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Der OTC-Markt frisst seine Vorteile auf

Der Handel über den OTC-Markt, also außerhalb der Börse, besticht mit geringeren Gebühren und mehr Möglichkeiten. Am unregulierten Markt sind die Teilnehmer unter sich. Doch mit seiner zunehmenden Beliebtheit untergräbt er den klassischen Börsenhandel. Die Folgen bekommen Börsen, Unternehmen und Anleger zu spüren.

Wenn ein DAX-Unternehmen in den M-DAX abrutscht und der Aktienkurs sinkt, dann liegt das in der Regel an dessen geringerem Börsenumsatz. Umso verwunderlicher ist es für den Anleger allerdings, wenn es sich um die Aktie eines prosperierenden Unternehmens handelt, die eigentlich gefragt ist.

Doch genau darin könnte der Grund liegen. Aktien werden zunehmend außerbörslich gehandelt. Und alles, was über den ungeregelten OTC-Markt läuft, wird von den amtlichen Börsen weder registriert noch berücksichtigt.

Je mehr Papiere eines Unternehmens am OTC-Markt gehandelt werden, desto geringer sind entsprechend die Umsätze auf dem Xetra-System an der Frankfurter Börse. Deren Berechnung zufolge wird nicht einmal mehr die Hälfte der Aktien von DAX-Unternehmen auf Xetra gehandelt.

OTC-Markt: Anonyme Trades verhindern Kursrutsch an der Börse

Der Großteil der Transaktionen findet auf dem unregulierten Markt statt. Viele Anleger kennen den OTC-Handel, denn Online-Broker bieten auch privaten Tradern den Zugang zum OTC-Markt, den Handel über den Ladentisch sozusagen.

Genutzt wird er aber seit jeher vorwiegend, um Block Trades, also den Handel größerer Aktienpakete diskret abzuwickeln ohne Kursverwerfungen an der Börse zu verursachen. Meist sind große Investmentfonds im Spiel. Die Aktion läuft am Telefon oder in Hinterzimmern ab, unbemerkt von der Öffentlichkeit.

OTC-Markt und Dark Pools – Marktliberalisierung mit Folgen

Doch der OTC-Markt im engeren Sinne ist nur ein Teil des unregulierten Handels. Die Investmentbanken haben zunehmend verschiedene Plattformen geschaffen, auf denen sie außerhalb der amtlichen Börsen ihre Geschäfte abwickeln.

Dabei handelt es sich nicht um telefonische Vereinbarungen, sondern um ausgereifte elektronische Handelssysteme. Ermöglicht wurden die Handelsalternativen durch eine EU-Richtlinie von 2007.

Sie war die Antwort auf die Monopolstellung der Börsen, die immer höhere Gebühren verlangten. Seitdem wird im Zusammenhang mit dem OTC-Markt auch von Dark Pools gesprochen. Die Vorgänge bleiben weitgehend im Dunkeln. Anders als an der Börse gibt es in Sachen Kurse und Handelsdaten keine Transparenz.

Die Position im Index steht auf dem Spiel

So wissen auch die Aktiengesellschaften selbst nicht, wer mit ihren Papieren handelt. Sie können lediglich ihre Aktienumsätze an der Börse erkennen. Der Rest entfällt eben auf den OTC-Markt im weiteren Sinne, also inklusive Dark Pools.

Das Problem: Die Umsatzverteilung zwischen Börse und OTC-Markt ist je nach Unternehmen unterschiedlich. Sinken die Umsätze an der Börse überproportional, besteht die Gefahr, dass es aus dem Index genommen wird.

Wenn dann der Kurs der Aktie fällt, hat auch der Anleger das Nachsehen. Immerhin dürfen Pensionskassen oder große Fonds nur in Papiere mit bestimmten Mindestumsätzen investieren.

Marktzersplitterung verteuert den Aktienhandel

Damit steht zugleich die Aussagekraft der Indexberechnung infrage, was sich etwa auf passive Indexfonds wie ETFs auswirkt. Außerdem verursacht die Abwanderung aus Xetra eine Zersplitterung des Handels auf dem unüberschaubaren OTC-Markt.

Wenn sich die Zahl der handelbaren Aktien auf immer mehr Plattformen verteilt, werden die jeweiligen Volumina geringer. Damit entstehen stärkere Kursschwankungen.

Die Volatilität steigt. Gleichzeitig sinkt die Liquidität. Und je geringer sie wird, desto größer sind die Spreads zwischen Geld- und Briefkurs. Somit verteuert der an sich günstige OTC-Handel langfristig die Preise. Eine paradoxe Folge.

OTC-Handel – Anleger aufgepasst

Die strukturellen Veränderungen, die der OTC-Handel mit sich bringt, berühren also auch den Privatanleger. Zu beachten ist dabei, dass von den größeren Spreads vor allem kleinere Unternehmen im S-DAX und Tec-DAX betroffen sind.

Aus Anlegersicht bietet der OTC-Handel nach wie vor attraktive Vorteile gerade für Daytrader. Die Nachteile liegen jedoch nicht nur in einer mangelnden Transparenz und einer fehlenden Kontrolle. Wird eine Order falsch ausgeführt, so gibt es keine übergeordnete Überwachungsinstanz, an die sich der Investor wenden kann.

Mit einer neuen Richtlinie will die EU künftig die Folgen der Marktliberalisierung in kontrollierbare Bahnen lenken. Ab 2017 soll der gesamte Wertpapierhandel transparenter werden und damit auch der OTC-Markt bzw. Dark Pools.

Dabei wird der Markt neu geordnet, damit auch Anleger einen besseren Überblick über das Marktgeschehen bekommen. In Kanada und Australien zumindest haben ähnliche Regelungen bereits zu einem Rückgang im Dark Pool-Handel geführt.

5. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.