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Der Wachstumsmarkt China bietet Ihnen attraktive Chancen, aber auch Risiken

Das enorme Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre in China zog immer wieder auch deutsche Privatanleger an, die an der Wachstumsgeschichte mitverdienen wollten. Dummerweise verloren dabei viele Deutsche eine Menge Geld.

Ich möchte Ihnen  zunächst erklären, wie die Anleger Geld verloren haben, weil Sie an der „China-Story“ mitverdienen wollten und Ihnen im Anschluss daran Möglichkeiten aufzeigen, mit denen Sie in die wachsende Wirtschaft Chinas investieren können, ohne dabei unkalkulierbare Risiken einzugehen.

Die jetzt folgenden Negativbeispiele sollen dabei vor allem dazu dienen, Sie vor derartigen Fehlinvestitionen zu schützen. Denn: Wenn Sie gewisse Gefahren am Kapitalmarkt kennen, sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich selbst eines Tages diesen Gefahren aussetzen und Geld verlieren.

Die Horrorbilanz chinesischer Aktien an deutschen Börsen

Chinesische Aktien an deutschen Börsen entwickeln sich immer mehr zu einem Albtraum für Anleger. Die chinesischen Unternehmen, die zuletzt an deutschen Börsen für Skandale sorgten, sind Youbisheng Green Paper, Ming Le Sports, Kinghero und Fast Casualwear. Die spektakulärsten Fälle möchte ich Ihnen jetzt in Kurzform vorstellen:

1.) Der Fall „Fast Casualwear“

Eigentlich sollte Fast Casualwear am 19. August 2014 seine Hauptversammlung abhalten. Zumindest stand es so im Finanzkalender des Unternehmens. Doch offiziell eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung nicht. Die Suche nach dem genauen Wann und Wo auf der Unternehmens-Internetseite funktionierte nicht, da diese nicht mehr erreichbar war.

Unternehmen, die im Prime Standard – die höchste Kategorie an deutschen Börsen – notiert sind, müssen bis spätestens Ende August ihre Halbjahreszahlen vorlegen. Ende August wurde dann eine kuriose Ad-hoc-Mitteilung verschickt.

Aus der ging hervor, dass sich bei der Aufstellung des Halbjahresabschlusses herausgestellt habe, dass das Ergebnis für 2014 „aufgrund von veränderten Marktbedingungen deutlich niedriger als geplant ausfallen“ werde und „eventuell einen negativen Einfluss auf die Vermögenslage habe“.

Mit anderen Worten: es sieht nicht gut aus für das Unternehmen. Dabei hatte es noch im April geheißen, dass mit einem Umsatzwachstum von 15 bis 20% gerechnet werde. Die operative Gewinnmarge wurde im Bereich von 16 bis 19% erwartet.

Und plötzlich hieß es Ende August – und damit nur wenige Wochen später –, dass der Erlös voraussichtlich um 25 bis 30% einbrechen werde und die Marge nur noch 8 bis 10% betragen soll. Inzwischen liegt der Kurs der Fast-Casualwear-Aktie, der zum Börsengang bei 5 Euro lag, noch bei rund 35 Cent. Anleger, die die Aktie zum Börsenstart für 5 Euro erworben haben, liegen damit zum heutigen Tag mit über 90% im Minus und haben dadurch quasi einen Totalverlust erlitten.

2.) Der Fall „Youbisheng Green Paper“

Der chinesische Papierhersteller Youbisheng Green Paper vermisste im Juli dieses Jahres seinen Chef Haiming Huang und teilte dies per Ad-hoc-Meldung mit: „Seit einigen Wochen besteht eine ungeklärte Abwesenheit des Vorstandsvorsitzenden der Youbisheng Green Paper AG“, so der genaue Wortlaut der Meldung des chinesischen Unternehmens, das seit 2011 an der Frankfurter Börse notiert ist.

Ein weiteres kurioses Detail dieses Skandals ist die Tatsache, dass dem Finanzvorstand David Tsui von den Mitarbeitern des Unternehmens das Betreten des Unternehmensgeländes in China untersagt wurde, damit dieser nicht die Buchhaltung von Youbisheng begutachten kann.

Der Aufsichtsrat und der Finanzvorstand David Tsui hatten wochenlang keine Informationen über den Verbleib des Vorstandsvorsitzenden Haiming Huang. Ebenso wenig lagen Informationen über die Finanz- und Liquiditätslage der chinesischen Tochtergesellschaften vor. Als Reaktion trat der Finanzvorstand im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat zum 25. Juli 2014 von seinem Amt zurück.

Wegen dieser Umstände hat der Aufsichtsrat von Youbisheng Anfang Juli beschlossen, ein neues Vorstandsmitglied zu suchen und zu bestellen, um die Ermittlungen in Bezug auf den Verbleib des Vorstandsvorsitzenden zu intensivieren und um die Einhaltung der operativen Pflichten des Unternehmens zu gewährleisten.

Die im Juli 2011 im Rahmen des Börsengangs zu 6,50 Euro zugeteilte Youbisheng-Aktie brach nach der „Vermisstenanzeige“ um rund 30% auf 1,30 Euro ein. Heute notiert die Youbisheng-Aktie bei rund 49 Cent. Das bedeutet, dass die Aktie ausgehend von der Notierung bei 1,30 Euro bis heute noch einmal 62% an Wert verlor und somit insgesamt rund 92% unter ihrem Wert zum Zeitpunkt des Börsengangs vor gerade einmal gut 3 Jahren notiert.

Abgerundet wurde das Kuriositätenkabinett rund um den Fall Youbisheng dadurch, dass sich der zunächst vermisste Vorstandschef Haiming Huang etwa 3 Wochen nach der Ad-hoc-Meldung zu Wort meldete und angab, dass er lediglich im Urlaub gewesen und ihm sein Handy gestohlen wurde.

3.) Der Fall „Ming Le Sports“

Etwas weniger spektakulär ging es beim chinesischen Sportartikelhersteller Ming Le Sports zu. Dort weigerten sich lediglich die Abschlussprüfer, den Jahresabschluss des Unternehmens zu testieren (unterschreiben). Der Grund: Es gab Ungereimtheiten bei der Erstellung des Jahresabschlusses.

Diese Ungereimtheiten sollen einer Ad-hoc-Mitteilung zufolge vor allem im Bereich der Prüfung der Existenz von wesentlichen Kunden und Lieferanten aufgekommen sein. Konkret bedeutet das, dass 4 der 26 Kunden und 2 der 44 Lieferanten als im Handelsregister gelöscht oder als unterbrochen gekennzeichnet identifiziert wurden.

Fazit: Setzen Sie auf die „richtigen“ China-Investments

Die „China-Story“ begeistert viele Anleger. Doch leider gibt es in diesem Bereich, wie Sie gerade erfahren konnten, zahlreiche schlechte Investments. Deshalb sollten Sie sehr vorsichtig sein, wenn Sie an der Börse auf die Karte China setzen wollen.

Statt auf chinesische Einzelaktien (insbesondere die, die an deutschen Börsen gelistet sind) zu setzen, sollten Sie in einen breit streuenden Aktienfonds investieren, oder aber auf bekannte europäische oder amerikanische Unternehmen setzen, die hohe Umsätze und Gewinne in China erzielen (z. B. VW oder Siemens).

Mit diesen beiden Strategien lassen sich die Risiken erheblich reduzieren. Falls Sie sich für das chinesische Unternehmen Alibaba interessieren, das vor kurzem durch den größten Börsengang in der Geschichte der New Yorker Wall Street für Furore sorgte, habe ich abschließend auch dazu noch einen Tipp für Sie:

Wenn Ihnen eine Investition so kurz nach dem Alibaba-Börsengang „zu heiß“ ist, Sie aber doch an die Investment-Story glauben und davon profitieren wollen, gibt es auch hier Alternativen. Sie können beispielsweise in Yahoo-Aktien investieren und damit indirekt von einem möglichen Erfolg von Alibaba profitieren. Denn Yahoo hält derzeit noch etwa 22,5% der Anteile an Alibaba.

30. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.