Vielleicht kennen Sie das Zitat aus meinem Titel. So lautet ein Spielfilm mit James Dean, der Ende Oktober 1955 uraufgeführt wurde.
Dieser Titel fiel mir ein, als ich die Börsen in der vergangenen Woche beobachtete. Denn was ich an den Börsen erlebte war irrational.
Da möchte ich 3 Geschehnisse der letzten Woche ansprechen: 1. Verluste, trotz guter Wirtschaftsdaten - 2. „Denn sie wissen nicht, was sie schreiben“ - 3. Verrückte Börsenwelt
1. Verluste, trotz guter Wirtschaftsdaten
Der DAX verbuchte in der vergangenen Woche deutliche Verluste. Wie wenig die mit den Unternehmensergebnissen der im DAX notierenden Aktiengesellschaften zu tun haben, zeigt die Kursentwicklung von BMW:
BMW konnte mit seinen Zahlen per 30.06.2011 stolz das beste Halbjahresergebnis seiner Unternehmensgeschichte vorweisen. Was machte die Börse daraus?
Vom Höchstkurs am Montag, dem 01.08.2011, mit 71,76 Euro bis zum Tief am Freitag, dem 05.08.2011, von 57,93 Euro, gab der Kurs der BMW-Aktie satte 19,3% ab.
Das bedeutet, eines der Unternehmen mit den besten Halbjahreszahlen verlor „dramatisch“ mehr als der DAX, der in derselben Woche in der vom Hoch zum Tief „nur“ etwa 15% verlor.
2. „Denn sie wissen nicht, was sie schreiben“
Ich traute meinen Augen kaum, als ich am vergangenen Freitag diese Schlagzeile las:
Es war eine der grässlichsten Wochen in der Geschichte des DAX: Der Index schließt tief im Minus - seit Montag hat er rund 13 Prozent an Wert eingebüßt. (Spiegel-Online)
Hatte ich was verpasst? Denn im Focus-Online hatte ein Redakteur auch Dramatisches, ja sogar Grauenvolles, zu berichten. Dort stand:
Aktiencrash„Woche des Grauens“ an der Börse (Focus-Online)
Die Welt-Online konnte es genauso gut:
Börsen im freien Fall – Chronik einer Horrorwoche
Und schließlich noch FAZ.net, die ins selbe Horn stoßen:
Nun könnte man das als haltloses und inhaltsleeres Geplapper von Volontären abtun, wenn es denn nicht eine fatale verstärkende Wirkung hätte.
Wer das, bei den immerhin nicht als Boulevardblätter bekannten Diensten FAZ, Spiegel, Welt und Focus, liest, könnte meinen, da wäre was dran.
Wenn er oder sie daraufhin „bestens“ verkauft, um dem „Grauen der grässlichen Horrorwoche des Schreckens“ zu entkommen, verstärkt das die Abwärtsbewegung. Deshalb ist es nicht verantwortbar, solch einen Unsinn zu veröffentlichen.
Ein Crash sieht anders aus: Ich habe genügend Crashs miterlebt. Ob das im Oktober 1987 der Sturz des Dow Jones um 20% an einem Tag war oder die Halbierungen der Börsenkurse in den Jahren 2000 bis 2003 und wieder 2008 bis 2009. Dagegen haben wir letzte Woche ein laues Lüftchen erlebt.
DAX verbucht ein sattes Plus von 73,8%
Betrachten Sie die Bewegung des DAX doch mal so: Im März 2009 verbuchte der DAX sein damaliges Tief mit 3.588 Punkten.
Ende letzter Woche schloss er mit 6.236 Punkten. Trotz der jüngsten Kursverluste verbucht er damit noch ein extrem hohes Plus von 73,8%. Das „Grauen“ einer „grässlichen Horrorwoche“ sieht wahrhaftig ganz anders aus.
Am Rande: Ich will und muss hier nichts schön schreiben. Das habe ich nicht nötig.
Ich habe den Lesern des Optionen-Profi u.a. im Mai und Juli dieses Jahres Put-Optionen auf den DAX empfohlen, die beide in der ganz und garnicht grauenvollen Woche den 100%-Ziel-Gewinn realisiert haben. Viele weitere Put-Optionen liegen im Depot.
Es ist nur der Blickwinkel, der entscheidet. Und seit Start der Rally im Jahr 2009 ist dieses eine ganz andere Sichtweise und damit zumindest bis Ende letzter Woche „nur“ eine längst überfällige Konsolidierung.
3. Verrückte Börsenwelt
Stellen Sie sich vor, Sie sind Skipper auf einer Yacht. Am Horizont kommt eine riesige Welle auf Sie zu. Da die Welle sehr hoch ist, können Sie nicht sehen, was dahinter kommt.
Mehr Informationen haben Sie nicht. Ist die nächste Welle nach der Welle noch höher? Ist diese Welle nur der kleine Vorbote? Oder kommt nach der Welle wieder eine ruhige See? Sie wissen es nicht. Ist das eine Beruhigung?
Sicher nicht! Ich denke, je weiter Sie da in die Zukunft schauen, desto unwohler wird Ihnen. Was kommt, kann besser aber auch weit schlimmer sein.
Die Unsicherheit wächst. Genau das lässt sich in „normalen Zeiten“ an der Börse beobachten.
Implizite Volatilität ist Gradmesser für die Marktstimmung
Dass die Voraussagen für Börsenkurse immer unsicherer werden, je weiter man diese für die Zukunft prognostiziert, liegt in der Natur der Sache.
Diese erwartete Schwankungsbreite für die Zukunft der Börsenkurse wird mit der sogenannten impliziten Volatilität ausgedrückt. Wie diese aussieht, lässt sich z.B. am Volatilitätsindex auf den US-Aktienindex S&P500 (VIX) ablesen. In diesem Index finden Sie den aktuellen Stand.
Wie die Börsianer den VIX für die nächsten Monate sehen, lässt sich an den Futures auf den VIX ablesen. Diese Notierungen sind (fast immer) in jedem Monat, der weiter in der Zukunft liegt höher als in dem jeweiligen Monat zuvor.
Logisch: Denn wenn ich jetzt z.B. nicht weiß, wie die Kurse im September 2011 sein werden, wie sollte ich da eine Aussage für Oktober 2011 treffen, die „sicherer“ ist.
Implizite Volatilität (VIX) außer Rand und Band
Meine Beobachtung liegt auch immer auf der Entwicklung der impliziten Volatilität.
Dafür wähle ich die Futures auf den VIX, denn die Psychologie und Marktstimmung sind immer ein wichtiges Element für die Kursbewegungen an den Märkten. Das sieht wie folgt in meiner Handelsmaske aus:
Implizite Volatilität (VIX) ist nicht rational
So lesen Sie diese Tabelle: Am 05.08.2011 notierte der Future auf den VIX mit der Laufzeit bis August 2011 (1. Zeile) mit 27.30 (Spalte „Last“). Das Bid- und Ask-Volumen und das Bid und Ask haben für diese Betrachtung keine Bedeutung.
Diese o.a. Konstellation ist selten und ungewöhnlich: Denn der VIX fällt kontinuierlich ab, nur von Dezember 2011 auf Januar 2012 legt er wieder zu. Typisch ist, dass die Futures mit jedem Monat, der weiter in der Zukunft liegt, höher notieren.
Denken Sie nochmals an das Beispiel mit dem Skipper, der die große Welle auf sich zukommen sieht und natürlich nicht weiß, wie es danach weitergeht.
Hier scheinen die Marktteilnehmer eine zunehmende Sicherheit zu gewinnen, je weiter sie nach vorne schauen. Nur in ihrer Erwartung für die Marktentwicklung von Dezember 2011 auf Januar 2012 werden sie wieder unsicherer
Ich analysiere es zuerst einmal humorvoll: Wenn die Börsianer sicher sind, dass sie sicherer für den Dezember 2011, als für den August, September, Oktober und November 2011 sind, die doch allesamt vor dem Dezember 2011 liegen, dann bin ich sicher, dass sie nicht sicher sind.
Und wenn die Börsianer dann noch „vorhersagen“, dass der VIX im Januar 2012 im Vergleich zum Dezember 2011 erstmals wieder höher notiert, bestätigt das meine humorvolle Einschätzung.
Und ernsthaft: Die o.a. Konstellation im VIX ist nicht einmalig, aber ungewöhnlich. Ich bin ganz sicher, dass die Futures auf den VIX schon in Kürze wieder „normale“ Werte anzeigen.
Das bedeutet, die Notierungen des Folgemonats sind immer etwas höher als die des jeweils vorherigen.
Das Fazit lautet: Auch dieser Indikator (VIX) ist außer Rand und Band und lässt damit keine verlässliche Prognose zu. Aber: Das ist auch eine wichtige Erkenntnis und kann eine von 3 Empfehlung nach sich ziehen:
Es gibt (erstens) Kauf-Empfehlungen und (zweitens) Verkaufs-Empfehlungen. Es gibt aber auch (drittens) die Empfehlung, nichts zu tun, das ist vielleicht die am schwersten umsetzbare.
Diese ist aber derzeit für den kurzfristigen Tradinghorizont die beste. Das gilt besonders vor dem Hintergrund der Herabstufung der Bonität der USA. Diese Herabstufung bewerte ich grundsätzlich nicht als besonders dramatisch, denn sie ist überfällig und damit bringt sie keine neuen Informationen.
Aber was die Psychologie, gepaart mit „Schreiberlingen, die jetzt möglicherweise die Story ihres Lebens sehen“, daraus machen, ist überhaupt nicht abschätzbar.
Für Trades mit langer Laufzeit, z.B. Optionen mit der Laufzeit Dezember 2012 und länger, gibt es derzeit das ein oder andere Schnäppchen. Aber kurzfristige Trades haben derzeit ziemlich genau ein Chance-/Risikoverhältnis von 50 zu 50. Nicht genug, um einzusteigen.
Zum guten Schluss: Heute vor 85 Jahren, also am 08.08.1926, kam der deutscher Lyriker Ernst Reinhold Hauschka zur Welt. Sehr frei nach einem seiner Aphorismen, sage ich:
„Die Börse ist eine Treppe: Wir wissen nie, ob es mit ihr auf- oder abwärts geht.“
Ich bemühe mich hier, die „Treppe“ zu deuten. In der Hoffnung, dass es gelingt, sende ich beste Grüße
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