von David Gerginov

Deutsche Börse: EU blockiert Fusion mit NYSE

Die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext scheitert am EU-Widerstand

Die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext scheitert am EU-Widerstand

Die Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange (NYSE) Euronext ist gescheitert.

Ausschlaggebend waren am Ende die Bedenken europäischer Wettbewerbshüter.

Absehbare Ablehnung

Zuvor hatte es bereits kritische Stimmen in den USA gegeben. Und auch die EU-Kommission hat schon vor Wochen durchblicken lassen, dass sie einen solchen Zusammenschluss mit großer Mehrheit ablehne.

Als zu groß und zu mächtig beurteilten die EU-Kommissare demnach das Monopol, das durch die Fusion entstanden wäre, vor allem im Bereich des Derivatehandels. Hier kämen beide Börsen zusammen auf mehr als 90 Prozent.

Anleger enttäuscht

Das Aus kommt demnach wenig überraschend. Dennoch wurden die Aktien beider Börsen am Mittwoch verhältnismäßig abgestraft: Die Deutsche Börse gewann – gemessen am sonstigen Dax-Schnitt – magere 1,1 Prozent, die NYSE Euronext rutschte gar ins Minus.

Es war nicht der erste Versuch der Deutschen Börse, sich mit ausländischen Börsen zusammenzutun. Gerade in den letzten Jahren scheiterten derlei Bemühungen immer wieder. Zum Beispiel 2005, als man versuchte, sich die London Stock Exchange einzuverleiben.

Neuer Vorstoß, neue Niederlage

Auch eine angestrebte Fusion mit der Vierländer-Börse Euronext endete für die Deutsche Börse wenig erfreulich. In dem Fall kam ihr die New York Stock Exchange zuvor und entschied die Fusion zu ihren Gunsten.

Unternehmenschef Reto Francioni war damals bereits involviert. Vor allem für ihn dürfte die neuerliche Niederlage schmerzlich sein.

Er hatte die jüngsten Fusionspläne aktiv angestoßen und vorangetrieben, wollte die größte Börse der Welt schaffen. Eine westliche Machtdemonstration gegenüber den aufstrebenden Märkten in Asien und Lateinamerika – mit Sitz in Europa.

Doch diese Vision gehört nun der Vergangenheit an.

Stattdessen wird sich die Deutsche Börse weiterhin allein behaupten müssen. Was sie bis auf weiteres wohl auch ganz gut schaffen wird, wie nicht nur Kritiker der Fusion betonen.

Um aber die nun heraufbeschworene Kontinuität zu wahren, muss erst einmal wieder Ruhe einkehren nach dem Fusionstrubel, für den Werbetrommeln gerührt und etliche Millionen bereits investiert worden waren.

Eine Weile wird man sich wohl noch die Wunden lecken in den Chefetagen der Deutschen Börse angesichts des Kratzers im Lack, den dieses Scheitern mit sich bringt.

Allzu öffentlichkeitswirksam war über Monate das Fusionsvorhaben begleitet worden.

Stellenabbau damit vom Tisch

Freuen kann sich derweil der Betriebsrat. Die Arbeitnehmervertretung gehörte früh zu den Kritikern der Fusionspläne.

Man machte sich Sorgen um die Zusammenlegung von Arbeitsplätzen und gar eine Übermacht der Verwaltung in den USA zu Lasten der Deutschen.

Zugegeben: Das kann nur ein schwacher Trost für den Betriebsrat sein, wenn man schwarz malen will, ließe sich auch sagen:

Wenn nun eine historische Chance vertan wurde und die Deutsche Börse am Ende ins Hintertreffen gerät sind die Plätze in 10-15 Jahren auch weg.

Gefahr für die beiden Standorte besteht nicht

Aber so schlecht bestellt ist es weder um den Standort Frankfurt noch um den in New York. Auch wenn New York immer weniger Neu-Emissionen zu verzeichnen hatte in den letzten Jahren.

Bleibt am Ende nur die Erkenntnis: Für die Führungsetage der Deutschen Börse wird es eng. Schon die dritte geplatzte Fusion in nur wenigen Jahren.

Da muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man mit dem Personal so weiter machen kann.

Wahr ist natürlich, dass letztlich Schuld an der Misere die Politik in Form der Wettbewerbshüter ist. Doch für die Werbung, das Image und die schlechte Lobby-Arbeit zeichnet sich alleine die Führungsetage verantwortlich.

Man darf der Deutschen Börse nur wünschen, dass sie aus dem Fiasko nun endgültig lernt.

 
 
Tags: Deutsche Börse  
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Autor:

David Gerginov

Seit seiner Jugend beschäftigt sich David Gerginov mit dem Kapitalmarkt und den Zusammenhängen von Politik und Wirtschaft. David Gerginov nennt die Trends hinter den Trends im kostenlosen Newsletter Kapitalmarkt Trends.