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Der Devisenkurs des Rubels – so sieht die Lage in Russlands Wirtschaft aus

Alle großen Volkswirtschaften der Welt sind über ein Geflecht von Wechselkursen eng miteinander verknüpft. Es gibt dabei zwischen jedem Währungsraum auf der Welt „Wechselkurspärchen“:

Zum Euro/US$ und US$/Euro, Euro/Schweizer Franken und Schweizer Franken/Euro, Schweizer Franken/US$ und US$/Schweizer Franken …… und ebenso zwischen allen anderen denkbaren weiteren Währungen auf der Welt.

Anmerkung: Bitte achten Sie immer darauf, welche Währung als erste in der Schreibweise des jeweiligen Währungspärchens steht. Sie „lesen“ diese Systematik hier bei „Euro / Rubel“ als „Euro in Rubel“. Umgekehrt bei „Rubel / Euro“ als „Rubel in Euro. Die Blickrichtung ist jeweils entscheidend.

Der „Euro Dollar“ auf dem Rückzug

Für uns Europäer ist das Paar „Euro/US$“ das bekannteste und wichtigste. In dieser Schreibweise zeigt es den Preis eines Euro in Dollar an. Sinkt dieser Preis, so verliert der Euro gegenüber dem US Dollar an Wert, bzw. der US$ gewinnt entsprechend an Wert.

Diese Situation sehen wir seit Mai 2014, ab diesem Zeitpunkt ist der Euro gegen den US$ um rund 12 % auf ca. 1,23 gefallen, den tiefsten Stand seit 2 Jahren. Für einen Euro müssen also 1,23 US Dollar bezahlt werden. Den tagesaktuellen Kurschart des Euro / Dollar finden Sie hier.

Die Kursbewegung zeigt: im Verhältnis zu den USA ist die Wirtschaft in Europa zurzeit in einer eher schlechten Verfassung, bzw. die Aussichten sind für den amerikanischen Wirtschaftsraum in der näheren Zukunft besser als in Europa.

Der russische Rubel, so sieht der Devisenkurs eines Landes in einer schweren Krise aus

Wenn Ihnen 12 % Kursverlust beim Euro/Dollar als viel erscheinen, was sagen Sie dann erst, wenn eine Währung im Vergleich zu anderen Währungen in nur einen halben Jahr sogar 50 % verliert!?

Seit Juli 2014, als der Wechselkurs des Rubel / Euro bei rund 0,022 Euro für einen Rubel notierte, ist der Preis den Euros in Rubel auf zuletzt (Anfang Dezember 2014) rund 0,015 Euro pro Rubel gefallen. Das ist der mit Abstand niedrigste Kurs seit 15 Jahren, also seit der Einführung des Euros. Und die Abwärtsbewegung für den Rubel wird immer stärker. Ein absolutes Warnzeichen dafür, dass ein völliger Wirtschaftskollaps in Russland bevorstehen könnte.

Einen tagesaktuellen Chart des Euro / Rubel können Sie hier sehen.

Selbst Interventionen der Russischen Notenbank, die wiederholt mit Rubelkäufen am Devisenmarkt versucht hat, den Rubelverfall zu stoppen, konnten diesen Preisverfall nicht stoppen.

rubel_eur

Quelle: European Central Bank, 09.12.2014; eigene Berechnungen

Hier vergleichen wir allerdings nur den Euro zum Rubel. Da der Euro gegen den US Dollar selber nochmals in der fast gleichen Zeit rund 12 % verloren hat, ist die Preisänderung zwischen US Dollar und Rubel deutlich über 50 % zu sehen.

Und letztlich werden viele internationale Geschäfte auf Basis des US Dollars abgerechnet, insbesondere das Geschäft mit Rohstoffen. Somit ist die russische Wirtschaft noch stärker als hier gezeigt vom Preisverfall des Rubels betroffen.

Einige der Hauptgründe für den Verfall des Rubels

Es gibt einen sehr breiten Mix aus verschiedenen Gründen. Insgesamt sieht man, dass die Wirtschaft schon seit Mitte 2013 mit leichten Schwächetendenzen zu kämpfen hatte. Der sehr starke Anstieg ab Mitte 2014 ist natürlich insbesondere durch die politischen Aktionen Russlands und seines Präsidenten Putin begründet:

Die „Krim-Übernahme“ und auch die Verwicklungen in der Ukraine haben die Wirtschaft Russlands belastet. Denn:

Solche politischen Aktionen schüren ganz allgemein große Unsicherheit, und diese Unsicherheit ist stets Gift für jede (außen-)wirtschaftliche Aktivität. Dies wurde natürlich nicht zuletzt durch die westlichen Wirtschaftssanktionen weiter verstärkt. Allem Anschein nach ist bisher keine echte Entspannung und damit Normalisierung der Situation absehbar.

Jeder Unternehmer überlegt aktuell sehr genau, insbesondere auch im Hinblick auf die politische Gesamtsituation, ob sein Geschäft mit einem russischen Partner auch von der grundsätzlichen Abwicklung her sicher ist. Dieses Risiko kommt zusätzlich zu den immer bestehenden Geschäftsrisiken erschwerend dazu.

Nochmals stark belastet wurde Russland zusätzlich durch den andauernden Preisverfall beim Rohöl. Russland bestreitet einen sehr großen Teil seiner Staatseinnahmen durch die Produktion und den Verkauf von Energie, insbesondere Erdöl und Erdgas. Die Entscheidung der OPEC, keine Förderreduktion der Produktion zu erklären (und damit den Preisverfall des Rohöls zu stoppen) hat den Preis auf den Ölmärkten nochmals stark unter Druck gebracht.

Das bedeutet der Rubelkurs für die Wirtschaft Russlands

Der Kursverfall ist aber auch ein Zeichen des mangelnden Vertrauens in das gesamte russische Wirtschafts- und Politiksystem. Solange nicht nachhaltig und glaubhaft neues Vertrauen insbesondere von der Staatsführung geschaffen werden kann, solange ist kaum eine Wende zum Besseren möglich.

Wirtschaftlich wird Russland somit zunächst noch weiteren sehr schweren Belastungen ausgesetzt sein. Zumindest geht der Devisenmarkt mehrheitlich davon aus.

Aber: Ein niedriger Wechselkurs ist zunächst einmal gut für die russische Exportindustrie, weil sie ihre Waren so billiger im Ausland verkaufen kann. Wenn man denn exportieren darf.

Ausblick

Investitionen in Russland sind aktuell wegen des sehr schwachen Rubelkurses grundsätzlich sehr attraktiv, allerdings auf Grund der sehr hohen Unsicherheit der weiteren insbesondere (welt-) politischen Entwicklung äußerst riskant.

Ein Engagement sollte nur von sehr risikofreudigen Investoren in Erwägung gezogen werden. Dies gilt auch für Investments, die auf einen weiteren Rückgang des Rubelkurses setzen. Große Kursschwankungen auch innerhalb weniger Stunden dürften weiter an der Tagesordnung bleiben.

1. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Stefan Waldmann
Von: Stefan Waldmann. Über den Autor

Stefan Waldmann arbeitet nach Bankausbildung und Studium der Volkswirtschaft und Sozialpsychologie seit über 20 Jahren im Kapitalmarktbereich einer großen deutschen Bank.