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Derivate und ihre Bilanzierung – Nicht nur für Anleger kompliziert

Als Anleger ist man es gewohnt, Unternehmen mit Blick auf die Bilanz zu bewerten. Einnahmen, Ausgaben, Gewinne, Verluste, Eigenkapital oder die Finanzkraft anhand des Cash-Flows – all die Ergebnisse der Geschäftstätigkeit lassen sich in Kennzahlen umsetzen.

Derivate-Bilanzierung: sind Risiken erkennbar?

Doch wie steht es mit Geschäften, die zwar laufen, deren Ergebnis sich aber erst in einigen Jahren zeigt? Gemeint sind Derivate, also Wetten auf die Zukunft. Derivate führen immer wieder zu Lücken in der Bilanzierung. Die Frage, ob und inwieweit Derivate ein Risiko für ein Unternehmen darstellen, ist für Außenstehende kaum zu beantworten.

Dabei sind Derivate als Absicherungsinstrument gerade für große Unternehmen unerlässlich. Die Lufthansa zum Beispiel sichert den Preis für ihren Kerosinbedarf über Jahre im Voraus ab. Und Energieproduzenten sichern sich für die Megawattstunde Strom am Terminmarkt frühzeitig Kohlelieferungen. Dies sind nur markante Beispiele. Auch Banken haben naturgemäß milliardenschwere Derivate in den Büchern.

Derivate-Bilanzierung: Unklare Vorgaben und Interpretationen

Dass Derivate als Luftbuchung zum Problem werden können, hat nicht zuletzt die Finanzkrise gezeigt. Seitdem wurden zwar die Regelungen verschärft. Die zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten in der Rechnungslegung aber machen sie nach wie vor anfällig für Manipulationen.

Hinzu kommt: Derivate und ihre Bilanzierung sind nicht nur für Laien eine Herausforderung. Erstens sind Derivate äußerst vielfältig und komplex. Und zweitens sind die rechtlichen Vorgaben teilweise unklar. So ergibt sich schon bei der Frage, ob eine Bewertungseinheit zwischen dem Grund- und dem Sicherungsgeschäft vorliegt eine ganze Reihe von Methoden und Möglichkeiten in der Bilanzierung.

Handelt es sich etwa um einen Zinsswap, der bis zur endgültigen Realisierung ein sogenanntes schwebendes Geschäft darstellt, so wird er nach den Regeln des HGB nicht bilanziert. Erst nach Ablauf der vereinbarten Frist wird abhängig vom Erfolg entweder ein Zinsertrag oder ein Aufwand verbucht. Derivate gibt es mit positivem und negativen Marktwert.

Das Kernproblem bei Derivaten in der Bilanzierung ist immer, dass eine Bewertung eigentlich erst nach Fristablauf möglich ist. Um sie dennoch darzustellen, werden Derivate nach den Bilanzierungsregeln des IFRS mit dem „Fairen Wert“ verbucht. Gegebenenfalls kann der Wert auch nach dem Discounted-Cashflow-Verfahren durch Abzinsung ermittelt werden.

Anhaltspunkte im Bilanzanhang

Die Ansätze zur Bewertung finden sich in der Konzernbilanz. Zur Bilanzierung von Derivaten allerdings muss ein Anleger nicht in die Bilanz selbst, sondern in den Anhang und die Erläuterungen schauen. Dort gibt es Hinweise, nach welcher Methode und Vorgehensweise bewertet wurde.

Doch Achtung: Nicht alle Derivate sind als solche zu erkennen. Die Deutsche Bank etwa behält sich vor, Derivate mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit zu kündigen und die offene Verpflichtung des Geschäftspartners in eine „nicht-derivative Forderung“ umzuwandeln. Ein legales Vorgehen.

Derivate-Bewertung: Kreativität als Gratwanderung

Die Deutsche Bank zeigte unlängst aber auch, dass die kreative Bewertung von Derivaten zur juristischen Gratwanderung werden kann. Anlass war eine nachträgliche Korrektur in der Bilanzierung von Derivatgeschäften mit der angeschlagenen italienischen Bank Monte dei Paschi die Siena. Die Finanzaufsicht BaFin wirft der Bank vor, unzulänglich informiert und teilweise falsch bilanziert zu haben.

Zwar hat die BaFin in diesem Fall Recht, doch Korrekturen kann es immer geben, wenn Bewertungen auf Schätzungen beruhen. Das zeigt schon die Überlegung, was denn ein Fairer Wert überhaupt ist.

Genau genommen kann er sich täglich ändern. Und nicht immer gibt es einen Markt, an dem er sich messen lässt. Gerade die außerbörslichen Derivate unterliegen ganz eigenen Gesetzen. An den Ungenauigkeiten im Detail ändern auch die seit 2013 einheitlichen IFRS-Vorschriften wenig.

Insgesamt bleiben Derivate in der Bilanzierung mit ihrer Komplexität und Auslegungsfähigkeit ein schwieriges Thema.

2. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.