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Deutsche Bank und Commerzbank: So realistisch ist eine Megafusion

Bei Planspielen zu Unternehmenshochzeiten werden Anleger natürlich hellhörig. Die Aktien mutieren zum Spielball von Spekulation und Fantasie, sobald das Thema Fusion von den Medien aufgegriffen wird.

Jüngstes Beispiel waren Ende August Schlagzeilen nach dem Muster „Deutsche Bank und Commerzbank planen Fusion“. Die Folgen zeigten sich sofort am Kurs. Beide Aktien zogen spürbar an, besonders die der Commerzbank.

Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank: Folgen wären unabsehbar

Dass der Kursauftrieb beim schwächeren Partner stärker ist, gehört zum Ritual. Wer als gewiefter Trader den richtigen Zeitpunkt erwischt, kann Gewinne einstreichen. Die aber sind meist kurzfristig, weil die Fantasie schnell verpufft. So auch beim mutmaßlichen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank. Ob eine Fusion samt Folgen realistisch und sinnvoll wäre, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Interessant ist nämlich eine langjährige Beobachtung renommierter Forschungsinstitute: Die meisten Unternehmenszusammenschlüsse scheitern. Auch bei kompletten oder teilweisen Übernahmen ist die Gefahr groß, dass die Reibungsverluste größer sind als die erhofften Synergieeffekte. Die waren vor über 10 Jahren das ganz große Thema, Stichwort Mergers & Acquisitions.


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Überlegungen zu Fusion sind schon früher im Sand verlaufen

Bereits 2001 gab es ernsthafte Überlegungen, die angeschlagene Commerzbank in der Deutschen Bank aufgehen zu lassen, wo die Synergiepotenziale größer waren als bei der ebenfalls interessierten Unicredit. Die schnappte sich später lieber die Hypovereinsbank, und auch die damals starke Deutsche Bank verzichtete auf den Deal.

Der spekulationsgetriebene Kursanstieg des Commerzbank-Papiers wiederum trieb die Übernahmegelüste der umstrittenen Aktionärsgruppe Cobra, die sich jedoch bald auflösen musste. Heute gibt es keine Cobra aber auch keine kraftstrotzende Deutsche Bank mehr.

Die schlägt sich mit Rekordstrafzahlungen in den USA und einem im Sommer vermeldeten Gewinneinbruch von 98% herum. Das alles vor dem Hintergrund andauernder Niedrigzinsen. Die Branche verdient kaum noch und muss sich dringend neu erfinden. Neben einer kostspieligen Umstellung auf digitale Bankgeschäfte liegt wieder der Gedanke nahe, mit Fusionen den Preisdruck zu verringern. „Wir haben schlicht zu viele Banken“, meint Deutsche Bank-Chef John Cryan.

Kein Championplatz in Sicht

Sollte er damit den Wunsch nach mehr Größe verbinden, so hätte eine Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank zur Folge, dass sich der Börsenwert auf 30 Mrd. € erhöhe. Damit würde die Fusionsbank im europäischen Ranking gerade mal drei Stufen auf Platz 12 vorrücken – Spitzenreiter ist die HSBC mit über 17 Mrd. €.

Aus der Sicht deutscher Kunden wäre ein ganz anderer Effekt interessant. Bei einer Ausrichtung zur breit aufgestellten Geschäftsbank mit starkem Privatkundenteil wäre die Postbank ein umso wichtigeres Bindeglied mit ihren 14 Mio. Kunden. Ein Verkauf wäre kein Thema mehr. Mit den Geschäftskunden der Commerzbank zusammen würde sich insgesamt der Kontakt vor Ort verankern. Der ist auch künftig wichtig und bislang eher eine Domäne der Sparkassen.

Für alle Anleger schließlich würde eine Fusion wohl im Aktientausch enden. Man könnte sich aber auch gegen das Tauschangebot entscheiden und die gestiegenen Papiere des schwächeren Partners verkaufen. Hat sich der Kurs nach der Fusion wieder eingependelt, kann man wieder zusteigen.

Zu arm zum Heiraten

Aber: Realistischer ist, dass es vorerst keine Fusion gibt. Beide Partner haben intern zu viele Baustellen, als dass sie für ein derartiges Großvorhaben gewappnet wären. Dass die eigentlich fällige Fusionswelle in Europa bisher ausgeblieben ist, erklärt sich unter anderem damit, dass die Banken generell dafür zu schwach und zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.

Hinzu kommen Vorbehalte der Aufsichtsbehörden. Die Finanzmarktexpertin und Mitglied im Sachverständigenrat für Wirtschaft Isabell Schnabel formulierte es kürzlich so: „Der Nutzen einer solchen Fusion ist äußerst ungewiss, die volkswirtschaftlichen Kosten aber können erheblich sein.“

Die Deutsche Bank jedenfalls dürfte zunächst im Alleingang versuchen, ihre Position zu stärken, notfalls mit einer Kapitalerhöhung. Staatliche Hilfen kommen offensichtlich nicht infrage.

8. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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