von Heiko Böhmer

Das Gold des kleinen Mannes

Rohstoffe liegen wieder voll im Trend. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten nimmt zu und da suchen viele Investoren sichere Alternativen mit guten Renditechancen. Genau das können Rohstoffe, hier vor allem Gold und Silber, bieten. Während der DAX in diesem Jahr auf der Stelle tritt hat der Goldpreis um mehr als 14% zugelegt. Silber bringt es seit Anfang Januar sogar auf einen Zuwachs von 17,5%.

Und was noch hinzukommt:

auf dem aktuellen Niveau notieren die beiden Edelmetalle schon auf Mehrjahreshochs oder ganz in der Nähe davon. Mit Gold habe ich mich an dieser Stelle schon sehr oft beschäftigt. Daher soll in dieser Ausgabe einmal Silber im Fokus stehen. In den vergangenen Wochen hat „das Gold des kleinen Mannes“ auch einen wahren Preissprung erlebt. So ist der
Silberpreis in den vergangenen vier Wochen um knapp 12% gestiegen.
Dennoch ist Silber im Vergleich zu Gold noch immer sehr billig. Ein wichtiger Indikator dafür ist die Gold-Silber-Rate. Diese gibt an, wie viele Unzen Silber man benötigt, um eine Unze Gold zu kaufen. Ganz aktuell steht diese Rate bei rund 62. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag diese Rate bei 61 und seit 1971 ergibt sich ein Durchschnittswert von 56.

Mit dem aktuellen Goldpreis von rund 1.250 Dollar pro Unze ist dieses Edelmetall nicht mehr für jeden erschwinglich

In den nächsten Monaten ist es daher gut möglich, dass viele Investoren eher auf Silber als auf Gold setzen. Eine Silberunze gibt es eben schon für knapp 20 Dollar. Dabei ist allerding zu beachten, dass Silber nicht nur als Edelmetall anzusehen ist, sondern auch tatsächlich industriell verbraucht wird. Dennoch sehen viele Investoren Silber als handfeste und sichere Geldanlage an, wenn es bei Aktien mal wieder zu einem Kurssturz kommen sollte.
Viele Experten sprechen bei Silber auch eher von einem High-Tech-Metall. Silber findet sich heute in immer mehr Anwendungen. So als antibakterieller Bestandteil in Wundverbänden oder als hochwertiger Leiter in elektronischen Bauteilen. Obwohl die Fotografie als sehr wichtiger Einsatzbereich in den vergangenen Jahren fast völlig weggebrochen ist, haben sich bis jetzt schon sehr viele neue Anwendungen ergeben, von denen viele erst in den kommenden Jahren am Markt richtig zum Tragen kommen werden. Dazu zählen sicherlich auch die RFID-Chips, die im Einzelhandel schon heute vereinzelt bei großen Ketten zum Einsatz kommen.

Wie gesagt: das ist nur ein neuer Einsatzbereich für Silber.

Allerdings schwankt der Silberpreis deutlich stärker als der Goldpreis. Das verdeutlicht ein Blick auf die Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren. Zwar liegen beide Edelmetalle mit einem Zuwachs von 81% beim Gold und 61% beim Silber fast gleichauf. Aber vom Tief bis zum aktuellen Stand liegt die Schwankungsbreite beim Gold nur bei 76%. Beim Silber fällt diese Zahl mit 121% deutlich größer aus. Silber hat im Zuge der Finanzkrise einen massiven Preiseinbruch erlebt, weil die industrielle Nachfrage fast vollständig zum Erliegen kam. Auf Sicht von drei Jahren liegt die Volatilität bei 41,5%. Bei Gold liegt der Vergleichswert nur bei knapp 26%.
Daran sehen Sie: Silber bietet größere Chancen als Gold – das aber bei einem größeren Risiko. Doch genau jetzt ist der Silbermarkt in einer sehr spannenden Phase. In den vergangenen Jahren ist viel Geld in die Erschließung neuer Vorkommen geflossen. Doch im Vergleich zur Entwicklung im Goldbereich war das nur ein kleiner Teil. Experten wie David Morgan aus den USA gehen aber aktuell davon aus, dass der Silbermarkt schon ab 2012 wieder in ein Angebotsdefizit geraten könnte.
Sollte zudem noch das Interesse der Investoren weiter ansteigen – wovon in den aktuell unsicheren Zeiten auszugehen ist, dann steht Silber vor einem weiteren Preissprung – vielleicht nicht in den nächsten zwei Monaten aber bestimmt in den nächsten zwei Jahren. Und bis zum Rekordpreis von 50 Dollar pro Unze aus dem Jahr 1980 hat Silber noch eine Menge Luft. Damals wurde der Preis durch die Spekulation der Hunt-Brüder so nach oben katapultiert. Derzeit spricht vieles dafür, dass der Silberpreis aktuell durch fundamentale Faktoren weiter gestützt wird.
Bis morgen,
Heiko Böhmer
Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“

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Heiko Böhmer

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