MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Der Leitzins in Europa als Machtinstrument der EZB

Seit Beginn der Finanzkrise 2007/2008 sind vor allem die Leitzinssätze in aller Munde. Besonders als Privatanleger sollten Sie wissen, worum es sich bei diesem wichtigen Instrument der Zentralbanken handelt.

Denn die Leitzinsen vieler Länder wurden aufgrund der Krise so stark gesenkt wie noch nie zuvor und beeinflussten dadurch die internationale Wirtschaft und damit auch die Rendite der Anlageprodukte innerhalb der Länder.

Das Verhältnis zwischen Zentral- und Geschäftsbanken

Bei den Leitzinsen handelt es sich um geldpolitische Instrumente der Zentralbanken. Das bedeutet, dass mithilfe der Zinssätze der Refinanzierungsmarkt und dadurch auch die Liquidität innerhalb des Währungsraums geregelt werden.

Denn je nachdem, ob ein Leitzinssatz gesenkt oder erhöht wird, leihen sich die Geschäftsbanken in der Folge mehr oder weniger Geld. Je teurer das Geld, desto weniger ist im Umlauf – eine Änderung des Leitzinses hat also Auswirkung auf die Geldmenge und birgt damit auch die Gefahr einer Inflation.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB), des amerikanischen Zentralbanksystems der USA (engl. Federal Reserve System bzw. Fed) oder auch der englischen Zentralbank (Bank of England).

So handelt es sich beim Hauptzinssatz der Fed um die „Federal Funds Rate“ (auch „Fed Rate“ genannt), zu dem sich amerikanische Banken und Sparkassen Zentralbankgeld beschaffen können.

Das englische Pendant dazu ist die „Repo Rate“ der Bank of England. Die europäische Zentralbank (EZB) kontrolliert drei Leitzinssätze, unter anderem den  Hauptfinanzierungssatz.

Der Leitzins für Europa – dreifach kontrolliert

Zunächst bestimmt die EZB den Einlagesatz. Dieser Satz betrifft Einlagegeschäfte, also die Möglichkeit der Geschäftsbanken, kurzfristig bzw. über Nacht nicht benötigte Gelder bei der EZB anzulegen. Nehmen die Banken dieses Angebot wahr, erhalten sie als Verzinsung den Einlagesatz. Dieser fällt allerdings geringer aus als die Zinssätze auf dem Interbanken- bzw. Geldmarkt.

Dies ist auch gewollt: Denn wäre der Einlagesatz höher als die anderen Übernachtanlagen verzinst, fände auf dem Geldmarkt kein Handel in diesem Bereich statt. Der zweite von der EZB kontrollierte Zinssatz ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Dieser Leitzinssatz ist das Pendant zum Einlagesatz.

Anstatt Geld anzulegen, können sich die Geschäftsbanken auf diesem Wege kurzfristig bzw. über Nacht Geld beschaffen. Diese Möglichkeit ist dann besonders wichtig, wenn zum Beispiel Liquiditätsengpässe bestehen, also das Geld knapp ist. Der Spitzenrefinanzierungssatz bildet die Obergrenze der kurzfristigen bzw. Übernachtkredite.

So werden Übernachtkredite auf dem Geld- bzw. Interbankenmarkt immer niedriger verzinst, damit nicht nur zwischen EZB und Geschäftsbank, sondern auch unter den Geschäftsbanken Geschäfte zustande kommen. Schließlich gibt es noch den Hauptrefinanzierungssatz, das wichtigste Instrument der EZB zur Steuerung der Geldpolitik.

Der Hauptfinanzierungssatz: Großer Einfluss auf die Wirtschaftslage

Denn die Geschäftsbanken versorgen sich hauptsächlich im Rahmen der Hauptfinanzierungsgeschäfte mit Zentralbankgeld, indem sie zeitlich begrenzt notenbankfähige Sicherheiten bzw. Wertpapiere dagegen eintauschen. Die EZB stellt so normalerweise rund drei Viertel des Refinanzierungsvolumens zur Verfügung.

Eine Änderung dieses Leitzinssatzes hat auch Änderungen der Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt zur Folge. Denn müssen sich die Geschäftsbanken Geld zu höheren Zinssätzen besorgen, werden sie auch die eigenen Kreditzinssätze anheben, um so den Anstieg der Zinssätze zu kompensieren. So kann die EZB mithilfe ihrer Geldpolitik die Wirtschaft beeinflussen.

Bei einer schlechten Wirtschaftslage wird in der Regel eine expansive Geldpolitik betrieben, also der Hauptrefinanzierungssatz gesenkt, wodurch mehr Kredite vergeben und die Wirtschaft angekurbelt werden soll.

Andererseits liegt eine restriktive Geldpolitik vor, wenn der Zinssatz angehoben wird. Dies ist dann der Fall, wenn eine – womöglich durch die expansive Geldpolitik entstandene – Inflation gesenkt werden soll. Allerdings haben die Maßnahmen der EZB nicht immer den gewünschten Erfolg, was insbesondere die Finanzkrise seit 2007/2008 deutlich gemacht hat.

20. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.