Die Slowakei hat gestern in der ersten Abstimmung gegen das Euro-Rettungspaket gestimmt. Die Chancen stehen gut, dass die Abstimmung im zweiten Anlauf doch noch gewonnen wird, aber die Verunsicherung ist wieder im Markt.
Einige EU-Spitzenpolitiker sind aber wahrscheinlich sogar froh, dass die Medien auf den kleinen EU-Staat Slowakei blicken. So kann an anderer Stelle ungestört am großen Rettungsplan gearbeitet werden.
Bereits gestern habe ich hier im Schlussgong darauf hingewiesen, dass die Verstaatlichung der belgisch-französischen Bank Dexia das große Griechenland-Finale einleiten könnte. Wenn die Banken jetzt gezwungen werden, frisches Kapital einzusammeln, ist der Schuldenschnitt in Griechenland nicht mehr weit.
Dexia musste vorher vom „Spielfeld“ genommen werden, da klar ist, dass die Bank eine drastische Abwertung europäischer Staatsanleihen nicht überleben würde.
Banken sollen Kapital beschaffen
Jörg Asmussen, noch Finanzstaatssekretär, aber schon bald Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), hat ungewohnt offen ausgesprochen, was Merkel und Sarkozy anscheinend bereits vereinbart haben: „Die Rekapitalisierung der Banken muss auf verpflichtender Basis für alle systemrelevanten Banken in der gesamten EU erfolgen“.
Wie ich aus Berlin höre, ist nur noch der genaue Ablauf offen. Die deutsche Regierung will durchsetzen, dass die Banken zuerst den freien Kapitalmarkt anzapfen und dabei möglichst große Kapitalerhöhungen durchführen.
Frankreich hat dagegen die Hoffnung schon aufgegeben, dass die Banken Kapital von den Aktionären erhalten. Da auch die Staaten kein Geld haben, soll direkt der neue Euro-Rettungsfonds angezapft werden.
Banken kämpfen gegen Zwang
Die Banken, die noch halbwegs handlungsfähig sind, kämpfen gegen den staatlichen Einfluss und staatliche Gelder. Wenn der Staat einsteigt, wird der Anteil der Altaktionäre verwässert. Daher sprechen einige Investoren schon von Zwangs-Enteignung.
Für die Banken auch sehr unangenehm: Wenn der Staat mitmischt, werden Gehaltsobergrenzen eingeführt, Bonus-Zahlen gestrichen und Dividenden gekürzt. Für die Bank-Manager wäre das ein herber Schlag.
In Deutschland kam die Commerzbank in den Genuss der staatlichen Fürsorge. Die Commerzbank hat 2 große Kapitalerhöhungen durchgeführt, damit der Staat möglichst schnell ausgezahlt werden kann und die Freiheit zurückkehrt.
Die Tatsache, dass die riesigen Kapitalerhöhungen den Aktienkurs nach unten getrieben haben, hat die Banker weniger gestört. Hauptsache der Staatseinfluss verschwindet. Wenn der Staat jetzt wieder bei der Commerzbank mitmischt, wird die Reaktion der Commerzbank-Spitze sehr interessant sein.
Ackermanns Lebenstraum droht zu platzen
Während die Commerzbank diese Sorgen bereits kennt, wäre die Entwicklung für die Deutsche Bank neu. Bisher ist der deutsche Marktführer relativ gut durch die Krise gekommen. Es würde aber zur aktuellen Negativ-Serie passen, wenn jetzt auch noch der Staat eingreift.
Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte die Sache so schön geplant: 2012 wollte er die operative Führung abgeben und sich von der Hauptversammlung direkt in den Aufsichtsrat wählen lassen. Dort könnte er seinen bankinternen Lieblingsfeind Dr. Börsig vertreiben.
Dieser Plan ist zwar nicht ganz sauber, da ein ehemaliges Vorstandsmitglied erst nach mindestens 2 Jahren Pause in den Aufsichtsrat einziehen soll, aber es gibt immer Mittel und Wege, die Regeln neu zu gestalten und zu interpretieren.
Doch dieser berufliche Traum von Josef Ackermann könnte in diesen Herbstmonaten platzen. Es gibt zu viele ungelöste Baustellen.
Alles läuft schief
Wie gesagt: Die Deutsche Bank ist unter Josef Ackermann relativ gut durch die Krise gekommen. Das war innerhalb der Branche eine stark überdurchschnittliche Leistung, die man anerkennen muss.
Aber in diesen Tagen läuft alles schief. So ist Ackermanns Traum geplatzt, sich im Geschäftsjahr 2011 mit einem rekordverdächtigen Vorsteuergewinn von 10 Mrd. Euro verabschieden zu können.
Die Börse hat daran schon lange nicht mehr geglaubt, wie der Absturz der Aktie von 48 auf 27 Euro und der stark geschrumpfte Börsenwert von 25 Mrd. Euro zeigen, aber Ackermann hat bis zuletzt für seinen Traum gekämpft. Erst vor wenigen Tagen wurde das Gewinnziel reduziert. Ohne Notbremsung hätte es bei der Vorstellung der neuesten Quartalszahlen sehr peinlich werden können.
Der Ärger geht für Ackermann aber immer weiter. So hat die Bank angekündigt, 500 Stellen im Investmentbanking zu streichen. Die Schuldigen sind also gefunden worden. Bemerkenswert ist dabei, dass der zukünftige Bank-Chef aktuell noch der Leiter der Investmentbanking-Sparte ist und jetzt wie ein Verlierer aussieht.
Auch der schon lange geplante und angekündigte Verkauf der BHF-Bank klappt nicht so richtig. Selbst diese Erfolgsmeldung bleibt (noch) aus.
Staatseinfluss würde das Machtgefüge verschieben
Der negative Höhepunkt wäre aus Sicht von Ackermann erreicht, wenn der Staat mit Zwang eine Kapitalerhöhung durchsetzt und Miteigentümer der Deutschen Bank wird. Wenn ein solches Szenario eintritt, wäre der Ruf von Ackermann nachhaltig beschädigt. Eine führende Rolle im Aufsichtsrat kommt dann nicht mehr in Frage.
Noch ist es nicht so weit, aber Ackermann muss damit rechnen, dass der Chefposten im Aufsichtsrat kein Selbstläufer wird. Der Staatseinfluss würde das Machtgefüge verschieben.
Aktie noch kein Kauf
Und was bedeutet das alles für die Aktie der Deutschen Bank? Kurse unter 30 Euro sind natürlich optisch mehr als verlockend. Die Aktie notierte 2007 bei über 100 Euro.
Dennoch sollten Interessenten erst abwarten, ob die europäischen Banken zwangsweise Kapitalerhöhungen durchführen müssen. Eine starke Verwässerung kann den Aktienkurs noch weiter nach unten prügeln, wie das Beispiel Commerzbank eindrucksvoll gezeigt hat.



