von Heiko Seibel

Der Twist beschädigt die Banken

Der Twist beschädigt die Banken

Wenn Sie derzeit ein Dejà Vu durchlaufen, dann haben Sie keine Halluzinationen, sondern Sie analysieren richtig. Genau wie im Jahr 2008 wackeln die Banken.

Gemunkelt wird von französischen Großbanken, von italienischen und griechischen sowieso. Auch amerikanische Kreditinstitute sind ins Visier der Anleger geraten.

Die Banken misstrauen sich und leihen sich kein Geld mehr. Und nun setzt ihnen auch noch die Federal Reserve zu. Doch der Reihe nach.

Hier ist der Credit Crunch

Dass in der europäischen Bankenlandschaft etwas faul ist, wurde nicht nur durch die jüngsten Herabstufungen griechischer und italienischer Bankaktien klar.

Gerade berichtete die Nachrichtenagentur Dow Jones, dass Siemens offenbar schon vor dem jüngsten Bankenstresstest im Juli Einlagen bei der französischen Bank Société Générale abgezogen hat.

Außerdem hat der Mischkonzern laut einem Bericht der "Financial Times" vor zwei Wochen Guthaben mehr als eine halbe Milliarde Euro aus einer französischen Bank abgezogen und bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angelegt hat.

Dann gab es neue Beweise für das Misstrauen: Die Einlagen der Kreditinstitute im Euroraum bei der Europäischen Zentralbank sind am Dienstag voriger Woche wieder deutlich gestiegen. Insgesamt parkten die Banken über Nacht 144,8 Milliarden Euro bei der Notenbank, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Zu Wochenbeginn hatte die Summe noch bei 111,5 Milliarden Euro gelegen.

Zwar schwanken die Werte, doch die Tendenz ist eindeutig: Niemand weiß, ob die Gegenseite nicht umkippt und ob das verliehene Geld dann weg ist.
Genau deswegen versuchten ja die G7 mit einer – letztlich erfolglosen – Intervention, den europäischen Banken neue Dollar-Mittel zur Verfügung zu stellen. Vor allem in Amerika ist nämlich das Misstrauen groß.

Das trifft auch die amerikanischen Banken, die zuletzt kräftig abgetaucht sind. Der Chart sieht aus wie ein Accident waiting to happen. Alles in allem sind die Tiefs aus dem März 2009 wieder in Reichweite.

US-Bankaktien brechen ein

Die Fed tanzt den Twist

Nun hat ausgerechnet die Federal Reserve das Problem noch einmal verschärft. Die Federal Reserve sieht eine fortlaufende Schwäche der US-Wirtschaft und will die Konjunktur stützen. Sie wird bis Mitte kommenden Jahres 400 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, um US-Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren zu erwerben.

Parallel dazu sollen aus den Beständen der Notenbank Kurzläufer abgestoßen werden, die spätestens nach drei Jahren fällig werden.

Fed-Chef Ben Bernanke kopiert damit die "Operation Twist" der Fed von 1961. Erklärtes Ziel ist es, das Verhältnis zwischen lang- und kurzlaufenden US-Schuldtiteln auf dem Markt zu verschieben. Dadurch sollen die Zinsen auf langfristige Kredite gesenkt werden, die für die Investitionstätigkeit von Unternehmen und für den darbenden Häusermarkt von besonderer Bedeutung sind. Die Notenbank erhofft sich davon eine Belebung der Wirtschaft.

Für die Banken bedeutet dies aber Verluste im Geschäft: Durch den Twist wird die Zins-Strukturkurve am hinteren Ende flacher. Je steiler die Differenz zwischen beispielsweise 2 Jahren und 10 Jahren ist, desto höher die anfallende Zins-Marge für Banken bei (Re-) Finanzierungen.

Denn Banken verdienen dann, wenn sie kurzfristig günstig Geld ausleihen und es langfristig teuer als Kredit ausgeben. Das ist nun schwieriger: Je flacher die Kurve, umso geringer die Marge, umso geringer die Zinsmarge, umso geringer der Gewinn.

Wir dürfen uns also auf weitere Short-Chancen im Bankensektor einstellen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

 
 
Bildquelle: Paul Giamou

Autor:

Heiko Seibel

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