von Michael Sturm

Dax: Es geht rauf und runter

Dax: Es geht rauf und runter

Fast immer, wenn man auf den Dax-Index schaut, wird man erstaunliche Differenzen wahrnehmen. Das ist die logische Konsequenz des hohen Angst- und Unsicherheits-Levels.

Dieser wird ausgedrückt in der Volatilität. Und die zurzeit extrem hohe Volatilität wird uns mit Sicherheit noch so lange begleiten, bis sich Politik/Banken/Staaten auf eine klare und deutliche Linie geeinigt haben, wie die Schuldenkrise gelöst wird.

Was dabei wichtig ist: Die Schuldenkrise ist zu differenzieren! Wir haben es mit zweierlei Problemen in Europa zu tun. Den von Insolvenz bedrohten Staaten und den von Liquiditätsproblemen bedrohten Staaten. Das sind zwei Paar Schuhe!

Kein Zweifel, Griechenland ist von der Insolvenz bedroht. Aber Italien, Spanien und Portugal sind es mitnichten! Sie sind zurzeit eher illiquide.

Beide Probleme sind zu lösen und beide Probleme sind lösbar! Nur ist es unglaublich, wie dilettantisch hierbei vorgegangen wird. Als Naturwissenschaftler habe ich im Studium vor allem Eines gelernt, dass man bei einem Problem zuallererst die Daten und Fakten auflistet, dann alles strukturiert und klar definiert.

Erst dann kann ein Lösungsweg sichtbar werden! Das Hüh und Hott der Politik, die geschönten Reden und die halbherzigen Maßnahmen, das Durcheinander aller Beteiligten, sorgen hingegen für anhaltende Unsicherheit, vor allem an den Märkten. Und ehe man sich versieht, hat man dadurch bald ein neues Problem geschaffen, bevor die alten auch nur ansatzweise gelöst sind. Das ist entsetzlich!

Also, erst wenn klare Strukturen erkennbar werden, die Kinder beim Namen genannt werden, Daten und Zahlen sortiert sind, kann eine Beruhigung an den Märkten erfolgen!

Dennoch fällt immer wieder auf, dass selbst in diesem Chaos charttechnische Grenzen und Zielmarken beachtet werden, zumindest findet dort ein „Innehalten“ statt. Damit sind diese Marken auch weiterhin zu beobachten, hohe Vola hin oder her!

Analysieren wir zunächst den kurzfristigen Bereich des Dax-Index und betrachten den 8-Monats-Verlauf:Dax-Index 8-Monate

Trend unklar

Der kurzfristige Abwärtstrendkanal (rote Trendlinien) wurde eigentlich seitwärts verlassen. Dann sind wir am Montag flugs wieder in diesen Trendkanal hereingefallen! Ein schlechtes Zeichen! Aber Denkste, der Dax hat sich heute wieder daraus befreien können.

Ob es sich um ein Fehlsignal a`la „Bullenfalle“ handelt, kann erst in einigen Tagen entschieden werden. Fakt ist aber, dass die Kursbewegungen allesamt in die Schublade „Bärenmarktrally“ einsortiert werden müssen.

Erst ein Ausbruch über die 6.100 Punkte macht dem ein Ende.

GAP-Knäuel sorgt für viel Widerstand

Im Monat September hat der Dax-Index sich gegenüber dem Crash-August gut stabilisieren können. Doch die „Crux“ dabei ist, dass er bei diesem Vorhaben bedingt durch die hohe Volatilität eine Menge GAP`s geschaffen hat. Diese „Kurslücken“ vom einen zum anderen Tag haben charttechnisch gesehen einen hohen Widerstandscharakter. Damit sollte das Kurspotenzial einer Bewegung auf 5.700 Punkte begrenzt sein.

MACD neutral

Der Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD (rot-schwarzer Kurvenverlauf unterhalb des Chartbildes), hat sich deutlich erholen können.  Er hat gegen Ende August eine historisch massivst  überverkaufte Marktsituation angezeigt. Werte von -400 sind historisch einmalig! Mit den aktuellen Werten von etwa -80 befindet er sich im durch den Kurscrash verzerrt zu betrachtenden Raum im neutralen Bereich.

Es bleibt bei meiner Einschätzung:
Ein finaler Ausverkauf ist noch nicht vom Tisch! Sollte er eintreten, wird es der Letzte sein und bietet dann gute Einstiegsmöglichkeiten in den ausgebombten Aktienmarkt.

Längerfristige Analyse

Im längerfristigen Chartbild ist zu erkennen, dass wir an einer Stabilisierungszone angelangt sind! Ob diese hält, ist fraglich und es hängt wohl maßgeblich von der Politik ab, ob das mühsam erarbeitete Pflänzchen namens „Stabilisierungsversuch“ nicht wieder einfach niedergetrampelt wird.3-Jahreschart Dax-Index

Zaghafte Bodenformation!

Im Chartbild etwas schwer erkennbar, aber die Knäuelbildung am Ende oberhalb der 5.000er Marke gibt Anlass zur Hoffnung! Wir haben dies auch schon im Jahr 2008 gesehen. Zwar drifteten damals die Kurse noch einmal abwärts, dennoch lag ein Investor mit einer Kaufentscheidung auf Sicht von 1 Jahr ganz gut!

Tradingzone 5.000 – 6.400

Wenn wir tatsächlich eine positive Reaktion und eine Lösung zur Griechenlandkrise erhalten, dann sind die 5.000, vielleicht noch einmal 4.900 untere Grenze. Nach oben bleiben dem Dax dann bis Weihnachten die 6.400 als Max.-Grenze.

Bessere Erkenntnisse über die momentane Ausgangslage beim Dax bietet uns der 1-Monats-Chart:Daxchart 1 Monat

Kurzfristiger Aufwärtstrend mit Hindernissen

Im Monatschart können wir die jüngste Aufwärtsbewegung anhand eines neuen Trendkanals erkennen (blaue Trendlinien). Hier befindet sich der Dax-Index aktuell genau in der Mitte. Die Ansammlung an „Kurslücken (GAP`s) (gelb-weiße Ellipsen) macht es ihm nicht unbedingt leicht, weiter zu steigen.

Neben den GAP`s haben wir noch die obere Trendbegrenzung des alten Abwärtstrends (obere rote Trendgerade) und den Horizontalwiderstand bei etwa 4.450/4.500 Punkten (lila Horizontale). Alle drei laufen in etwa beim aktuellen Kursniveau zusammen!

Gelingt der Sprung darüber, sind die nächsten Kursziele schnell 5.700/5.750 Punkte (grüner Pfeil).
Prallt er ab, sehen wir uns schnell bei 5.150/5.200 wieder! (roter Pfeil)

Fazit: 5.150 oder 5.700
Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen.

Allerdings bleibt eine Kurserholung definitiv nur eine Bärenmarktrally, die erst beim Überschreiten der 6.100 zu Ende wäre.

Damit macht lediglich eine Tradingposition mit den oben genannten Zielen Sinn.

 
 
Bildquelle: Kit Wai Chan - Fotolia

Autor:

Michael Sturm

Michael Sturm befasst sich seit 20 Jahren mit den Finanzmärkten. Und nach dem Studium absolvierte er die EUREX-Händlerprüfung. Bestellen Sie seinen kostenlosen Newsletter "Trading Insider" mit den besten Tradingchancen.