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Beispiel Japan: Diese Gründe führten zur Krise

Die Auswirkungen einer Deflation konnten bereits in einigen Ländern beobachtet werden. Ein sehr bekanntes Beispiel ist die Deflation, mit der Japan etwa seit Beginn der 1990er Jahre zu kämpfen hatte. Seitdem ist die Regierung bemüht, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und den Staat aus der Krise zu führen.

Viele Maßnahmen verpufften jedoch wirkungslos oder hatten nur eine geringe Wirkung. Deshalb wird von den 1990ern in Japan auch als der verlorenen Dekade gesprochen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, weshalb Japan überhaupt erst in diese Krise und Deflation kam. Ebenfalls existieren Gründe dafür, warum es sich weiterhin nicht vollständig erholt hat.

Deflation in Japan – Weg in und Gründe für die Krise

Die Krise in Japan wurde 1990 ausgelöst, als eine Finanz- und Immobilienblase platzte. In den Jahren zuvor waren die Immobilienpreise ins Unermessliche gestiegen.

Schätzungen aus dieser Zeit besagen, dass rund zwei Drittel des weltweiten Immobilienwertes in der City von Tokio angesiedelt war.  Auch der japanische Aktienindex Nikkei legte von 1985 bis 1989 von unter 15.000 Punkten auf knapp 40.000 Punkte zu.

Als die Blase 1990 platzte fiel der Nikkei bis 1992 auf rund 16.000 Punkte zurück. Der Wert der Immobilien brach auf rund ein Viertel des vorherigen Wertes ein. In der Zeit vor dem Platzen der Blase hatten Banken Kredite ausgegeben, die mit den wertvollen Immobilien abgesichert waren. Diese Sicherheit war nun mit dem Werteinbruch der Immobilien nicht mehr gegeben.

Durch faule Kredite geriet also der Finanzsektor unter starken Druck. Nicht alle Geldhäuser und Versicherer konnten gerettet werden, einige mussten Konkurs anmelden.

Die Wirtschaft hatte zudem mit einem starken Umsatzrückgang zu kämpfen. Nachdem zuvor der Vermögensanstieg zu einer drastisch gesteigerten Nachfrage geführt hatte, übten sich die Konsumenten nun in Zurückhaltung – ein Merkmal einer Deflation.

Die Unternehmen waren nun nicht mehr ausgelastet und mussten Kapazitäten abbauen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg an und die Kaufkraft in der Bevölkerung sank.

Warum Japan nicht aus der Krise kommt

Die Deflation war ein wichtiger Bestandteil der Krise. Das allgemeine Preisniveau sank, doch die Konsumenten und Investoren veränderten ihr Konsumverhalten kaum.

Über die Jahre hinweg gab es kein Wirtschaftswachstum und die Staatsverschuldung stieg stark an, da die Regierung mit Konjunkturprogrammen versuchte, die Wirtschaft anzukurbeln. Heute ist Japan, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, das am höchsten verschuldete Industrieland der Welt.

Eine große Herausforderung in Japan ist die Bevölkerungsstruktur – der Altersschnitt ist außergewöhnlich hoch. Auf einen Rentner kommen nur etwa 1,5 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass die Japaner während der Boom-Phase viel Kapital anhäuften. Nun suchen Kapitaleigner nach rentablen Anlagemöglichkeiten, was in einer Krise schwierig ist.

Dadurch werden sogar Investitionen getätigt, die nur geringe Rendite erwarten lassen. Es werden Unternehmen gegründet, die in einem vielumkämpften Markt nur kleine Marktanteile erhalten können. Der Kampf um Marktanteile lässt die Preise weiter sinken.

In den Jahren 2003 und 2004 gab es zwar etwas Hoffnung, welche aber von der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wieder zunichte gemacht wurde. Die Regierung findet bislang nicht den richtigen Weg, zumal die Staatsverschuldung mittlerweile so hoch ist, dass weitere Konjunkturprogramme riskant für den Staatshaushalt scheinen. Ein Ende der Krise in Japan ist aktuell nicht in Sicht.

21. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.