von Janne Jörg Kipp

Das zweite Halbjahr beginnt - perfekt investieren einfach gemacht

Nachhaltiger Unternehmenswert wichtig.

Chefanalyst Janne Joerg Kipp ermittelt durch einfache Berechnung - Aktien sind für das zweite Halbjahr und Ihre Vorsorge perfekt.

2011 wird im zweiten Halbjahr sehr unruhig werden. Dies habe ich mehrfach angekündigt, die neuesten Daten bestätigen diese Analyse nur noch. Ratschläge finden sich zuhauf - die meisten eine Katastrophe, unsystematisch, mit falschen Daten publiziert. Hier für Sie eine Checkliste, die Sie direkt umsetzen können. In der neuen Woche werden die ersten Weichen für das zweite Halbjahr 2011 gesetzt.

Wahre Werte - auch jetzt noch zu erkennen

An verschiedenen Stellen habe ich über “wahre Werte” geschrieben. Diese werden sich gerade in den Krisenzeiten schneller bewähren als vielen Anlaysten und leider auch Investoren lieb sein kann. Denn diese sind unsystematisch und falsch aufgestellt.

Die Karten sind klar gemischt, es sind nur zuviele Spieler am Tisch. Daher die neue Unübersichtlichkeit. Alleine die Schlagzeilen am Ende der vergangenen Woche verraten, dass die wenigsten die Situation im Griff haben.

Die Einen sehen Gold bei “mindestens 2.000 US-Dollar” (Rohstoff-”Guru” Jim Rogers), die Anderen erwarten einen Crash wie etwa Nouriel Roubini in den USA - Wirtschaftsprofessor aus New York mit einer wahren Prognose zur Finanzmarktkrise 2007.

Ich versichere Ihnen: es gibt zwei sehr einfache Methoden, mit denen Sie sich für das zweite Halbjahr 2011 austellen und absichern können. Methoden, die Sie in den nächsten Tagen umsetzen können. Alle beziehen sich auf “wahre Werte”, die den anstehenden Sturm überstehen werden.

Methode eins: suchen Sie nach dem nachhaltigen Wert von Aktien

Vor allem Aktien werden im kommenden zweiten Halbjahr das beste Invesstment sein. Die Titel, die Substanz haben, gewinnen mittel- und langfristig aus zwei Gründen.

Zahlreiche Fonds- und Versicherungsmanager werden künftig versuchen, einen möglichst großen Anteil ihrer Vermögen, die sie nur verwalten, in Aktien zu investieren. Das Rating von immer mehr Anleihen sinkt dieser Tage. Dies können Sie fast überall nachlesen.

Ein aktuelles Beispiel betrifft Griechenland. Deren Anleihen sind kurzerhand zu Ramsch erklärt worden. Im Gefolge sinkt jetzt auch das Rating für Zypern - ohne dass die Medien darüber sprechen. Deren wirtschaftliche Nähe zu Griechenland hat die Unsicherheit massiv gesteigert. Das neue Rating liegt noch im Investment-Bereich von “A”, sinkt aber deutlich.

Edelmetalle sind teils kritischen Analysen ausgesetzt. Ich persönlich bin mir sicher, dass die Preise weiter steigen werden. Allerdings haben vor allem Spekulanten inzwischen teils kalte Füße bekommen und stoßen Gold, Silber oder Platin immer mal wieder ab. Aktien sind daher die künftige Fluchtwährung. Suchen Sie Aktien, die einen nachhaltig höheren Wert haben als die Börse ihnen zur Zeit beimißt.

Wert lässt sich errechnen

Da ich Aktien mit weitem Abstand für die beste Geldanlage in den nächsten Wochen und Monaten halte, lohnt es sich, ein wenig Zeit zu investieren. Den “wahren Wert” oder den nachhaltigen Unternehmenswert können Sie recht einfach berechnen. Die Formel dafür gebe ich Ihnen direkt an die Hand:

W = G * 1/(Abzinsungsfaktor - Gewinnwachstumsrate).

Sie sind hier nicht in der Schule, aber es ist Ihr Geld für Ihre Vorsorge wert, genauer hinzusehen. Das “G” steht für einen Gewinn, den das untersuchte Unternehmen erwirtschaftet.

Der Abzinsungsfaktor ist der Zins, der künftige Gewinne in die Gegenwart hinabbewertet. Den vergessen viele Analysten schnell. Demgegenüber steht die “Gewinnwachstumsrate” des betreffenden Unternehmens oder aller Unternehmen, wenn Sie nur Durchschnittswerte annehmen wollen. Damit haben Sie schon den so genannten “Multiplikator”, mit dem “Value-Investoren” einen Unternehmensgewinn beurteilen.

Alles selbst in der Hand: bewerten Sie die Gewinne

Der nachhaltige Unternehmenswert hilft aktuell, alleine einige Dax-Werte schnell zu beurteilen. Beispielhaft nehme ich die Aktie von RWE, die ich für unterbewertet halte.

RWE hat aktuell eine Gewinnerwartung von 4,90 Euro pro Aktie. Die durchschnittliche Gewinnwachstumsrate der vergangenen Jahre setze ich für das Unternehmen bei 2,5% - und damit sehr tief - an. Der Abzinsungsfaktor ist bei vielen Value-Investoren der Einfachheit halber mit 10% recht hoch.

Damit ergibt sich ein Multiplikator in Höhe von: 13,3. Ich habe dies errechnet anhand der oben beschriebenen Formel: 1/(10%-2,5%) = 0,1333. Da dies eine Prozentzahl ist, ergibt sich ein Multiplikator von 13,3.

Den geschätzten Gewinn pro Aktie in Höhe von 4,90 Euro können Sie jetzt mit diesem Multiplikator einfach “malnehmen”: 4,90 Euro * 13,3 und kommen auf ein Ergebnis von 65,17 Euro. Dies ist der nachhaltige Unternehmenswert, der ungefähr 91% über dem aktuellen Kurs an den Börsen liegt.

Korrekturbedarf berücksichtigen

Um nicht einzelne Ausreißerjahre zu stark werden zu lassen, können Sie stattdessen die durchschnittlichen Umsatzrenditen berücksichtigen. Dies ist der Gewinn/Umsatz. Diese liegt seit 2004 bei RWE nach meinen Berechnungen bei 6,46%. Damit haben Sie einen “normalisierten” Jahresgewinn.

Legen Sie den Umsatz für 2011 zugrunde, ergibt sich bei einem Umsatz von mindestens 90 Euro pro Aktie ein erwarteter Gewinn in Höhe von 5,8 Euro pro Aktie. Damit würde der nachhaltige Unternehmenswert sogar auf 77,67 Euro steigen.

Wie Sie es drehen und wenden: RWE hat einen Aktienkurs erreicht, der weit unter dem nachhaltigen Unternehmenswert liegt. Wann der Kurs diesen Wert wieder erreicht, ist noch unklar. Nicht aber, dass der Kurs wieder steigt.

Methode zeigt für Dax: investieren bei äußerster Gelassenheit

So können Sie fast Kurs für Kurs durchgehen. Die Dax-Aktien sind zu einem Großteil unterbewertet. Für Ihre Vorsorge und die anstehenden Entscheidungen zum zweiten Halbjahr ist dies eine gute Nachricht. Ich gehe von steigenden Aktienkursen aus.

Das Risiko dabei ist vergleichsweise gering. Entscheidender Faktor gegen Aktienkurssteigerungen könnte allenfalls ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft sein. Diesen aber erwarte ich nicht.

Denn: China boomt weiterhin. Die Chinesen haben ein kleineres, aber überschaubares Problem mit der Inflationsrate. Dies ist in den jüngsten Tagen noch einmal deutlich geworden. Die Chinesen verkaufen Dollar-Bestände und setzen damit noch einmal ein Ausrufezeichen. Nicht nur über eigene steigende Zinsen, sondern auch über die Devisenpolitik bändigen sie die eigene Preissteigerung.

China sichert Aktieninvestments

Da die Marktmacht der Chinesen gerade auf dem Devisenmarkt groß ist - sie halten etwa 2 Billionen US-Dollar - wird das Instrument wirksam eingesetzt. So schont die Regierung ihre heimische Wirtschaft vor allzu drastischen Zinsmaßnahmen. Und China sorgt damti dafür, dass zumindest ein Motor der Weltwirtschaft noch weiter läuft und antreibt.

Daher empfehle ich abschließend: investieren Sie in Aktien. Die Unterbewertung - allein aus Wert-Sicht - ist eindeutig. Konzentrieren Sie sich dabei auf die Aktien mit hoher Substanz. Für Versorger wie E.ON und RWE habe ich die bereits - wie auch im “Neuen Deutschen Geldanlagebrief” ermittelt.

Andere Branchen sind ebenso attraktiv bewertet. Viele warnen vor Banken. Die “Deutsche Bank” halte ich dennoch für ein wertvolles Investment.

In der neuen Woche beginnt unser zweites Halbjahr 2011. Zeit, um jetzt perfekt zu investieren, meine ich.

 
 

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.