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Deflation: Wenn das Geld mehr wert ist

Dass Geld an Wert verliert und Produkte teurer werden, ist vielen Menschen bekannt. Man spricht von der Inflation und schimpft auf die teuren Produkte.

Doch auch wenn Geld wertvoller wird und Produkte billiger werden, entstehen Risiken. Die sogenannte Deflation kann die Wirtschaft extrem gefährden.

Was ist Deflation?

Deflation ist das Gegenteil von Inflation. Man spricht von Deflation wenn durchschnittlich alle Produkte billiger werden. Mit anderen Worten: Deflation ist ein allgemeiner Rückgang des Preisniveaus.

Ein kurzes Beispiel: Wenn man 50 € für einen bestimmten Warenkorb zahlen musste, so muss man nach einer Deflation zum Beispiel nur noch 40 € zahlen. Man bekommt also die gleichen Waren für weniger Geld oder fürs gleiche Geld mehr Waren.

Die erste direkte Auswirkung einer Deflation ist, dass die Menschen sich mehr Produkte kaufen können. Man könnte sich fragen: Wo ist das Problem? Doch Deflation hat negative Auswirkungen für Volkswirtschaften insgesamt.

Deflation als Reaktion auf zurückgegangene Einkäufe

Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass Deflationen insbesondere dann entstehen, wenn ein Großteil der Bevölkerung weniger einkauft. Dadurch gehen die Unternehmen in den Preisen runter, um ihre Produkte verkaufen zu können.

Die Deflation ist also nicht unbedingt eine wirkliche Erhöhung der Kaufkraft der Konsumenten, sondern kann auch eine Reaktion auf geringere Kaufkraft sein.

Wenn viele Menschen in einem Land arbeitslos geworden sind und die Löhne gefallen sind, sinken zwar die Produktpreise kurzfristig, langfristig profitieren die Menschen des Landes aber davon nicht.

Die größte Gefahr bei Deflation

In einer Deflation sinken die Preise, kontinuierlich. Stellen Sie sich bitte vor, Sie wollten ein neues Auto kaufen. Und die Preise würden fallen.

Die Folge: Sie werden Ihren Kauf möglichst weit in die Zukunft verschieben um Geld zu sparen. Eine Art von Teufelskreis kann entstehen. Die Konjunktur bleibt am Boden, Nachfrage und Produktion sinken, die Arbeitslosigkeit erhöht sich. Eine schwere wirtschaftliche Rezession droht.

Aber es gilt noch weitere Effekt zu beachten.

Wenn das Haus an Wert verliert: Deflation bei Besitzgütern

In Zeiten von Deflation sind Immobilien nicht die beste Absicherung. Da die Preise von Gütern fallen, verlieren auch Häuser an Wert. Sind die Häuser zusätzlich noch auf Kredit gekauft, so ist der der Hauskäufer mit einem doppeltem Problem konfrontiert: Der Kredit ist verhältnismäßig teurer zu bezahlen, während sein Haus an Wert verloren hat.

Die Schulden können Hauskäufer dann kaum noch zurückzahlen und ihre Häuser auch nicht mit Krediten belasten, da sie dafür keine guten Hypotheken bekommen. Viele Hauskäufer können so bankrottgehen.

Der sinkende Preis von bestimmten Gütern – die sogenannte Vermögensdeflation – wird häufig durch Spekulation ausgelöst. So entstehen Blasen in bestimmten Sektoren, die danach verheerende Folgen haben können. Ein Beispiel dafür ist der Immobiliensektor in den USA 2008.

Genau diese Effekte führen spiralenähnlich zu einem dauerhaften Konjunkturrückgang, der einmal richtig begonnen schwer wieder aufzuhalten ist.

Exakt diese Befürchtung hegt aktuell auch die Europäische Zentralbank, weshalb sie mit allen Mitteln versucht, eine drohende Deflation zu verhindern.

Insgesamt gibt es viele Gründe, die eine Deflation verursachen können. Es kann an zu starken Währungen liegen oder zu geringen Staatsausgaben. Genauso können sinkende Löhne und mangelnder Konsumwille der Bevölkerung dafür verantwortlich sein. Auch eine Geldpolitik, die zu stark versucht die Währung zu stabilisieren, kann eine Deflation auslösen.

Maßnahmen gegen Deflation

Zunächst können Zentralbanken bei Deflation die Zinssätze senken. Dadurch wird es billiger sich Geld zu leihen. Es kommt also mehr Geld in den Umlauf, wodurch die Produktpreise wieder zunehmen.

In den letzten Jahren ist das „Maßnahmenpaket“ der Zentralbanken gegen Deflation um eine weitere Reihe von Ideen erweitert worden. Aber egal, wie dieses Alternativen jeweils konkret aussehen, sie haben alle nur einen einzigen Zweck:

Billiges Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen und damit zu hoffen, dass dadurch die Konjunktur und damit die Preise wieder angekurbelt werden.

Allerdings haben die Zentralbanken bisher kaum Erfahrungen mit solchen Maßnahmen. Insbesondere das anschließende drosseln und stoppen dieser expansiven Geldpolitik fällt sehr schwer, wie aktuell in den USA zu beobachten ist.

Auch kann der Staat in Zeiten von Deflation grundsätzlich seine Ausgaben steigern. Dadurch können beispielsweise mehr Menschen eingestellt werden, wodurch der Konsum wieder zunimmt.

Dies kann für einen Staat allerdings gefährlich werden, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, die Kredite zurückzuzahlen. In einer derartigen Situation sah der Ökonom Paul Krugman Anfang 2010 Griechenland gefangen.

Nach den Problemen in der Staatenkrise in Europa ist diese Alternative, einfach die Staatsausgaben zu erhöhen, zumindest für die europäischen Staaten nicht mehr so einfach möglich.

15. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.