MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Deflation: Darum ist sie schlimmer als Inflation (Teil 3)

Während die Deflation als Problem weitläufig unbekannt ist, wird die Inflation überschätzt. Fragen Sie einmal in Ihrem Bekanntenkreise, was man als problematischer ansieht! Sie werden meistens die Antwort „Inflation“ bekommen. Die Inflation ist in den letzten Jahrzehnten zum Schreckgespenst aufgebauscht worden. Ältere Bürger wissen noch etwas von Geldscheinen mit vielen Nullen und kaum Werte.

Teilweise sind solche sogar noch bei der Großmutter im Schrank zu finden – ein Relikt aus den 1920er Jahren. Die Menschen haben heute den Eindruck, dass eine Wirtschaftskrise gleichbedeutend mit wertlosem Geld ist. Politiker, Medien und Notenbanken fördern diese Ansicht, indem beispielsweise auf angeblichen „Inflationsdruck durch die steigenden Löhne“ hingewiesen wird.

Es wurde der Eindruck erweckt, dass nur der kleine Arbeitnehmer mit seinen Lohnforderungen an den Problemen schuld sei. Dabei wird behauptet, dass die Lohnforderungen der Gewerkschaften die Unternehmen zu Preiserhöhungen zwingen und damit zu einer stärkeren Inflationsrate führen würde.

Dabei wird übersehen, dass man zwar in einer Inflation Probleme hat, den Wert der Ersparnisse zu behalten, aber ansonsten recht ordentlich leben kann. Weil der Geldwert permanent kleiner wird, muss Kapital immer schnell wieder investiert werden, damit es eine Rendite bringt, die den Wertverfall kompensiert.

Was passiert bei der Inflation

Jeder, der Geld hat, gibt es möglichst schnell wieder aus. Das Motto heißt: „Lieber heute kaufen, bevor es morgen noch teurer wird.“ Das führt dazu, dass die Wirtschaft auf Hochtouren läuft, weil es ständig eine hohe Nachfrage nach Sachgütern gibt. Darum kommt es auch zu keiner Massenarbeitslosigkeit.

Und noch besser: Wer Schulden hat, der wird sogar durch den Geldwertverlust entschuldet. Da die meisten Unternehmen verschuldet sind und zudem der Umsatz steigt, ist Inflation für den Unternehmer kein großes Problem. Anders sieht es für all diejenigen aus, die in der Inflation Schulden machen und dann durch steigende Zinssätze unter Druck kommen.

Wer vor allem den Schaden hat, sind die Sparer, die ihr Kapital fest angelegt haben und es nicht schnell genug in Sachwerte umsetzen können. Für Geldanleger, die liquide sind, also schnell auf das Ersparte zurückgreifen können, ist die Inflation kein großes Problem, weil sie schnell auf Sachkapital umsteigen können.

Eine richtige Inflation liegt jedoch nur vor, wenn es zu einer „Lohn-Preis-Spirale“ kommt. Das heißt, dass die Arbeitnehmer Lohnerhöhung und die Beamten Gehaltssteigerungen durchsetzen können, welche den Geldwertverfall in etwa ausgleichen. Weil aber die Löhne steigen, erhöhen die Unternehmen auch gleich wieder die Preise, um die zunehmenden Personalkosten auf die Verbraucher abzuwälzen, die dann wiederum Einkommenserhöhungen fordern.

Diese können nur dann erfüllt werden, wenn die Wirtschaft auf Hochtouren läuft und Arbeitskräfte dringend gebraucht werden. Sobald Arbeitslosigkeit vorhanden ist, würde dies schon wieder den Lohn drücken. Dementsprechend stellte sich die Lage schon seit Jahren dar: Die Gewerkschaften können keine Forderungen mehr erheben und müssen Zug um Zug bei den Verhandlungen nachgeben.

Inflation: Keine Gefahr für den Bürger

Dass eine Inflation keine große Gefahr für den normalen Bürger ist, wurde in etlichen Entwicklungsländern deutlich. So hatte Argentinien in den 80er Jahren Preissteigerungsraten von mehreren Tausend Prozent, die aber gleich wieder über Lohnerhöhungen ausgeglichen wurden. Das Leben war zwar nicht angenehm, aber die Bevölkerung konnte sich mit den Umständen arrangieren.

Ganz anders sah es nach der Argentinienkrise aus, die ab 2000 immer offensichtlicher wurde. Diese Krise entstand aus Überschuldung. Kredite konnten nicht mehr zurückgezahlt werden, es kam zum Geldmangel in der Wirtschaft, zur Deflation. Erst daraus entstanden Unruhen, Arbeitslosigkeit, Armut – nicht in der Inflation. Hier wird deutlich, dass in der Tat die Deflation für die meisten Menschen schlimmer ist als jede Inflation.

19. August 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.