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Maßnahmen gegen Deflation: Was wirklich wirkt

Bei einer Deflation gehen die Preise für Waren und Dienstleistungen flächendeckend zurück. Wenn das volkswirtschaftliche Angebot die Gesamtnachfrage übersteigt, führt das in der Regel zu sinkenden Preisen. Sollte der gesamtwirtschaftlichen Gütermenge eine zu geringe Geldmenge gegenüberstehen, wirkt sich das auch negativ auf die Preise aus.

Eine Deflation ist sowohl schädlich für die Einkommen der Arbeitnehmer als auch für die Geschäftsentwicklung der Unternehmen. Sie wirkt sich damit negativ auf die Steuereinnahmen des Staates aus. Der Staat und die Zentralbank wollen daher mit Hilfe von Gegenmaßnahmen eine Deflation in ihrer Volkswirtschaft abwenden.

Anschaulich ist der Grund für diese Schädlichkeit einfach zu erklären: weil in einer Deflation die Preise immer weiter sinken, schiebt jede Person oder jedes Unternehmen einen Kauf oder eine Investition möglichst lange hinaus, weil man diese in der Zukunft ja noch billiger erhalten kann. Das lähmt die gesamte Volkswirtschaft, die gesamte Wirtschaftliche Aktivität schrumpft. Ein Teufelskreis entsteht.

Deflation: Staatliche Bau- und Infrastrukturprojekte als Gegenmaßnahmen

Um dem privaten Konsumrückgang entgegenzuwirken, kann der Staat durch eigene Investitionen die Nachfrage stimulieren. Besonders wirksam sind dafür große Bauprojekte. Der Staat kann z. B. öffentliche Gebäude sanieren lassen. Auch kann er neue Bahnstrecken bzw. Autobahnen in Auftrag geben.

Durch die staatlichen Investitionen gibt es mehr Arbeit. Die Arbeitslosigkeit sinkt und der Konsum steigt wieder. Aufgrund der höheren Nachfrage stellen die Unternehmen neues Personal ein. Die Arbeitslosigkeit sinkt weiter und der private Konsum zieht stärker an.

Steuersenkungen stimulieren Nachfrage

Der Staat kann auch über Steuersenkungen die Nachfrage ankurbeln. Die Senkung der Unternehmenssteuern schafft Anreize, wieder mehr in die Produktion zu investieren. Durch die höheren Investitionen steigt die Güternachfrage und es kommt zu einer Belebung des Arbeitsmarktes.

Eine Senkung der Einkommensteuer entlastet vor allem den Arbeitnehmer. Der Arbeitnehmer kann durch die Steuersenkung einen höheren Anteil seines Gehaltes konsumieren.

Im Prinzip müssten die Steuersenkungen daher zu einer Stimulierung der Nachfrage führen. Allerdings nur, wenn die Unternehmen und Privatpersonen an eine bessere Zukunft glauben. Andernfalls horten sie das Geld lieber, anstatt wirtschaftliche Risiken einzugehen.

Zinssenkungen zur Erhöhung der Geldmenge

Auch Zinssenkungen werden als Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung der Deflation eingesetzt. Die Zentralbank senkt dabei den Leitzins. Die Geschäftsbanken können dann günstigere Kredite vergeben. Sollten die Kredite nachgefragt werden, steigt die Geldmenge an.

Im Idealfall führt das zu einem höheren Investitionsvolumen der Unternehmen und einem Anstieg des privaten Konsums. Beides würde durch die Stimulierung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage einer Deflation entgegen wirken.

Genau diese Politik verfolgt die Europäische Zentralbank seit dem Jahr 2009, ganz extrem mit sogar negativen Zinsen seit 2015. Die amerikanische Zentralbank hatte mit einer solchen Politik bereits Ende 2007 begonnen.

Zinspolitik versagt in Japan

Doch eine Senkung des Leitzinses führt nicht immer zum erhofften Ergebnis. Ein Beispiel dafür ist Japan. Seit 1990 kämpft das Land mit einer deflationären Entwicklung seiner Wirtschaft.

Die japanische Zentralbank entschied sich früh, Zinssenkungen als Gegenmaßnahme zur Eindämmung der Deflation einzusetzen. Der japanische Leitzins liegt mittlerweile bei annähernd 0%. Dennoch besteht kaum Nachfrage nach japanischen Krediten.

Die potentiellen Kreditnehmer antizipieren nämliche weitere Preisrückgänge. Sollte sich ihre Annahme bewahrheiten, würde sich selbst ein Kredit zum Nulltarif für den Kreditnehmer nicht rechnen. Die Zinssenkungen konnten eine lange Deflationsphase in Japan daher nicht verhindern.

Eine Deflation ist eine ernste Bedrohung

Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Gegenmaßnahmen zeigt, dass die Überwindung einer Deflation kein leichtes Unterfangen ist. Im schlimmsten Fall müssen Staaten über mehrere Jahrzehnte unter einer deflationären Entwicklung leiden. Es gibt aber auch Experten, die in einer Deflation ein notwendiges Übel sehen, um Spekulationsblasen abzubauen.

Dennoch setzen die Staaten in der Regel alles daran, um eine Deflation zu verhindern.

Eine Deflation kann allerdings nur dauerhaft überwunden werden, wenn die Marktteilnehmer wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft eines Staates fassen. Dazu ist mehr als „nur“ Zins- und Fiskalpolitik notwendig. Es braucht dazu eine positive Entwicklungsperspektive.

31. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ludwig Buhmann
Von: Ludwig Buhmann. Über den Autor

Ludwig Buhmann analysiert für die GeVestor-Leser politische Entwicklungen rund um den Globus.