Immobilien, Tourismus, Telekommunikation, Infrastruktur Energie, Handel, Konsum und Finanzdienstleistungen.

Dabei hat Kuba im Gegensatz zu den meisten anderen Emerging Market-Ländern entscheidende Vorteile: Ein funktionierendes Gesundheitssystem mit flächendeckender Versorgung und ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau mit kostenlosen Schulen und Ausbildungszentren. Gute Voraussetzungen also, wenn künftig qualifizierte Arbeitskräfte gesucht werden.

Was fehlt, ist eine Börse und ein entsprechender Index. Privatanleger können in Kuba nicht investieren. Auch direkte Investments in die Wirtschaft sind kaum möglich. Die rund 3.700 Unternehmen befinden sich nach wie vor in staatlicher Hand. Nur wenige Geschäfte können auf eigene Rechnung arbeiten. Hinzu kommt, dass in Kuba alles sehr schleppend verläuft.

Banken wollen keinen Ärger 

Doch selbst deutsche Firmen, die bereit wären, die nötige Geduld aufzubringen, sind bei Ausschreibungen zurückhaltend. Hauptgrund ist die fehlende Möglichkeit, Finanzen abzuwickeln. Es gibt schlicht keine deutsche Bank, die Geschäfte mit Kuba finanziert. Zuletzt hatte sich die Commerzbank zurückgezogen, weil sie mit den US-Sanktionen in Konflikt kam und eine Strafe von 1,7 Mrd. US-$ kassierte.

Mit Donald Trump dürfte sich das Problem verschärfen. Er wird ohnehin darauf dringen, dass vorwiegend US-Firmen zum Zuge kommen. Vor dem Hintergrund sind auch die derzeit einzigen Möglichkeiten für Privatanleger mit Vorsicht zu genießen.

Spekulationsgetriebene Anlagen

Dazu zählen zum einen ein 2015 aufgelegtes Indexzertifikat auf den Solactive Cuba Focused Caribbean Index. Der enthält bis zu 12 Unternehmen, aus den Bereichen Infrastruktur und Transport, Finanzen und Konsumgüter. Dazu gehören: der Nickelproduzent Sherrit, der mexikanische Telekommunikationskonzern America Movil, sowie Kreuzfahrtanbieter und spezialisierte Airlines. Das Zertifikat stammt vom Schweizer Investmenthaus Leonteq.

Etwas älter ist der Herzfeld Caribbean Basin Fund, ein börsennotierter geschlossener US-Fonds mit Kuba als Anlagethema. Alle 76 Aktien stammen von nichtkubanischen Unternehmen. Dass der Fonds von politischen Spekulationen getrieben ist, zeigt das Risiko und die Unwägbarkeit derartiger Engagements.

20. Januar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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