von Heiko Böhmer

Der japanische Patient (Teil 2 )

Die japanische Wirtschaft liegt schon seit Jahren auf der Intensivstation. Seit dem Platzen der Immobilienblase in den 1990er Jahren hat sich die Lage nicht wieder komplett erholt und die japanische Volkswirtschaft ist nicht mehr zu den alten Wachstumsraten zurückgekehrt. Das größte Problem sind die Schulden in Japan. Es gibt konservative Schätzungen wonach die Gesamtverschuldung schon jetzt bei 200% des Bruttoinlandsprodukts liegt. Das liegt weit über den Werten aus den Euro-Krisenländern. Selbst Griechenland (118%) oder Italien (115%) liegen deutlich darunter. In Deutschland beträgt der gesamte Schuldenstand aktuell „nur“ rund 70%.

Zusätzlich steigen die Schulden stetig an. Eigentlich gibt es keine Lösung für den enormen Schuldenberg in Japan. So ist es gut möglich, dass die Schuldenexplosion weiter geht und schon in spätestens zwei Jahren die Verschuldung auf bis zu 225% ansteigt. Bedenken Sie: schon heute fließt annähernd die Hälfte der Steuereinnahmen in den Zinsdienst. So kommt auch die japanische Regierung mit der neuen Liquiditätsspritze durch die Notenbank und durch das neue Konjunkturprogramm zwar den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) entgegen.

Aber auf diese Art und Weise treibt die Regierung die Schulden auch in immer größere Höhen. Ein Teufelskreislauf, der sich durch das deflationäre Umfeld in Japan sogar noch verstärkt. Da die Preise ständig sinken, gehen eben auch die Konsumausgaben ständig zurück. Kein Wunder, denn die Verbraucher zögern bei Neuanschaffungen weil es gut möglich ist, dass die Waren in einem oder drei Monaten fünf oder sogar zehn Prozent billiger sind. Doch auch in diesem Umfeld gibt es Aktien, bei denen sich ein genauer Blick aktuell lohnen kann.  

Toyota: Zwei Krisen drücken auf den Kurs

Zu den bekannten und aktuell aussichtsreichen Aktien aus Japan gehört ohne Frage Toyota. Der weltgrößte Autohersteller kämpft gleich mit zwei Krisen: so leidet das Unternehmen wie jeder andere japanische Hersteller auch unter dem starken Yen. Zusätzlich hat die Aktie aber in den vergangenen 12 Monaten durch die unzähligen Rückrufaktionen einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Seit September 2009 war Toyota gezwungen mehr als zehn Millionen Fahrzeuge wegen Sicherheitsbedenken in die Werkstätten zurückzurufen. Allein in den USA, dem wichtigsten Markt für Toyota, waren es mehr als 7,3 Millionen Fahrzeuge.

Schaut man noch weiter zurück, so hat die Aktie seit dem Hoch im Februar 2007 rund 50% an Wert verloren. Auf Basis der Schätzungen für das nächste Geschäftsjahr wird die Toyota-Aktie aktuell nur noch mit einem KGV von 12,5 bewertet. Bei dieser Bewertung ist die Aktie für den langfristigen Anstieg auf jeden Fall interessant.

Sony: Wächst stärker als erwartet

Im High-Tech Segment kann aktuell Sony überzeugen. Das haben erst kürzlich wieder die Zahlen zum ersten Quartal (Stichtag 30. Juni 2010) gezeigt, die alle Erwartungen übertroffen haben. So gelang Sony auf Quartalsebene eine überzeugende Rückkehr in die Gewinnzone: nach einem Verlust von 25,7 Mrd. Yen im Vorjahr kletterte das operative Ergebnis in diesem Jahr auf 67 Mrd. Yen. Beim Umsatz gab es immerhin noch ein Plus von knapp 4%.

Außer im Finanzgeschäft hat Sony in allen maßgeblichen Geschäftsbereichen beim operativen Ergebnis zulegen können. Auf Basis der guten Quartalszahlen hat Sony die Prognose für den operativen Jahresgewinn um 20 Mrd. Yen auf 180 Mrd. Yen angehoben.

Die Sony-Aktie hat in den vergangenen Jahren eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich: vom Hoch bei 42 Euro im Juni 2007 stürzte die Aktie bis Februar 2009 auf nur noch gut 13 Euro ab. Davon hat die Aktie aber bis jetzt schon fast wieder um 70% auf 22 Euro zugelegt.

Aber Vorsicht ist im Hinblick auf Investments in Japan ein guter Berater, denn auch wenn die Kurse aktuell schon attraktiv aussehen, so ist es auch gut möglich, dass wir in den nächsten Monaten eine weitere deutliche Korrektur sehen.

 
 

Autor:

Heiko Böhmer

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