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Der Stoff, mit dem die Steuern sinken: Versicherungsmäntel für die Bermudas

Der Versicherungsmantel ist ein Traum, der aus dem Stoff einer Versicherung gewoben ist. Daher der Name. Anwendung finden solche Mäntel als so genannte Bank-Assurance-Lösungen, also Bank-Versicherungs-Gebilde, die Steuern – zu neudeutsch – „optimieren“ helfen.

Wie ist ein Versicherungsmantel gestrickt?

Großmutterns Satz, dass ein guter Mantel für ein Leben halten soll, feiert bei Versicherungsmänteln eine Renaissance. Denn Kunden legen ihr Geld dabei vor allem in Lebensversicherungen, also  langfristig an. Die Laufzeit dieser Finanzprodukte liegt in der Regel bei zwölf Jahren. Und in dieser Zeit fallen bei Lebensversicherungen praktischerweise keine Steuern an.

Auch bei der Ausschüttung kann ein so ummantelter Investor einen ermäßigten Steuersatz geltend machen. Das Ganze kann, falls die Winter einmal strenger sein sollten und die Heizkosten entsprechend steigen, eine Steuerersparnis von rund zehn Prozent ausmachen – Geld, das man dann zum Heizen verwenden kann.

Zudem gibt es Vorteile beimVererben des Vermögens, alsofür den Fall, dass der Versicherte stirbt. Denn die angelegte Summe zählt nicht zum Nachlass, und deswegen  fällt auch keine Erbschaftsteuer an.

Credit Suisse betreibt illegale Schneiderei

Aus Sicht der Behörden betreiben allerdings Banken, die solche Mäntel anbieten, eine illegale Schneiderei. Das war 2012 Thema, als Versicherungsmäntel bei der Schweizer Credit Suisse in die Kritik gerieten und Gegenstand von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden.

Deutsche Steuerbehörden vermuteten, dass es sich bei diesen Mänteln um Stoff handelte, mit dem Anleger ihr privates Vermögen einwickeln konnten (deswegen auch der Begriff Insurance Wrapper für solche Vermögen). Die Credit Suisse warb dafür, dass sie zu den Marktführern auf solche „fondsgebundene Versicherungslösungen für vermögende Kunden in Europa“ zähle.

Die Steuerfahnder überprüften 2012 Kunden, die bei der Credit Suisse Life Ltd. Versicherungen laufen hatten. Diese Tochterfirma der Credit Suisse hat ihren Sitz sinnvollerweise auf den steuergünstigen Bermudas.

Behörden wollen unter die Mäntel schauen

Daher wurden den Trägern solcher Mäntel oder den Inhabern der Konten diese Mäntel bei der Credit Suisse zum Ärgernis. Während das Nutzen solcher Scheinversicherungen ein legales Mittel ist, um Steuern zu sparen, wird es nämlich kritisch, wenn Steuerbürger dort Geld eingezahlt haben, das sie vorher am Fiskus vorbei geschafft haben.

Die Credit Suisse und deren Tochter Life Bermuda sagten, dass ihre Kunden versichern mussten, dass die eingezahlten Gelder korrekt versteuert sind. 7000 Steuerbürger waren von den Ermittlungen der Fahnder betroffen. Ob sie ihr Geld wirklich korrekt versteuert haben, wird sich zeigen.

Auch andere Stoffe für Mäntel verfügbar

Für die Ummantelung besonders geeignet erweisen sich also fondsgebundene Lebens- sowie Rentenversicherungen; speziellere Ummantelungen können aber auch mit Dachfonds, Stiftungen und Trusts (Stiftung nach angelsächsischem Recht) aufgebaut werden.

Zusätzlichen Aufwind erhielt das Thema durch die Unternehmenssteuerreform 2008 in Deutschland und der damit verbundenen Einführung einer Abgeltungssteuer ab dem 1. Januar 2009. Mit einem passenden Versicherungsmantel kann die Abgeltungssteuer weitestgehend umgangen werden.

18. Dezember 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.