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Das klassische Wertparadoxon der Ökonomie

Was ist mehr Wert und was würden Sie wählen: Eine Flasche Wasser oder einen lupenreinen Diamanten? Auf den ersten Blick erscheint die Antwort auf die Frage eindeutig, doch der Blickwinkel kann sich verändern.

Das klassische Wertparadoxon beschäftigt sich damit, welchen Wert ein bestimmtes Gut (auch im Vergleich zu anderen Gütern) hat und wie groß sein Nutzen ist. Dies lässt sich auf nahezu jedes käufliche Gut anwenden – Aktien, Nahrungsmittel, Alltagsgegenstände und so weiter.

Das klassische Wertparadoxon als wissenschaftliches Problem

Das klassische Wertparadoxon tritt als theoretisches Problem in der Ökonomie auf und stellt die Frage nach dem Zusammenhang eines Gutes mit dessen gesellschaftlichem Gesamtnutzen. In der Literatur werden oft der Nutzen und der Preis von Wasser und Diamanten als überspitzte Gegensätze herangezogen.

Wasser ist im Gegensatz zu Diamanten extrem billig, liefert aber einen überlebenswichtigen Nutzen für die Gesellschaft und jeden Einzelnen. Diamanten hingegen sind sehr teuer, bieten aber keinen direkten Mehrwert (abgesehen von industriellem Einsatz).

Diese Ausgangssituation scheint wirklich paradox zu sein, weil die Lebensmittelversorgung früher schwierig war und teilweise auch heute noch nicht überall selbstverständlich ist. Somit wäre Wasser eigentlich das wertvollere Gut. Allerdings sind Diamanten sehr rar und die Nachfrage ist groß, Wasser gibt es in rauen Mengen und die Nachfrage kann – theoretisch – gedeckt werden.

Adam Smiths Lösung für das Wertparadoxon

Adam Smith, schottischer Nationalökonom aus dem 18. Jahrhundert, entwickelte die Theorie weiter. Smith splittete den Begriff des Wertes in 2 verschiedene Begriffe auf – der Tauschwert (value in exchange) und der Gebrauchswert (value in use).

Durch diese „Brechung“ lassen sich für jedes Gut ein Tauschwert und ein Gebrauchswert beziffern. Der Tauschwert von Diamanten ist außerordentlich hoch, wohingegen der Gebrauchswert niedrig ist. Beim Wasser verhält es sich exakt gegenläufig.

Dieser scheinbare Widerspruch zur realistischen Einschätzung eines Wertes lässt sich dadurch erklären, dass der sogenannte Grenznutzen mit Zunahme der zur Verfügung stehenden Menge sinkt.

Das bedeutet, dass auch sehr nützliche Güter, wie etwa Wasser oder Reis billiger werden können, wenn sie in ausreichenden Mengen vorhanden sind. Somit haben diese einen geringen Grenznutzen. Güter die weniger nützlich sind, wie zum Beispiel Diamanten oder Kunstwerke, können jedoch bei geringer Verfügbarkeit einen hohen Grenznutzen haben.

Lösungen für das Wertparadoxon im Alltag – Weiterentwicklung der Theorie

Die Alltagslösung für diese Problematik lieferte Hermann Heinrich Gossen im 19. Jahrhundert. Durch die Entwicklung des „Gossenschen Gesetzes“ gab er der subjektiven Wertbemessung eines Gutes die höchste Bedeutung. Der Wert eines Gutes hängt also nicht von der Gesamtmenge ab, sondern von dem individuellen Nutzen, den wir diesem Gut beimessen. Auch hier griff Gossen das Beispiel mit Wasser und Diamanten auf:

In einer Wüste – kurz bevor man verdurstet – ist ein Diamant nichts mehr Wert, eine Flasche Wasser hingegen ist unschätzbar wertvoll. Der Diamant, egal welcher Größe, würde gegen das Wasser eingetauscht werden. Somit kommt es nicht mehr drauf an, dass Edelsteine sehr selten sind. Das Wasser hat in dieser Situation einen individuell höheren Wert hat und erfüllt einen höheren Nutzen.

22. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.