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Das Tenderverfahren der EZB in der Offenmarktpolitik

Der Tenderverfahren versteht sich als auktionsähnliches Ausschreibungsverfahren, in dessen Rahmen Wertpapiere verkauft bzw. zugeteilt werden.

Oft wird das Tenderverfahren vom Bund genutzt, um beispielsweise Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen zu emittieren, was auch für den Privatanleger interessant sein kann.

So hat der Bund in der Vergangenheit auch schon mal Anleihen mit Inflationsschutz ausgegeben, die die speziell auf Privatanleger zugeschnitten sind.

Mehr zum Thema: Bundesanleihen kaufen: Schwache Rendite, hohe Sicherheit

Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt das Tenderverfahren im Rahmen ihrer Geldpolitik.

EZB steuert die Geldmenge

Bei Offenmarktgeschäften versorgt die EZB den Geldmarkt über die Zinssätze mit Liquidität. Durch die geldpolitischen Maßnahmen kann die EZB Einfluss auf die Entwicklung der Geldmenge nehmen.

Beim Aufkauf von Wertpapieren steigt die Geldmenge, beim Verkauf von Wertpapieren hingegen sinkt diese. Mittel- und langfristiges Ziel der EZB ist es, mit ihren Maßnahmen Preisstabilität herbeizuführen.

Mehr zum Thema: Geldpolitik der EZB: Preisstabilität ist oberstes Gebot

Das Tenderverfahren der Europäischen Zentralbank (EZB) ist eine der Hauptrefinanzierungsinstrumente im Rahmen ihrer Offenmarktpolitik.

Dabei sind 2 verschiedene Tenderverfahren zu unterscheiden: Mengen- und Zinstender.

Tenderverfahren der EZB – der Mengentender

Beim Mengentender steht der Zinssatz schon fest. Die Banken geben nur noch an, welche Summe sie zum angegebenen Zinssatz bereit sind abzunehmen.

Beim Mengentender-Verfahren holt die EZB Angebote von verschiedenen Banken ein, aus der Division der Zuteilungssumme durch die Summe der eingegangenen Angebote wird anschließend eine Quote ermittelt.

Aufgrund dieser Quote erfolgt die Zuteilung. Sind die eingegangenen Gebote höher als Zuteilungsquote erfolgt eine Aufteilung, wodurch jedes Angebot nur anteilsmäßig erfüllt wird.

Beispiel für den Mengentender:

Beim Tenderverfahren der EZB wird ein Mengentender ausgeschrieben. Insgesamt sind 100 Mio. € zu einem festen Zinssatz zu vergeben.

Bank A bietet 60 Mio. €, Bank B bietet 40 Mio. € und Bank C bietet 25 Mio. €.

Die EZB hat nur 100 Mio. € (Zuteilungssumme) zu vergeben, die Banken haben allerdings 125 Mio. € nachgefragt. Damit ergibt sich eine Quote von 80%. Damit erhält jede Bank nur ca. 80% der nachfragten Summe.

Das bedeutet: Bank A bekommt 48 Mio. €, Bank B 32 Mio. € und Bank C 20 Mio. €.

Tenderverfahren der EZB – der Zinstender

Beim Zinstender gibt jede Bank noch zusätzlich an, welchen Zins sie bereit ist zu zahlen. Die Zuteilung erfolgt dann in der Reihenfolge des höchstens Gebots abwärts.

Beim Zinstender sind zudem noch 2 Verfahrensarten zu unterscheiden: Das amerikanische und das holländische Verfahren.

Beispiel für den Zinstender:

Beim Tenderverfahren der EZB wird ein Zinstender im Volumen von 100 Mio. € ausgeschrieben. Die Banken reichen dabei Gebote über gewünschte Summe und den Zins ein, den sie zu zahlen bereit sind.

Bank A bietet 60 Mio. € zu 2%, Bank B 50 Mio. € zu 4% und Bank C 30 Mio. € zu 3%.

Bei der Zuteilung wird das höchste Gebot (hier von Bank B) bevorzugt behandelt, während das niedrigste Gebot die niedrigste Zuteilungssumme erhält:

Das Ergebnis: Bank A erhält nur 22 Mio. €, Bank B 50 Mio. € und Bank C 28 Mio. €.

Unterscheidung zwischen Standardtender und Schnelltender

Beim Tenderverfahren der EZB sind noch 2 weitere Tenderangebote zu unterscheiden: Standardtender und Schnelltender.

Der Standardtender wird meist binnen 24 Stunden nach der Terminankündigung realisiert. Der Standardtender ist die geläufigste Methode der EZB bei Offenmarktgeschäften.

Der Schnelltender wird dagegen oft schon binnen einer Stunde nach Terminankündigung durchgeführt. Dieses Tenderverfahren kommt oft bei Feinsteuerungsoperationen zum Einsatz.

13. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands