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Der Brexit und seine Folgen: Das sagen die Top-Ökonomen

Der Brexit ist Realität. Viele Anleger, aber auch Wirtschaftswissenschaftler hat der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) überrascht. Erste Top-Ökonomen melden sich nun zu Wort und warnen vor den Folgen des Brexit.

Beim US-Brokerhaus Goldman Sachs geht man zum Beispiel davon aus, dass der Brexit das Wirtschaftswachstum in Europa um 0,5 Prozentpunkte auf 1,25% in den nächsten 2 Jahren schmälern wird.

Großbritannien dürfte der Brexit besonders hart treffen. England könnte Anfang 2017 sogar in eine „milde Rezession“ stürzen, heißt es bei Goldman Sachs. Auch die Weltkonjunktur dürfte durch den Brexit leicht an Schwung verlieren und in 2016 nur noch um 3,1% wachsen – 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor erwartet. Top-Ökonomen rund um den Globus können dem Brexit wenig Positives abgewinnen und erwarten insbesondere für Großbritannien negative Konsequenzen.

John Van Reenen: Brexit sorgt für Abkühlung des Wirtschaftswachstums

Spitzen-Ökonomen wie John Van Reenen (London School of Economics) erwarten allein durch die Unsicherheit eine sofortige Abkühlung des Wachstums. Der Grund: Durch die Unsicherheit würden neue Investitionsentscheidungen zunächst einmal aufgeschoben.

Dies würde zu einer geringeren Investmentaktivität und Einstellungsmentalität von Seiten der Firmen führen, so der Direktor des Zentrums für wirtschaftliche Entwicklung in London.

Paul Krugman: Brexit wird Großbritannien ärmer und unproduktiver machen

Der Brexit wird Großbritannien insgesamt ärmer machen, glaubt Ökonom und Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman. Der Wirtschaftsprofessor, der nebenbei auch für die New York Times schreibt, sieht in jeden Fall Nachteile für die Wirtschaft Großbritanniens durch mögliche Handelsbeschränkungen. Insgesamt dürfte  durch den Brexit die Produktivität in Großbritannien abnehmen, glaubt Krugman.

Das der Brexit zu einer Finanzkrise wie im Jahr 2008 (Zusammenbruch von Lehman Brothers) führen wird, erwartet der US-Wirtschaftsprofessor aber nicht.

Larry Summers: psychologische Effekte nicht unterschätzen

Der Wirtschaftsprofessor und ehemalige Chefökonom der Weltbank, Larry Summers, hält vor allem die psychologischen Auswirkungen des Brexit für gefährlich. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Situation, wenn andere Länder dem Beispiel von Großbritannien folgen und ebenfalls aus der Europäischen Union (EU) austreten (Domino-Effekt) könnten.

Für Großbritannien sieht der Harvard-Professor zwei wirtschaftliche Auswirkungen: Auf der einen Seite hätten die Briten mit ihrer Entscheidung Vertrauen in der Wirtschaft verspielt, zum anderen wird Großbritannien durch die Abwertung des Britischen Pfunds aber wettbewerbsfähiger.

Unter dem Strich erwartet aber auch Summers eine deutliche Abkühlung des Wachstums in Großbritannien. Zudem sei das Risiko einer Rezession in England in den nächsten 12 Monaten substantiell gestiegen, so der Harvard-Ökonom.

Scott Sumner: Brexit-Folgen hängen von der Reaktion der Zentralbanken ab

Das US-Wirtschafsprofessor Scott Sumner (Bentley University) sieht den Brexit eher aus der geldpolitischen Sicht (Marktmonetarismus). Aus dieser Sichtweise macht es insbesondere für die USA und Japan kaum einen Unterschied, ob Großbritannien in der EU ist oder nicht, so der Top-Ökonom.

Welche Effekte der Brexit letztendlich für die Weltwirtschaft haben wird, dürfte gänzlich von der Reaktion der Zentralbanken abhängen, glaubt Sumner. Die Gefahr einer weltweiten Rezession in 2017 sei durch den Brexit aber um einige Prozentpunkte gestiegen, fürchtet Sumner, der die Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession aber nach wie vor unter 50% sieht.

Mohamed El-Erian: 2 Lichtblicke durch den Brexit

Auch der Chefvolkswirt der Allianz, Mohamed El-Erian, sieht zunächst Unsicherheiten und kurzzeitige Verwerfungen durch die Entscheidung der Briten für den Brexit. Dennoch glaubt der Top-Ökonom, dass das Referendum auch Probleme lösen kann.

Zum einen verweist EL-Erian auf die grundlegenden Widersprüche zwischen GB und der EU. Für Großbritannien war die EU eine Super-Freihandelszone zum Selbstzweck – dies hat mit dem Brexit nun ein Ende, so El-Erian. Der Brexit berge zwar die Gefahr eines geringeren Wachstums und einer Rezession, insgesamt könne der Brexit aber auch ein Weckruf für die EU sein, notwendige Maßnahmen schneller umzusetzen und effizienter zu werden, glaubt er.

Fazit: Brexit trifft vor allem Großbritannien

Der Brexit dürfte vor allem Großbritanniens Wirtschaft treffen, die Weltkonjunktur aber kaum beeinträchtigen. Gleichzeitig steigt durch den Brexit auch der Druck auf die EU, effizienter zu werden, um so für seine Mitgliedsländer attraktiv zu bleiben.

28. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands