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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Bewertungsmaßstab für Aktien

Um aus der Vielzahl der Aktien die vielversprechendsten für Ihr Depot auszuwählen, steht Ihnen zahlreiche Analyse- und Bewertungsinstrumente zur Verfügung.

Eines der meistgenutzten und einfachsten Bewertungsinstrumente, um abzuwägen, ob eine Aktie teuer oder preiswert ist, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV. Gelegentlich finden Sie auch die englische Bezeichnung Price-Earnings Ratio oder abgekürzt: PER.

Der „Geldanlage-Berater“ empfiehlt Ihnen, vor dem Kauf einer Aktie zu prüfen, wie diese an der Börse aktuell bewertet wird. Aber auch Ihr Depot sollten Sie von Zeit zu Zeit auf hoch bewertete Aktienpositionen kontrollieren und entsprechend handeln.

Nehmen wir an, Sie wollen Aktien der Siemens AG kaufen. Eine Aktie kostet zur Zeit rund 62 €. Aber ist Siemens bei diesem Kurs nun ein „Schnäppchen“ oder eher teuer? Aufgrund des Kurses allein können Sie darüber kein Urteil fällen.

Auch ein Vergleich mit den Kursen vor wenigen Wochen, Monaten oder Jahren hat wenig Sinn, da jedes Unternehmen Veränderungen unterliegt. Ihre Kaufentscheidung sollten Sie hierauf keinesfalls gründen.

Der Unternehmensgewinn sollte für Sie die entscheidende Kenngröße beim Kauf einer Aktie sein: Schließlich hängt auch der Wert Ihrer Investition davon ab, ob und in welcher Höhe Sie einen Gewinn erzielen. Genauso bestimmt sich der Wert eines Unternehmens dadurch, ob und in welcher Höhe es Gewinne erzielt.

Mit Hilfe des Kurs-Gewinn-Verhältnisses können Sie den erzielten oder den erwarteten Gewinn eines Unternehmens in Beziehung zu seinem Aktienkurs setzen. Anhand dieser Beziehung können Sie anschließend beurteilen, ob eine Aktie an der Börse zur Zeit gerade attraktiv bewertet wird oder ob sie vielleicht bereits (zu) teuer bezahlt wird.

Wann ist eine Aktie billig oder teuer?

Die Antwort auf diese Frage ist vielfältiger, als Sie vielleicht zunächst vermuten. An folgender Faustformel können Sie sich orientieren:

  • Je höher das KGV, desto teurer ist eine Aktie.
  • Je niedriger diese Kennziffer ist, desto preiswerter ist eine Aktie.

Vergleich: Investition in eine Aktie und in die Firma eines Bekannten

Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Zwei Ihrer Freunde, Herr Unstet und Frau Wachstum, haben jeweils eine eigene Firma. Beide bieten Ihnen eine Kapitalbeteiligung an ihrem Unternehmen an. Als Gegenleistung dafür, dass Sie den Freunden das Geld zur Verfügung stellen, sollen Sie eine Gewinnbeteiligung erhalten.

Das Unternehmen des Herrn Unstet ist in einer Branche tätig, die sehr wechselhaft ist. Die Ertragsaussichten sind düster. Die Konkurrenz kam vor kurzem mit einem besseren Produkt auf den Markt.

Herr Unstet kann da noch kein verbessertes Produkt entgegensetzen. In den vergangenen Jahren wurden selten Gewinne erzielt – tatsächlich erwirtschaftete das Unternehmen in den beiden letzten Jahren sogar Verluste.

Ihre Bekannte, Frau Wachstum, ist hingegen in einer Branche aktiv, die seit einigen Jahren stark wächst. Sie besitzt ein Patent auf ihr Produkt, das sie in den nächsten Jahren vor Konkurrenz schützt. Ein Ende des Wachstums ist derzeit nicht erkennbar. Ihr Unternehmen verdient von Jahr zu Jahr markant mehr.

An welchem dieser beiden Unternehmen würden Sie sich wohl eher beteiligen? Die Antwort fällt hier leicht: Natürlich würden Sie sich an der Firma der Frau Wachstum beteiligen. Denn ihr Unternehmen arbeitet profitabel und ist in einer zukunftsträchtigen Branche tätig. Entsprechend dürfte sich Ihre Investition in Form von Gewinnbeteiligungen rentieren.

Beim Kauf einer Aktie tun Sie im Prinzip nichts anderes: Sie suchen eine attraktive Investitionsmöglichkeit, setzen Ihr Kapital ein und erwarten eine entsprechende Verzinsung in Form einer Dividende plus einer Risikoprämie, also einen Kursgewinn. Bei der Investition in die Aktie eines Unternehmens, das Gewinn erzielt, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass Ihre Erwartungen erfüllt werden.

Der Unternehmensgewinn als Schlüsselgröße bei der Aktienbewertung

Ein Unternehmen muss Gewinne erzielen. Ein Unternehmen, das nur Verluste einfährt, kann auf Dauer nicht existieren. Der Unternehmensgründer wird mit Gewinnen dafür belohnt, dass er das Risiko der Firmengründung und Geschäftsführung, das Unternehmerrisiko, übernommen hat.

Als Aktionär übernehmen Sie einen Teil des finanziellen Risikos, das auf die Höhe Ihres in diese Aktiengesellschaft investierten Kapitals begrenzt ist. Auf der anderen Seite profitieren Sie von den Gewinnen dieses Unternehmens in Form einer Dividendenzahlung und/oder möglichen Kursgewinnen.

Den Gewinn eines Unternehmens errechnen Sie vereinfacht, wenn Sie dessen Ausgaben von den Einnahmen abziehen. Sind die Einnahmen höher als die Ausgaben, wurde ein Gewinn erzielt, umgekehrt ein Verlust.

Die Einnahmen, die beim Verkauf eines Produktes oder einer Dienstleistung erzielt werden, werden als Umsatz bezeichnet. Ausgaben sind alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Produktion, dem Vertrieb und der Vermarktung des Produktes oder der Dienstleistung stehen.

Gewinne der Vergangenheit oder künftige Gewinne?

Es gibt zwei Arten von Gewinnen:

  • Gewinne, die in der Vergangenheit erzielt wurden, also feststehen
  • Gewinne, die von Experten, meist Banken, Research-Häusern oder Aktienanalysten, für die Zukunft geschätzt werden

Gewinne, die in der Vergangenheit erzielt wurden, haben sich bereits in der Substanz des Unternehmens, also der Aktie niedergeschlagen. Sie wurden beispielsweise zum Teil als Dividende an den Anleger ausgezahlt.

Gewinne, die noch erzielt werden, schlagen sich zukünftig in der Substanz des Unternehmens nieder. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Daher sind für Sie als Anleger die Gewinne entscheidend, die das Unternehmen voraussichtlich erzielen wird.

Dementsprechend sollten Sie in Ihre Kaufentscheidung die Beurteilung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf Basis von Gewinnschätzungen einfließen lassen.


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Das KGV auf Basis von Gewinnschätzungen

Gewinnschätzungen für Unternehmen finden Sie in Finanzpublikationen. Auch das Internet bietet Ihnen inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, Gewinnschätzungen für Unternehmen in Erfahrung zu bringen. Achten Sie hier aber auf die Seriosität der Quelle.

Kurs-Gewinn-Verhältnisse Ihrer Aktien finden Sie beispielsweise unter der Bezeichnung „KGV 2005e“. Das kleine „e“ hinter der Jahreszahl bedeutet „erwartet“. Es verdeutlicht, dass das KGV auf der Basis von Gewinnschätzungen für das Jahr 2005 ermittelt wurde.

Liegen für ein Unternehmen unterschiedliche Gewinnschätzungen vor, wird fast immer ein Durchschnittswert publiziert. Je mehr Gewinnschätzungen in eine solche Durchschnittsrechnung eingehen, desto fundierter ist diese Schätzung.

Dazu ein Beispiel: Dax-Unternehmen werden ständig von sehr vielen Analysten bewertet, da diese Aktien für ein sehr breites Publikum interessant sind. Da für Dax-Titel entsprechend immer sehr viele Gewinnschätzungen vorliegen, würden sich extreme Abweichungen in den Gewinnschätzungen bei der Durchschnittsrechnung relativieren.

Kleinere Unternehmen, beispielsweise aus dem SDax, werden hingegen häufig nur von wenigen Analysten untersucht. Entsprechend ist die Anzahl der vorhandenen Gewinnschätzungen geringer. Klaffen diese dann auch noch weit auseinander, so ist auch der Durchschnittswert weniger aussagekräftig.

A BCDEFGHIO
Dax-Aktie2,80 €3,00 €3,20 €2,80 €3,00 €3,20 €2,90 €3,10 €7,50 €3,50 €
SDax-Aktie2,80 €3,20 €7,50 €4,50 €

Die kleine Beispieltabelle illustriert dies: Acht der neun Analysten-Gewinnschätzungen beim Dax-Titel und zwei der drei beim SDax-Titel wurden so gewählt, dass Ihr Durchschnitt 3,00 € ausmacht.

Die letzte Gewinnschätzung weicht davon jeweils extrem ab. Die Auswirkung sehen Sie in den grau unterlegten Feldern: Der „Ausreißer“ zieht den Durchschnittswert beim SDax-Titel deutlich stärker nach oben, als beim Dax-Titel.

Weicht bei einer Aktie eine einzelne Gewinnschätzung erheblich von den restlichen Schätzungen ab, so wirkt sich das bei einer kleinen Zahl von Analystenschätzungen stärker aus.

Allerdings bieten Ihnen die Gewinnschätzungen keine Garantie, dass ein Unternehmen auch tatsächlich diesen prognostizierten Gewinn erarbeitet. Diese Daten können mehr oder weniger stark von den zukünftig tatsächlich erzielten Zahlen abweichen, denn letztlich sind es eben nur Schätzungen.

Da sie aber überwiegend eine gute Annäherung an die Wirklichkeit darstellen, sind Gewinnschätzungen für Sie als Investor eine wertvolle Orientierungshilfe.

Wie errechnen Sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Formel  

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

?
Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) kann untersucht werden, wie billig oder teuer eine Aktie im nationalen oder internationalen Vergleich abschneidet.
$$\bo\text"KGV" = \text"aktueller Aktienkurs" / \text"Gewinn je Aktie"$$
Ergebnis berechnen

Ein Beispiel: Das Unternehmen XYZ erwartet für 2005 einen Gewinn in Höhe von 50 Mio. €. Die Zahl der ausgegebenen und frei verfügbaren Aktien beläuft sich auf 10 Mio. Anteile. Daraus errechnet sich ein Gewinn pro Aktie von 5 €, nämlich: 50 Mio. € dividiert durch 10 Mio. Anteile. Der Kurs der Aktie notiert aktuell bei 50 €. Entsprechend ermitteln Sie für die Aktie ein KGV von 10 (50 dividiert durch 5).

KGV-Vergleiche sind nur für Aktien sinnvoll, deren Unternehmen auch Gewinne machen. Für ein Unternehmen, das keinen Gewinn erzielt oder sogar Verluste macht, wird daher kein Kurs-Gewinn-Verhältnis errechnet. In Finanzpublikationen wie der Aktien-Analyse finden Sie dann unter der Rubrik KGV einen Strich oder den Hinweis „negativ“ bzw. „Verlust“.

Hohes oder niedriges KGV? Die Dividende als „Eselsbrücke“

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis spiegelt wider, wie oft der Gewinn pro Aktie im Kurs der Aktie enthalten ist. Um sich einmal klar zu machen, was dies eigentlich bedeutet, gibt es einen kleinen Trick. Vergleichen Sie dazu die KGVs für 2005 der 3 MDax-Unternehmen Aareal Bank, Fielmann und Schwarz Pharma:

UnternehmenKurs 7.6.05GpA 2005KGVDividende 2005
Aareal Bank25,80 €2,12 €12,170,60 €
Fielmann53,39 €2,50 €21,361,60 €
Schwarz Pharma35,55 €0,15 €237,000,20 €

Würde der komplette Gewinn als Dividende ausgeschüttet, müssten Sie bei Schwarz Pharma mehrere Menschenleben lang auf die Rückzahlung Ihres Einsatzes warten! (GpA=Gewinn pro Aktie)

Hier unsere „Eselsbrücke“: Als Aktionär sind Sie natürlich daran interessiert, vom Unternehmen eine Dividende gezahlt zu bekommen. Unterstellen Sie nun einmal, das Unternehmen würde seinen kompletten Gewinn jährlich als Dividende an seine Aktionäre ausschütten.

In diesem Fall erhalten Sie Ihr in die Aareal Bank investiertes Kapital in 12 Jahren in Form ausgezahlter Dividenden zurück: 12 x 2,12 € = 25,44 €. Bei der Fielmann-Aktie müssten Sie darauf schon 21 Jahre warten – bei Schwarz Pharma dauert es mehrere Menschenleben: rund 237 Jahre.

Wie Sie der Tabelle auf der vorhergehenden Seite entnehmen können, schüttet ein Unternehmen meistens natürlich nur einen Bruchteil seines erzielten Gewinns als Dividende aus. In Wahrheit würde es also noch viel länger dauern, bis Sie Ihren Einsatz in Form von Dividenden zurückerhalten hätten. So warten Sie bei der Aareal Bank 43 Jahre, bei Fielmann 33 Jahre und bei Schwarz Pharma fast 180 Jahre!

Wenn Sie unsere „Eselsbrücke“ für die KGV-Beurteilung als Hilfsmittel heranziehen, werden Sie sich immer eine Distanz zu extrem hohen KGVs bewahren.

Das Index-, Branchen- und historische KGV als Vergleichsgröße

Um noch besser abschätzen zu können, ob das Kurs- Gewinn-Verhältnis Ihrer Aktie hoch oder niedrig ist, sollten Sie es in Relation zu den KGVs anderer Aktien setzen.

Die nachstehende Tabelle können Sie prima für Ihre eigenen KGV-Untersuchungen, Ihren eigenen Depotcheck und für Ihre Kaufentscheidungsfindung nutzen: Sie zeigt alle 30 Dax-Werte im Überblick, komplett mit ISIN, Branchenzugehörigkeit, dem Kurs vom 7. Juni 2005 und den aktuellen Gewinnschätzungen für 2005/2006.

30 Dax-Unternehmen für Ihren Depotcheck im Überblick

Dax-TitelBrancheISINKurs 7.6.05GpA 2005VeränderungKGV 2006ePEG 2006e
AdidasSportartikelDE0005003404135.388.50.135141
AllianzVersicherungDE000840400595.37100.18.70.9
AtlanaPharmaDE000760080146.782.90.05215.32.9
BASFChemieDE000515100555.5540.07512.91.7
BayerChemie/PharmaDE000575200028.051.60.25140.6
BMW St.AutomobilDE000519000336.83.40.1189.70.8
CommerzbankBankDE000803200417.661.50.16710.10.6
ContinentalAutozuliefererDE000543900457.445.40.1489.30.6
DaimlerChryslerAutomobilDE0007100000332.50.49.40.2
Deutsche BankBankDE000514000864.1170.18.30.8
Deutsche BörseBörseDE000581005561.192.850.21117.70.8
Deutsche PostLogistikDE000555200419.641.70.11810.30.9
Deutsche TelekomTelekommunikationDE000555750814.981.250.1610.30.6
EonEnergieDE000ENAG99972.18812.2
FMC St.GesundheitDE000578580265.023.90.0915.31.7
Henkel Vz.KonsumgüterDE0006048432755.20.106131.2
HypoVereinsbankBankDE000802200519.941.30.23112.50.5
InfineonChipherstellerDE00062310047.31-0.173.3
LindeMischkonzernDE000648300157.993.70.05414.92.8
LufthansaFluggesellschaftDE000823212510.350.750.211.50.6
MAN St.MaschinenbauDE000593700735.362.50.1612.20.8
Metro St.EinzelhandelDE000725750340.492.750.09113.51.5
Münchener RückVersicherungDE000843002688.7710.50.1077.90.7
RWE St.EnergieDE000703712952.324.2+-D12.5
SAPSoftwareDE0007164600137.544.60.08727.53.2
ScheringPharmaDE000717200951.872.850.15815.71
SiemensElektronikDE000723610162.663.050.14817.91.2
Thyssen KruppStahlDE000750000114.629.1
TuiReisekonzernDE000TUAG00020.41.80.08310.51.3
VW St.AutomobilDE000766400536.582.50.529.60.2
  • Sie vergleichen das KGV Ihrer Aktie mit dem KGV des Indexes, in dem die Aktie enthalten ist. Beispiel: Aktuell errechnen Experten für den Dax für 2006 ein Kurs-
  • Gewinn-Verhältnis von 11,6. Dies ist ein (gewichteter) Durchschnittswert über alle 30 im Dax vertretenen Unternehmen. Gemessen an dieser Zahl ist die Münchener Rück-Aktie mit einem KGV 2006e von 7,9 derzeit die preiswerteste Aktie. Demgegenüber ist SAP mit einem KGV 2006e von 27,5 die teuerste Aktie im Index. Vergleichen Sie hierzu unsere Tabelle „30 Dax-Unternehmen im Überblick“ auf der vorhergehenden Seite.
  • Sie vergleichen das KGV der Aktie mit dem Branchen- KGV oder dem KGV anderer Unternehmen derselben Branche.
Dax-TitelBrancheKGV 2006e
BMWAutomobil9,7
Volkswagen STAutomobil9,6
DaimlerChryslerAutomobil9,4
Branchendurchschnitt9,6
BASFChemie12,9
BayerChemie/Pharma14,0
AltanaPharma15,3
ScheringPharma15,7
Branchendurchschnitt14,5

Für die Berechnung des Branchendurchschnitts addieren Sie alle KGVs und dividieren das Ergebnis durch die Anzahl der untersuchten Unternehmen.

Wir zeigen Ihnen dies einmal anhand der Daten unserer Tabelle „30 Dax-Unternehmen im Überblick“ (Vorseite): Wir bilden in der Tabelle oben einmal die Branchen-KGVs für die Automobilbranche und den Chemie-/Pharmasektor nach.

Entsprechend haben wir für den Automobilbereich die Dax-Aktien BMW, Daimler- Chrysler und Volkswagen ST und für den Chemie-/ Pharmabereich die Dax-Titel Altana, BASF, Bayer und Schering ausgewählt. Sie können Ihre eigene Auswahl selbstverständlich um Titel aus anderen Indizes wie SDax, TecDax oder MDax beliebig erweitern.

Je mehr Titel Sie in Ihre Auswahl einbeziehen, desto vergleichbarer ist das ermittelte Branchen-KGV.

Anhand eines solchen Vergleiches können Sie nun schnell entscheiden, welche Aktie in einer Branche die

  • attraktivste ist. In unserem Beispiel liegen BMW, Altana und Schering jeweils leicht über ihrem Branchendurchschnitt.
  • Beachten Sie bitte: Manche Branchen weisen historisch betrachtet eher niedrige, andere eher hohe KGVs auf. Dies begründet sich häufig im Alter einer Branche. So hat die Automobilbranche als „alte“ Branche traditionell niedrige KGVs, die Softwareindustrie als vergleichsweise „junge“ Branche hingegen sehr hohe.

Sie vergleichen das KGV der Aktie mit ihrem historischen KGV. Das historische KGV ist das Kurs-Gewinn- Verhältnis früherer Geschäftsjahre.

PumaKurs 2004KGV
199920002001200220032004Hoch/Tief2007-09KGV Ø
KGV Höchst39,718,813,713,812,714,1223,00 €14,518,0
KGV Tiefst21,210,54,75,95,18,7137,00 €12,09,0
Kurs 7.6.05209,63 €
GpA 2005e17,00 €
KGV 2005e12,3

Aus historischer Sicht ist die Puma-Aktie trotz des gewaltigen Kursanstiegs noch immer völlig „normal“ bewertet. GpA = Gewinn pro Aktie • KGVe = erwartetes KGV

Der Durchschnitt der Höchst-KGVs der vergangenen Jahre liegt mit 18,0 nicht nur höher als das aktuelle KGV, sondern auch höher als das höchste KGV in 2004. Dementsprechend wäre die Aktie gegenwärtig noch immer nicht zu teuer.

  • Mit einem kleinen Trick können Sie schnell ermitteln, ab welchem Kursniveau die Aktie über ihrem historischen Höchst-KGV liegt. Multiplizieren Sie dazu einfach den Gewinn pro Aktie mit dem historischen Höchst-KGV.
  • Auf unser Beispiel Puma bezogen errechnen Sie bei einem erwarteten Gewinn 2005e von 17,00 € für die Aktie einen Kurs von 306 € (Rechnung: 17,00 € * 18,0). Spätestens ab diesem Niveau sollten Sie einen Verkauf erwägen, da dann das historische Durchschnitts- Höchst-KGV überschritten würde.

Aussagekraft des KGVs

Damit Sie beurteilen können, ob eine Aktie mit einem bestimmten KGV nun bessere Chancen auf eine Kurssteigerung besitzt, als eine andere, sollten Sie auch die Zukunftsaussichten dieses Unternehmens berücksichtigen.

Ein Unternehmen, das an seinen Produkten oder Dienstleistungen viel verdient, also eine hohe Marge erwirtschaftet, verfügt zweifellos über ein höheres Gewinnpotenzial, als eines, das nur geringe Gewinnmargen erzielt.

Unternehmen mit hohem Gewinnpotenzial finden Sie häufig in noch jungen, innovativen Märkten oder Branchen. Der Grund dafür liegt in der jeweils herrschenden Konkurrenzsituation begründet: Je älter eine Branche ist, desto mehr Wettbewerb herrscht in diesem Sektor. Entsprechend niedrig fallen dann die Gewinnmargen aus.

Folgende Tipps sollten Sie bei der Heranziehung des KGVs noch beachten:

  • Seien Sie vorsichtig bei allzu niedrigen KGVs: Ein extrem niedriges KGV ist häufig ein Vorbote für kommende Verluste des Unternehmens.
  • Lassen Sie sich nicht von einem KGV beirren, das auf Sondererträgen oder einmaligen Gewinnen beruht.

Heranziehung des KGVs als Kaufentscheidung bei Aktien

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zählt zu den wichtigsten und gebräuchlichsten Indikatoren zur Bewertung von Aktien. Mit Hilfe des KGVs finden Sie heraus, ob Ihre Aktie aktuell teuer oder preiswert ist. Sie können das KGV aber ebenso nutzen, um innerhalb eines Indexes oder einer Branche attraktive Titel herauszufiltern.

Ein KGV ist nicht pauschal hoch oder niedrig. Wir empfehlen Ihnen, immer „hinter“ die Daten zu schauen. Nutzen Sie diese Kennziffer stets im Vergleich mit anderen Aktien, Indizes oder Branchen.

Trotz gleicher KGVs können zwei Aktien dennoch unterschiedlich zu bewerten sein: Eine Möglichkeit, dies zu untersuchen, bietet Ihnen das Dynamische KGV (englisch: Price-earnings-Growth-Ratio, abgekürzt PEG). Das PEG setzt das KGV in Relation zu dem Gewinnwachstum einer Aktie. Sie berechnen das PEG nach dieser Formel:

Formel  

Price-Earning-Growth-Ratio (PEG)

?
Mittels des dynamischen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV), auch PEG - Price-Earning-Growth-Ratio - genannt, können Aktien trotz gleiches KGVs bewertet und in Relation gesetzt werden.
$$\bo\text"Price-Earning-Growth-Ratio (PEG)" = \text"Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)" / \text"Gewinnwachstum"$$
Ergebnis berechnen

Das PEG können Sie besonders gut bei Aktien anwenden, die ein hohes KGV haben, beispielsweise bei den so genannten „Wachstumsaktien“. Ein hohes KGV sollten Sie anders beurteilen, wenn die Gewinne des Unternehmens sehr schnell wachsen: Ein hohes Gewinnwachstum relativiert ein hohes KGV.

Ist das Gewinnwachstum größer als das KGV, errechnet sich ein PEG von unter 1. Ist das Gewinnwachstum niedriger als das KGV, so ergibt sich ein PEG von über 1. Je niedriger also das PEG ist, umso günstiger ist diese Aktie im Vergleich zu bewerten.

GpA 2005eGpa 2006eWR GpAKGVPEGKurs
BMW3,403,8011,89,70,836,80 €
DaimlerChrysler2,503,5040,09,40,233,00 €
VW St.2,503,8052,09,60,236,58 €

In der Tabelle auf der folgenden Seite sehen Sie die drei Auto-Aktien BMW, DaimlerChrysler und VW. Alle 3 Titel haben ein in etwa gleich hohes KGV. Sie unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich der Wachstumsrate des erwarteten Gewinns pro Aktie. Wenn Sie Aktien mit Hilfe des

Das Dynamische KGV (engl.: PEG) ist besonders aussagekräftig bei Aktien mit hohem KGV. Je höher das Gewinnwachstum einer Aktie ist, umso höher „darf“ auch das KGV sein. Aktien mit einem niedrigen PEG zählen zu den attraktivsten.

PEG vergleichen, ist die Aktie mit dem niedrigsten PEG die attraktivste – vorausgesetzt, die Gewinnziele werden auch erreicht.

In unserer Dax-Tabelle auf Seite 009 haben wir für Sie die PEGs mit eingearbeitet. So können Sie bei diesen Titeln das PEG ganz einfach in Ihre Entscheidungen miteinfließen lassen.

Mit dem historischen KGV können Sie abschätzen, ob Ihr Favorit zur Zeit eine Modeaktie oder ein Mauerblümchen ist. Das historische KGV kann Ihnen insbesondere dabei helfen, das mögliche Kurspotenzial Ihrer Aktie abzuschätzen.

Sie können das KGV aber auch als Stimmungsbarometer der Börse nutzen. Dies funktioniert sowohl für einzelne Aktien, als auch für eine Branche oder den gesamten Markt. Sie können das besonders gut messen, wenn Sie KGVs Ihrer Aktien oder wichtiger Indizes wie dem Dax regelmäßig überprüfen.

Steigen die KGVs allgemein stärker an, könnte dies ein Hinweis auf eine Überhitzung des Marktes sein. Gehen die KGVs deutlich zurück, so ist dies oft ein guter Indikator für einen unterbewerteten Markt.

Beachten Sie dabei, dass die Gewinnschätzungen für die Unternehmen durch die Analysten immer wieder angepasst werden. Dies müssen Sie bei Ihren regelmäßigen Überprüfungen sowohl für die Aktien, als auch für die Indizes einbeziehen.

31. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.