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Deficit Spending als Konjunkturprogramm

Wirtschaftskrisen hat Deutschland in der Vergangenheit schon oft gemeistert. In Zeiten einer Rezession, wenn also die Wirtschaft schrumpft und das Beschäftigungsniveau sinkt, kann der Staat eingreifen.

Ein Beispiel war die Umwelt- bzw. Abwrackprämie, die der Staat im Jahr 2009 im Rahmen des Konjunkturpakets II zahlte, um nach der Finanzkrise das Neuwagengeschäft wieder in Gang zu bringen.

Dies betrifft aber nicht nur Autokäufer, sondern auch Arbeitnehmer und Anleger, die beispielsweise in Aktien investiert sind. Läuft die Konjunktur schlecht, bauen Firmen verstärkt Arbeitsplätze ab, um Kosten zu sparen. Zudem geht eine Rezession meist mit sinkenden Umsätzen und Unternehmensgewinnen einher, was sich in der Regel auch negativ auf die Aktienkurse auswirkt.

Deficit Spending – wenn der Staat durch höhere Ausgaben eingreift

Um dem entgegenzuwirken hat der Staat verschiedene Möglichkeiten. Eine Option ist das Deficit Spending, auch Defizitfinanzierung genannt. Damit wird ein Vorgang bezeichnet, wenn sich der Staat verschuldet und durch höhere Ausgaben vermehrt  öffentliche Aufträge (Infrastrukturprojekte) platziert, um zum Beispiel die Baukonjunktur wieder anzukurbeln. Davon profitieren letztendlich Bauunternehmen und börsennotierte Konzerne wie HeidelbergCement, Hochtief und Bilfinger, was wiederum für den Anleger interessant ist.

Die Ausgaben liegen beim Deficit Spending naturgemäß über den Einnahmen, wodurch das Haushaltsdefizit insgesamt steigt. Die Maßnahme beruht auf der Grundlage der Einkommens- und Beschäftigungstheorie des Ökonomen John Maynard Keynes. Diese Theorie fordert während einer Rezession zusätzliche Nachfrageanreize durch höhere Ausgaben von Seiten des Staates, wodurch die Konjunktur wieder angekurbelt werden soll.

Der Multiplikator-Effekt beim Deficit Spending

Die Aktivität des Staates soll de facto eine Kettenreaktion auslösen. Durch die staatlichen Aufträge soll das Beschäftigungsniveau steigen, wodurch für Privathaushalte insgesamt mehr Einkommen zur Verfügung steht. Steht Arbeitnehmern mehr Einkommen zur Verfügung, kann wieder mehr konsumiert werden, was dem Wirtschaftswachstum zu Gute kommt.

Im Idealfall soll die höhere Verschuldung später wieder abgebaut werden, wenn sich die Konjunktur erholt. Brummt die Wirtschaft, kann sich der Staat in der Regel über höhere Steuereinnahmen freuen, wodurch Haushaltsüberschüsse entstehen. Dadurch erhofft sich der Staat später wieder einen ausgeglichenen Haushalt. Dieses Verfahren wird auch als antizyklische Fiskalpolitik bezeichnet.

Wie wirksam ist Defizitfinanzierung in der Praxis?

Die Defizitfinanzierung steht allerdings zunehmend in der Kritik. Die erhofften Haushaltsüberschüsse in Folge einer Konjunkturerholung sind oft niedriger als erwartet oder bleiben gänzlich aus. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Ausgabenniveau konstant hoch bleibt.

Die Folge: Die Staatsverschuldung steigt rasant an, was in vielen Ländern inzwischen zum großen Problem geworden ist. Davon sind nicht nur kleine Länder wie Griechenland betroffen, sondern auch bedeutende Wirtschaftsnationen wie die USA. Darüber hinaus hat das Deficit Spending noch einen weiteren großen Nachteil: Durch die Staatsnachfrage werden private Investitionsprojekte oft in den Hintergrund gedrängt, was als Crowding Out bezeichnet wird.

Der Staat ersetzt dabei zunehmend die private Investitionstätigkeit. Ferner lassen sich die Effekte der Defizitfinanzierung nicht genau abschätzen, so dass positive Auswirkungen erst mit Verzögerung eintreten können, wenn die Konjunktur bereits wieder auf Hochtouren läuft.

Deficit Spending gilt als Auslaufmodell

Das Deficit Spending gilt heute als Auslaufmodell. Die Finanz- und Schuldenkrise hat dem Modell in den vergangenen Jahren seine Grenzen aufgezeigt. Die Rufe nach einem schlanken und sparsamen Staat werden lauter, nachdem man erkannt hat, dass die ausufernde Schuldenpolitik vor allem künftige Generationen belastet.

Das Deficit Spending verhilft oft nur einzelnen Branchen wie der Bau- und der Automobilindustrie zu mehr Aufträgen, worunter einzelne Unternehmen und auch deren Anleger profitieren. Insgesamt gilt das Deficit Spending heute nicht mehr als Allheilmittel für die Lösung von Konjunkturproblemen.

13. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands