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Der Putsch in der Türkei und die Auswirkungen auf die Tourismusbranche

Antalya gilt eigentlich als die Touristen-Hochburg in der Türkei schlechthin – doch an diesen Tagen tummeln sich nur wenige Menschen an den Stränden an der türkischen Riviera.

Terror-Anschläge zu Jahresbeginn haben der türkischen Tourismusbranche schwer zugesetzt, der jüngste Putsch bzw. Putschversuch in der Türkei könnte Urlauber und Anleger weiter verunsichern, glauben Marktbeobachter.

Bedeutung des Tourismus für die Türkei

Für die Türkei ist das ein großes Problem, ist die Tourismusbranche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land am Bosporus. Ein kurzer Blick auf die Zahlen: Allein in 2015 kamen rund 43 Mio. Touristen  in die Türkei, davon etwa 5,6 Mio. Urlauber aus Deutschland, 3,5 Mio. aus Russland.

Unter dem Strich erzielte die türkische Tourismusbranche im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von 35 Mrd. €, wobei rund 2 Mio. Beschäftigte in der Branche arbeiten. Insgesamt trägt die Tourismusbranche in der Türkei etwa ein Siebtel zur Wirtschaftsleistung bei.

Putsch in der Türkei: Auswirkungen auf Tourismus und Börse

Seit 2015 ist die Zahl der Touristenankünfte in der Türkei rückläufig. Die Reisemarktforscher bei Euromonitor International erwarten auch in 2016 einen Rückgang der internationalen Besucherzahlen um 5,2% auf 32,9 Mio. Auslandstouristen.

Der Grund für die pessimistische Schätzung ist natürlich die latente Terrorgefahr sowie die Verunsicherung durch den jüngsten Putsch-Versuch und seine Folgen. Der Türkei-Putsch hatte zuletzt auch Auswirkungen auf den türkischen Aktienmarkt. Der Istanbuler Aktienindex ISE-100 verlor allein in den letzten 3 Monaten rund 16%.

Betroffen waren dabei insbesondere Anleger, die direkt in der Türkei engagiert sind. So stürzten zum Beispiel die Aktien der teilstaatlichen Turkish Airlines auf ein neues 3,5-Jahrestief ab. Auch die Aktien der türkischen Flughafen-Dienstleister Celebi und TAV erlitten herbe Verluste.

Türkei-Putsch trifft Tourismus-Anleger

Aber auch deutsche Anleger, die allgemein in der Tourismus-Branche investiert sind, bekamen die Auswirkungen des Putsch-Versuchs in der Türkei zu spüren. Reiseveranstalter-Aktien wie die TUI AG oder Thomas Cook gaben zuletzt deutlich nach.

Bei der TUI AG rechnet man bedingt durch die letzten Vorkommnisse mit 50% weniger Türkei-Urlaubern als im Vorjahr. Auch der britische Reiseveranstalter Thomas Cook ist mit seiner Tochter Öger stark in der Türkei engagiert – wenig verwunderlich, dass die Aktien zuletzt ein neues 3-Jahrestief markierten.

Die Krisenausläufer des Putschversuchs bekamen zuletzt auch Airline-Investoren zu spüren. Die Lufthansa zum Beispiel hatte kurzzeitig zahlreiche Flüge in die Türkei gestrichen. Zwar nahm die Fluggesellschaft inzwischen den normalen Flugverkehr mit der Türkei wieder auf, doch die Unsicherheit bleibt. Insgesamt haben Lufthansa-Aktien in den letzten 3 Monaten etwa ein Viertel an Wert verloren.

Türkische Lira gerät unter Druck

Auch die türkische Währung, die türkische Lira, geriet nach dem Putschversuch kurzzeitig stark unter Druck. Vor dem Putsch lag der Kurs der Lira noch bei etwa 2,90 Lira pro US-$, nachdem Putschversuch mussten mehr als 3,0 Lira für einen US-$ bezahlt werden.

Inzwischen hat sich die Lage am Devisenmarkt wieder etwas stabilisiert, zuletzt pendelte die türkische Währung weiter bei 3,03 Lira pro US-$.

Fazit: Risiken für Türkei-Investoren deutlich gestiegen

Im vergangenen Jahrzehnt war die Börse in Instanbul ein gutes Pflaster für Anleger, schließlich legte der Istanbuler Aktienindex ISE-100 in den letzten 10 Jahren um mehr als 100% zu, doch inzwischen raten Finanzmarktkenner zur Vorsicht.

Hintergrund ist nicht nur die relativ unübersichtliche politische Lage in der Türkei, sondern auch die Frage, inwieweit sich der künftige politische Kurs des türkischen Ministerpräsidenten Recep Erdoğan auf die türkische Wirtschaft auswirken wird.

Zudem steht die Türkei vor großen Herausforderungen, da immer mehr Flüchtlinge aus umliegenden Krisenländern in das Land strömen – inzwischen sollen mehr als 3 Mio. Flüchtlinge in der Türkei leben.

In jeden Fall sind zuletzt die Risiken für Türkei-Investoren deutlich gestiegen. Während Vermögensverwalter wie Aberdeen, Baring oder Berenberg durchaus eine Chance für Schnäppchenjäger angesichts der jüngsten Kursrückgänge sehen, rät man bei der BNP Paribas Anlegern dazu, Türkei-Investments unterzugewichten.

28. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands