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DAX: Sentiment richtig deuten

Heute möchte ich Ihnen zunächst einmal einen Chart präsentieren, der mich ausgesprochen optimistisch für die weitere Entwicklung am deutschen Aktienmarkt stimmt.

Es handelt sich um den Privatanleger-Index Euwax Sentiment.

Dieser Index wird von der Börse Stuttgart täglich berechnet und von ihr wie folgt definiert:

„Der Privatanleger-Index Euwax Sentiment spiegelt das Verhalten von Privatanlegern wider. Er basiert auf marktnahen Privatanleger-Orders in Optionsscheinen und Knock-Out-Produkten, denen der Basiswert DAX zugrunde liegt.

Ein positiver Wert bedeutet, dass die Mehrheit der Anleger auf steigende Kurse setzt, während ein negativer Wert bedeutet, dass die Mehrheit der Anleger eher von einem sinkenden Markt ausgeht.“ (Quelle: Börse Stuttgart / Euwax)

Hier nun der Euwax Sentiment Index für die zurückliegenden zwölf Monate:

Euwax Sentiment Index (Quelle: Börse Stuttgart)

Wie Sie in diesem Chart erkennen, setzen die Privatanleger laut der Euwax seit Mitte Juni auf einen fallenden DAX.

Wir wissen jedoch, dass der DAX am 5. Juni mit einem Stand von 5.914,43 Punkten seinen zwischenzeitlichen Tiefstand markierte und anschließend kräftig aufwärts tendierte.

Mit 7.105,43 Zählern wurde am 21. August der höchste Stand seit dem Jahreshoch im März verzeichnet.

Wie ist das nun zu deuten?

Die Mehrheit der Anleger liegt meist falsch

Sentiment-Indizes sind in aller Regel Kontra-Indikatoren. Soll heißen: Die Mehrheit der Privatanleger liegt meistens falsch. Der Grund dafür wird Ihnen durch die oben ausgeführte Definition der Börse Stuttgart für den Sentiment Index geliefert.

Notiert der Sentiment Index beispielsweise im negativen Bereich, dann haben sich die Privatanleger ja bereits auf einen fallenden DAX eingerichtet, sprich: entsprechende Short-Positionen aufgebaut.

Je mehr Privatanleger sich jedoch in eine Richtung positionieren, umso weniger können sich anschließend noch zusätzlich in diese Richtung positionieren und damit den DAX in die von ihnen erwartete Richtung treiben.

Je stärker also das Pendel des Sentiment Index ausschlägt, umso wahrscheinlicher wird eine Bewegung des DAX in die entgegengesetzte Richtung.


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Schauen Sie dazu bitte noch einmal auf den Chart des Sentiment Index. Dort sehen Sie, dass von Mitte März bis Mitte April immer mehr Privatanleger auf einen steigenden DAX gesetzt haben. Blicken wir nun auf die tatsächliche Entwicklung des deutschen Leitindex.

DAX: Weiterhin im Aufwärtstrend

Gut zu erkennen ist, dass der DAX tatsächlich Mitte März sein Jahreshoch markierte und bis Mitte April fast 500 Punkte verlor.

Danach kletterte der DAX bis Anfang Mai noch einmal um 200 Punkte, um anschließend fast 1.000 Punkte bis zum Tiefpunkt im Juni zu verlieren.

Die optimistisch gestimmten und entsprechend positionierten Privatanleger lagen also Mitte April komplett falsch mit ihrer Einschätzung. Und auch in der Phase davor, als sie zunehmend optimistisch wurde, wurden sie vom fallenden DAX eines Besseren belehrt.

Derzeitige Skepsis ist positiv zu werten

Und genau deswegen bin ich derzeit positiv gestimmt. Der Anstieg des DAX seit Anfang Juni wurde von den Privatanlegern nämlich ebenfalls komplett falsch eingeschätzt. Sie setzten im selben Zeitraum zunehmend auf sinkende Kurse.

Ich gebe zu: Die Entwicklung im DAX ist seit nunmehr knapp einem Monat regelrecht nervtötend. In diesem Zeitraum pendelte das deutsche Leitbarometer nämlich in einer ungewöhnlich engen Handelsspanne von gerade einmal 234 Punkten.

Es geht also nicht vor, aber auch nicht zurück.

Aktuell beobachten die Anleger mit Argusaugen die wichtige Unterstützung um 6.870 / 6.885 Zählern (untere rote Linie im Chart).

Heute Vormittag kam der DAX dieser Marke mit dem bisherigen Tagestief bei 6.892 Punkten erneut bedenklich nahe. Aktuell notiert er indes schon wieder rund 80 Punkte höher.

Da der deutsche Leitindex auf diesem Niveau in den letzten vier Wochen gleich viermal aufsetzte, befürchten viele Privatanleger bei einem Unterschreiten der Unterstützung eine Beschleunigung der Abwärtsbewegung.

Ich würde ein Unterschreiten der Unterstützung indes nicht als sonderlich tragisch ansehen.

Aus meiner Sicht lauten die positiven Argumente für einen derartigen Rücksetzer:

  • Der DAX würde in diesem Fall auf seiner Aufwärtstrend-Linie aufsetzen und diese damit gleichzeitig bestätigen.
  • Weiterhin würde er dadurch die 50-Tagelinie kurzzeitig unterschreiten und – ebenfalls im Idealfall – über ihr schließen.
  • Außerdem hätte er dann den Abstand zur 200-Tagelinie kurzzeitig merklich verringert, bliebe jedoch noch immer deutlich über ihr. Das wiederum wäre eine hervorragende Bestätigung des bestehenden Aufwärtstrends.
  • Last not least würde ein solcher Rücksetzer in Richtung 6.650 Punkten den Anlegern, die den Aufwärtstrend bislang verschlafen haben, noch einmal eine exzellente Einstiegsgelegenheit geben.

Ich möchte noch einen weiteren Punkt hinzufügen.

Je stärker sich eine Unterstützung im Chart herausbildet – also je mehr Aufsetzpunkte eine solche Unterstützung aufzuweisen hat – umso mehr Privatanleger orientieren sich an solchen Marken.

Das bedeutet: Sie setzen die Stopps ihrer Long-Positionen knapp unterhalb einer solchen wichtigen Unterstützung. Die Großanleger wissen natürlich um diese Positionierung und sind daher bemüht, diese Positionen „abzuräumen“.

Daher finden Sie auf Charts mit derart engen Handelsspannen über einen längeren Zeitraum häufig Fehlausbrüche knapp oberhalb oder unterhalb dieser Handelsspannen. Als solcher wäre dann auch ein kurzzeitiger Rücksetzer in Richtung 6.650 zu werten.

12. September: Wichtiger Termin

Ein denkbarer Zeitpunkt für einen solchen Rücksetzer wäre der 12. September.

An diesem Tag will das Bundesverfassungsgericht über die von Gegnern des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und des Fiskalpaktes eingereichten Eilanträge und Klagen entscheiden.

Der ESM soll bekanntlich die Zahlungsfähigkeit der Staaten in der Eurozone sichern. Die Gegner behaupten, der ESM-Vertrag sei verfassungswidrig zustande gekommen.

Da Deutschland ein großer Eckpfeiler dieses Euro-Rettungsschirmes ist, messen die Investoren dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts eine hohe Bedeutung zu.

Daher erscheint es wenig wahrscheinlich, dass die Märkte im Vorfeld bereits eine Richtungsentscheidung treffen. Am Tag der Urteilsverkündung könnte es jedoch durchaus zu dem oben beschriebenen kurzzeitigen Rücksetzer kommen.

Euwax Sentiment: Fazit

In dem seit Anfang Juni bestehenden Aufwärtstrend-Kanal hat der DAX durchaus noch etwas Raum nach unten, ohne dass der Aufwärtstrend in Gefahr gerät.

Sollte also die in den letzten vier Wochen entstandene wichtige Unterstützung um 6.870/6.885 Punkten nach unten durchbrochen werden, so wäre das noch nicht wirklich tragisch, da um 6.650 Punkte die Aufwärtstrend-Linie erneut Unterstützung verleiht.

Die seit Beginn der jüngsten Aufwärtsbewegung zeitweise extrem skeptisch gestimmten und entsprechend positionierten Privatanleger signalisieren genau das: allenfalls einen kleineren Kursrücksetzer um 200 oder 300 DAX-Punkte.

Die orangefarbenen Pfeile zeigen zwei denkbare Verlaufs-Szenarien.

Lassen Sie sich also von der eher skeptischen und vorsichtigen Stimmung der Marktteilnehmer nicht irritieren. Und bleiben Sie geduldig – denn vor dem 12. September ist kaum mit nennenswerten Ausschlägen nach oben oder unten zu rechnen.

5. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.