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Der Liberalismus: Neoliberalismus als Weiterentwicklung

Grundsätzlich steht der Liberalismus für Freiheit, also für das Recht des Einzelnen auf Freiheit, Eigenverantwortung und die Entfaltung der Persönlichkeit. Diese Denkrichtung wurde vor allem durch den schottischen Aufklärer Adam Smith (1723-1790) geprägt und später von Ökonomen wie Jean-Baptiste Say (1767-1832) und David Ricardo (1772-1823) weiterentwickelt.

Während Smith dem Staat teilweise Eingriffe zugesteht, zum Beispiel zur Förderung der Bildung, herrschte im 19. Jahrhundert allgemein in ökonomischer Hinsicht eine Laissez-faire-Haltung vor. Das heißt, der Staat wurde komplett ausgeklammert und die Wirtschaft dem Spiel der Marktkräfte überlassen.

Der Neoliberalismus dagegen bezieht den Staat zur Regulierung bzw. Ordnung der Wirtschaft mit ein. Vertreter dieser Auffassung sind vor allem der deutsche Ökonom Walter Eucken (1891-1950) sowie der österreichische Ökonom Friedrich August von Hayek (1899-1992).

Auch das Konzept der sozialen Marktwirtschaft, das heute in Deutschland vorherrscht, basiert auf den Prinzipien des Neoliberalismus. Daher ist es auch für Sie als Bürger interessant, worum es sich beim Neoliberalismus und der deutschen Variante, dem sogenannten Ordoliberalismus, genau handelt. Denn mithilfe dieser Ansätze verstehen Sie auch das Finanzsystem besser.

Liberalismus plus Staat: Der Neoliberalismus

Wie auch der klassische Liberalismus spricht sich der Neoliberalismus für die Freiheit des Einzelnen aus. Dementsprechend soll der Staat nicht – wie beispielsweise zu Zeiten des Absolutismus – aktiv in Wirtschaftsprozesse eingreifen.

Allerdings fordert diese Denkrichtung eine staatliche Ordnungspolitik. Dadurch sollen die Grundsätze des Liberalismus gesichert werden. Dazu gehören unter anderem das private Eigentum von Produktionsmitteln, die freie Preisbildung sowie die Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit. Außerdem soll die Bildung von Monopolen und Kartellen verhindert werden.

Auch darf der Staat laut den Anhängern des Neoliberalismus eingreifen, um kurzfristige Konjunkturschwankungen und soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen – wenn auch natürlich nicht in dem Maß, wie es Ökonomen wie John Maynard Keynes (1883-1946) fordern.

Grund für diese Auffassung sind vor allem die schlechten Erfahrungen mit dem Kapitalismus des 19. Jahrhunderts. Denn dieser breitete sich so unkontrolliert aus, dass zu Beginn der Industrialisierung die neu entstehende Arbeiterschicht am Rande des Existenzminimums weitgehend rechtlos lebte und sich wirtschaftliche Monopole ungehindert bilden und den Wettbewerb einschränken konnten.

Während Friedrich August von Hayek besonders in England und Amerika tätig war, gilt Walter Eucken als führender Vertreter des Neoliberalismus in Deutschland. Er prägte den sogenannten Ordoliberalismus.

Der Ordoliberalismus als deutsche Variante des Neoliberalismus

Walter Eucken gilt als der Begründer der sogenannten Freiburger Schule, einer Vereinigung von Nationalökonomen und Juristen der 1930er-Jahre.

Den Vertretern dieser Schule zufolge soll der Staat hauptsächlich für die Erhaltung und Sicherung des freien Wettbewerbs sorgen, indem er den gesetzlichen Rahmen vorgibt und Monopol- und Kartellbildung unterbindet. So soll die freie wirtschaftliche Betätigung von Unternehmen und Haushalten gesichert werden.

Insgesamt setzt der Ordoliberalismus also darauf, dass der Staat marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen diktiert. Auf dieser Annahme basiert auch die soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung Deutschlands, die hauptsächlich durch Alfred Müller-Armack (1901-1978) geprägt wurde.

Soziale Marktwirtschaft und Neoliberalismus heute

In Deutschland gibt es rechtliche Regelungen zur freien wirtschaftlichen Betätigung und dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb. Außerdem setzt der deutsche Staat auf die freie Preisbildung von Gütern und Leistungen und die selbstständige Regelung von Entlohnung und Arbeitsbedingungen durch die Verbände von Arbeitgebern und -nehmern (Tarifautonomie). Mittlerweile wird der letzte Punkt allerdings im Rahmen der Mindestlohndebatte heiß diskutiert.

Daneben gibt es allerdings auch noch eine soziale Komponente, wie zum Beispiel das Netz von Sozialleistungen. Dazu greift der Staat gezielt und aktiv in die Wirtschaft ein, was Vertreter des Neoliberalismus bzw. Ordoliberalismus an sich ablehnen.

Heutzutage hat der Begriff Neoliberalismus oft einen negativen Beigeschmack, weil er als eine Form des Marktradikalismus kritisiert wird, bei der sich der Staat insbesondere für Unternehmen einsetze und das Marktwohl über die Existenzsicherung von Arbeitnehmern stelle.

24. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.