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Steuersatz: Bei Abfindung lässt sich noch einiges rausholen

Eine Abfindung für den verlorenen Arbeitsplatz ist für den Arbeitnehmer eine erfreuliche Entschädigung. Weniger erfreulich ist, dass sie zum Einkommen hinzugerechnet wird und den Steuersatz auf einmal in Höhe treibt.

Dieser Effekt lässt sich aber zumindest abmildern, damit das Trostpflaster nicht zum Schreckensszenario wird.

Abfindung – spürbare Auswirkung auf den Steuersatz

Früher war der Fiskus bei einer Abfindung großzügiger. Erst musste nur die Hälfte versteuert werden. Dann waren mit gestaffelten Freibeträgen bis zu 11.000 € steuerfrei. Erst was darüber hinausging, wurde versteuert. Mit einer sogenannten Fünftelregelung ließ sich auch dieser Betrag so aufteilen, dass sich der Steuersatz kaum veränderte.

Ab 2006 war Schluss damit. Seitdem wird eine Abfindung komplett besteuert. Und weil sie auch keine Schenkung durch den Chef ist, wird sie dem Einkommen bzw. Jahresverdienst hinzugerechnet. Die Auswirkung auf den persönlichen Steuersatz ist nicht unerheblich.

Wer beispielsweise bis zur Kündigung  40.000 € im Jahr verdient hat und eine Abfindung von 40.000 € bekommt, bei dem steigt der Durchschnitts-Steuersatz von 23,76% auf  33,54%.

Für den gekündigten Arbeitnehmer ein weiterer herber Schlag, wenn der Fiskus nun derart viel vom finanziellen Trostpflaster abschneidet. Der wiederum hat wenigstens erkannt, dass es vor diesem Hintergrund ungerecht ist, wenn der Steuersatz nur eines Jahres derart in die Höhe schnellt. Zumal er danach wohl wieder auf dem bisherigen Niveau landet.

Deshalb wurde die Abfindung in die Kategorie „außerordentliche Einkünfte“ eingestuft. Das erlaubt eine steuerliche Besserstellung. Die Abfindungszahlung wird so aufgeteilt, dass sie nicht komplett anfällt. Für die Berechnung geht man von einem Fünftel der Abfindungssumme aus.

Abfindung: Fünftelregelung bremst den Steuersatz

Dieses Verfahren nennt sich Fünftelregelung. Die Berechnung läuft so: Die Abfindung wird fiktiv auf fünf Jahre verteilt. Ein Fünftel wird zum regulären Jahreseinkommen hinzugerechnet und auf die Summe die Steuer ermittelt. Diese vergleicht man dann mit der geringeren Steuer, die sich ohne Abfindung ergeben würde.

Das Ergebnis ist die Mehrbelastung, die sich nur für ein Fünftel der Abfindungssumme ergeben würde. Und weil diese günstigere Besteuerung nun auf die gesamte Abfindung anzuwenden ist, wird sie eben mit 5 multipliziert. Dieses Steuerergebnis wird dann zur ohnehin zu zahlenden Steuer aus dem regulären Einkommen hinzugerechnet.

Der Vergünstigungseffekt bezogen auf das obige Beispiel mit 40.000€ Einkommen und einer Abfindung in gleicher Höhe: Bei der Erhöhung des Steuersatzes werden ca. 3 Prozentpunkte und rund 1.200€ erspart.

Voraussetzung für die Anwendung der Fünftelregelung: Die Abfindung muss die Einnahmen, die durch die Kündigung entfallen übersteigen. Außerdem muss sie innerhalb desselben Kalenderjahres ausgezahlt werden. Das kann auch in Raten geschehen. Wenn ein geringer Anteil von bis zu 5% erst im Folgejahr ausgezahlt wird, so macht das Finanzamt keine Probleme.

Die Ersparnis durch die Fünftelregelung mildert die Mehrbelastung etwas ab, wenn auch nicht viel. Sie führt aber bei höheren Einkommen nur noch zu minimalen Einsparungen. Grund ist die Steuerprogression.

Abfindung: Alternativen zur Senkung des Steuersatzes

Alternativ bietet sich eventuell eine zweite Möglichkeit an: Die Abfindung aufteilen und in Raten über zwei Jahre strecken. Bei einer solchen Aufteilung halbiert sich der Abfindungsbetrag in einem Steuerjahr. Damit steigt der Steuersatz entsprechend weniger an.

Und dann gibt es noch eine dritte Variante: Die Abfindung wird erst im kommenden Jahr gezahlt. Das ist z.B. dann sinnvoll, wenn jemand davon ausgeht, dass er dann arbeitslos gemeldet ist und deutlich geringere Einkünfte hat.

Was im Einzelfall die sinnvollste Lösung ist, hängt von nicht nur von der inviduellen Steuerbelastung ab. Hier spielt eine ganze Reihe von steuerrelevanten Faktoren eine Rolle. Deshalb auf jeden Fall vorab mit dem Steuerberater sprechen.

15. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.