von Cosmin Filker

Der amerikanische Kurs wird beibehalten

Der amerikanische Kurs wird beibehalten

Gastbeitrag Markus Lindermayr

Die Federal Reserve bekommt gerade in dem Moment Bedenken, in dem die US-Wirtschaft scheinbar wieder zum Wachstum zurückkehrt.
   
Die Arbeitslosenrate fiel im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,4 auf 8,5 %. Gemäß den offiziellen Arbeitsmarktdaten hat die amerikanische Wirtschaft 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

In den letzten 6 Monaten haben die Statistiken einen monatlichen Zuwachs an 230.000 Arbeitsplätzen ausgewiesen. Die wöchentliche Arbeitszeit sowie die Stundenlöhne zeigten eine Verbesserung in den Arbeitsmarktberichten.

Das Bruttoinlandsprodukt der USA hat sich 9 Quartale in Folge gesteigert. Das abgelaufene vierte Quartal 2011 dürfte ein Wachstum von 3 % aufs Jahr hochgerechnet gebracht haben.

Leitzins soll weiterhin niedrig bleiben

Und was ist die Reaktion der Fed auf diese scheinbar so guten Nachrichten? Der Präsident der San Francisco Fed John Williams erklärte dem Wallstreet Journal, die Zentralbank müsse Hypothekenanleihen kaufen, und der Leitzins muss für lange Zeit so extrem niedrig bleiben, wie er derzeit ist.

Weiter erklärte er, dass die Arbeitslosigkeit (8,5 %) für eine sehr lange Zeit über der sogenannten „natürlichen Arbeitslosenrate“ sein würde, die mit 6,5 % angegeben wurde. Dies spräche für weitere Stimulationen der Notenbank.

Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York hat jüngst in einer Rede einige Vorschläge unterbreitet, wie man den Immobilienmarkt wieder beleben könnte. Er stellte die Möglichkeit einer Hypothekenschuldreduzierung und gelockerten Refinanzierungsbedingungen für Hausbesitzer in Aussicht.

Sarah Bloom Raskin – Mitglied des Notenbankrates – sprach davon, dass die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit im Vergleich zur Inflationsrate weiter eine lockere Geldpolitik begünstige.

Die Geldpolitik des Federal-Reserve-Systems ist dem „dualen Mandat“ verpflichtet, das heißt, sie muss die beiden geldpolitischen Ziele – Vollbeschäftigung sowie eine niedrige Inflationsrate – als Grundlage für ihre Entscheidungen verwenden.

Inflationsziel könnte eingeführt werden

Doch nun so unglaublich es auch scheint: Die Geldpolitik der USA steht offensichtlich vor einer Wende. James Bullard, Präsident der St. Louis Fed erklärte letzte Woche: „Wir sind nahe daran, in den USA ein Inflationsziel einzuführen“.

Ein Inflationsziel, wie es z. B. für die Europäische Zentralbank in Europa (EZB) gibt, schreibt der Geldpolitik ein festes Inflationsziel vor. Das heißt, es gibt eine vorgeschriebene Rate, um die das Geld an Kaufkraft verlieren soll.

Doch das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Bei der Einführung eines Inflationsziels müsste man sich zuvor auf einen Maßstab einigen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, einen Preis-Index zu kreieren: Soll man nur einen Index mit persönlichen Konsumausgaben verwenden, wie man ihn bei der Fed bevorzugt, oder sollen die Energie- und Lebensmittelpreise nicht doch im Index beinhaltet sein?

Es hat für den außen stehenden Betrachter den Anschein, dass eine Steuerung der Geldpolitik über ein „Inflationsziel“ eher dazu dienen soll, eine ultralockere Geldpolitik zu rechtfertigen, die das Wort Geldwertstabilität gar nicht mehr verdient.

 
 
Bildquelle: babimu - Fotolia

Autor:

Cosmin Filker

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.