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Der egalitäre Liberalismus nach John Rawls

Der egalitäre Liberalismus wurde maßgeblich von John Rawls in seinem Hauptwerk „A Theory of Justice“ entwickelt.

John Rawls ist ein amerikanischer Philosoph der Neuzeit und seine Schrift zum egalitären Liberalismus gilt bis heute als eines der einflussreichsten Werke der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts.

Für Unternehmer, Ökonomen und Investoren ist es wichtig, die Grundposition und Definition des Liberalismus und seine Auswirkungen in Zusammenhang mit der freien Marktwirtschaft zu kennen. Der egalitäre Liberalismus ist an den klassischen Liberalismus angeknüpft und bezieht sich grundsätzlich auf den Begriff der Freiheit.

Egalitärer Liberalismus: Grundgedanken

John Rawls gilt als wesentlicher Vertreter des egalitären Liberalismus. Seine Schriften „A Theory of Justice“ von 1971 und „Politischer Liberalismus“ gehen von der Überzeugung aus, dass Gerechtigkeit in erster Linie durch den Grundwert der Gleichheit entsteht.

Neben John Rawls sind auch Bruce Ackermann, Ronald Dworkin und Thomas Nagel Vertreter des egalitären Liberalismus.

Nach John Rawls ist die Gerechtigkeit die oberste Prämisse eines Gesellschaftssystems, die die Freiheit des einzelnen Individuums allerdings nicht verletzen darf.

Für die Theorie des egalitären Liberalismus hat Rawls mehrere Gerechtigkeitsprinzipien entworfen, die seine Ideologie erklären und veranschaulichen sollen.

Das erste Gerechtigkeitsprinzip heißt auch „Freiheitsprinzip“. Nach diesem Prinzip soll jede Person das gleiche Recht auf die größtmögliche grundsätzliche Freiheit haben, die mit der gleichen Freiheit für alle anderen vereinbar sein muss.

Im zweiten Gerechtigkeitsprinzip, das auch „Differenzprinzip“ genannt wird, ist der Umgang mit ökonomischen Ungleichheiten festgeschrieben. Die ökonomischen Ungleichheiten sollen zum größtmöglichen Vorteil für die am schlechtesten gestellten Personen verwendet werden. Gleichzeitig sollen Ämter und Institutionen dafür sorgen, dass eine faire Chancengleichheit in der Gesellschaft herrscht.

Mit dem Prioritätsprinzip legt Rawls fest, dass die Freiheit der Gesellschaftsmitglieder, die am schlechtesten gestellt sind, auf keinen Fall verringert werden darf – auch nicht, wenn es zu ihrem ökonomischen Vorteil wäre.

Vor allem im Prioritätsprinzip erkennt man den starken Bezug des egalitären Liberalismus zur unantastbaren Freiheit des Einzelnen. Die Gleichverteilung von Freiheiten ist allerdings schon im klassischen Liberalismus festgeschrieben. Der egalitäre Liberalismus unterscheidet sich mitunter wegen des fairen Wertes von Freiheit, der Chancengleichheit und der Rechtfertigung gesellschaftlicher Ungleichheiten vom Liberalismus. Denn diese Ungleichheiten sind für Rawls zulässig, wenn sie sich zum Vorteil der schlecht gestellten Gesellschaftsmitglieder auswirken.

Kritik an John Rawls egalitärem Liberalismus

Besonders Utilitaristen, Libertäre und Kommunitaristen üben Kritik an dem Werk von John Rawls.

Einer der einschlägigsten Kritikpunkte des egalitären Liberalismus ist die Frage nach der Gerechtigkeit. Denn es scheint fast unmöglich, dass alle Gesellschaftsmitglieder die gleiche Auffassung von Gerechtigkeit vertreten.

Libertäre sehen außerdem in dem „Differenzprinzip“ selbst eine Eingrenzung der individuellen Freiheit.

Trotz der Kritik ist der egalitäre Liberalismus nach John Rawls eine der bekanntesten und bedeutendsten politischen Philosophien des 20. Jahrhunderts. Daher kann es sehr interessant sein, sich nicht nur über Auswirkungen des klassischen Liberalismus auf das Wirtschaftssystem zu informieren, sondern auch speziellere Theorien wie den egalitären Liberalismus unter die Lupe zu nehmen.

25. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.