Die von den europäischen Ländern ausgelöste Schuldenkrise bringt die Weltkapitalmärkte durcheinander.
Dabei hinterlässt sie ihre Spuren auch in der Bilanz so mancher Investmentbank – darunter auch der Aktie der Deutschen Bank.
Gewinne sacken stark ein
Obwohl der Bereich Investmentbanking gerade bei der Deutschen Bank das primäre Geschäfts- und Einnahmefeld darstellt, sackten die Gewinne im dritten Quartal dieses Jahres auf ein Rekordtief ein.
Und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Insgesamt erwirtschaftete das Institut ca. 777 Mio. Euro und damit erkennbar weniger als in den Quartalen davor. Gründe für die Flaute gibt es mehrere, der angeschlagene Kapitalmarkt ist wohl nur der schwerwiegendste.
Flaute beim Investmentbanking
Die Zeiten für Investmentbanken sehen momentan wahrlich nicht rosig aus. Durch die Schuldenkrise sind viele Anleger derart verunsichert, dass sie ihr Geld lieber fest „parken“, um keine Risiken einzugehen.
Egal ob Rohstoffe oder Devisen, Anleihen, Übernahmen oder Fusionen in so ziemlich allen großen Trading-Disziplinen blieben die großen Umsätze aus und damit natürlich auch der Anteil der Banken.
Konsequenz soll laut Geschäftsführer Krause nun die Reduzierung der Stellen sein – immerhin um zehn Prozent bis zum März 2012. Dass selbst ein so großes und stabiles Institut wie die Deutsche Bank zu diesen Verkleinerungs-Maßnahmen greifen muss, wird der Stimmung kaum zuträglich sein.
Imageschaden: der ewige Prozess um Leo Kirch
An ganz anderer Front schwelt schon seit langem ein weiterer potentieller Imageschaden – der Fall Leo Kirch. Bereits seit 2002 beschäftigen sich die Gerichte mit dem Fall, nachdem Kirch die deutsche Bank nach der Insolvenz seines Medienkonzern wegen Mitschuld verklagt hatte.
In dieser ersten Klage urteilte der BGH am 24. Januar 2006, woraufhin Rolf E. Breuer sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Bank niederlegte. Derlei fremdgesteuerte Ereignisse wirken sich wohl ebenfalls kaum positiv auf die Aktie der Deutschen Bank aus.
Hausdurchsuchung bei Ackermann
Die ganze Angelegenheit wurde zudem noch verschärft, als Polizisten Anfang November die Büroräume von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in Frankfurt durchsuchten.
Im Zusammenhang mit dem langjährigen Kirch-Prozess wurde ihm Falschaussage vorgeworfen.
Bei der geplanten Hauptversammlung im Mai 2012 soll Ackermann nun auch seinen Vorstandsvorsitz abgeben. Bester Kandidaten für die Nachfolge sind seine Kollegen Anshu Jain und Jürgen Fitschen.
Liquidität laut Geschäftsbericht nicht gefährdet
Ein akutes Liquiditätsrisiko besteht nach den eigenen Angaben der Deutschen Bank dennoch nicht, das ist aus dem hauseigenen Zwischenbericht zum 3. Quartal zu entnehmen. Dort heißt es:
„Das erhöhte Volumen diskretionärer Wholesalerefinanzierung während der ersten neun Monate des Jahres 2011 wurde genutzt, um unsere Liquiditätsreserven weiter aufzustocken. Regelmäßige Stresstestanalysen stellen sicher, dass wir zu jeder Zeit ausreichende Barreserven und liquide Aktiva zur Verfügung haben, um eine potenzielle Finanzierungslücke schließen zu können, die in einem kombinierten idiosynkratischen und marktbezogenen Stressszenario auftreten kann.“
Allein durch externe Finanzierungsquellen sei die eigene Liquidität zu 100% gesichert.
Stabilität durch Postbank-Übernahme
Besonders durch die Übernahme der Postbank im November letzten Jahres hat die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft deutlich ausgebaut. In diesem Bereich wurden im vergangenen Quartal 27% mehr Gewinn erwirtschaftet, also insgesamt ca. 310 Mio. Euro.
In der Vermögensverwaltung steigerte man das Ergebnis von 91 Mio. vom Vorjahr auf über 180 Mio. Euro.
An diesen Zahlen kann man gut erkennen, dass die Deutsche Bank noch andere – wenn auch kleinere – Standbeine neben dem Investmentmarkt besitzt und die Aktie damit nicht so schnell vom Wanken ins Stürzen geraten sollte.


