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Deutsche Chemie-Giganten: Spezialisten und Revierkämpfe

Dass Deutschland das Chemielabor der Welt war, ist schon lange her. Der große Bruch kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Das einst größte Werk I.G. Farben wurde zerschlagen und in elf Unternehmen aufgeteilt, darunter BASF, Bayer oder Hoechst.

Als die Hoechst AG 1999 in Aventis aufging, die Chemiesparte dicht machte und den Pharmahersteller Sanofi übrig ließ, verlor Deutschland einen wichtigen Chemiekonzern.

Chemie Aktien Deutschland: Riesen und Spezialisten

Allen Befürchtungen zum Trotz konnte die chemische Industrie ihren Stellenwert halten und sogar ausbauen. Chemie-Aktien aus Deutschland sind gefragt. Die rund 9,6 Mrd. € Investitionen in Forschung und Entwicklung sorgen für Innovationen und machen die Branche zur Nummer eins in Europa. Weltweit liegen die USA, Japan und mittlerweile China vorne.

Gerade die chinesische Chemieindustrie aber bereitet den heimischen Unternehmen Sorgen. Sie wächst beständig und eroberte in den letzten zehn Jahren immer mehr Marktanteile. Deutschlands Anteil schrumpfte derweil von 9% auf 6%. Auch vom Bedarf der Schwellenländer fällt weniger ab als erwartet. Entsprechend stagniert der Gesamtumsatz seit einigen Jahren bei ca. 136 Mrd. €.


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In der Folge verlagern die deutschen Chemiehersteller ihren Schwerpunkt zunehmend weg von der Basischemie hin zur Spezialisierung innerhalb der Wertschöpfungskette. Das erklärt auch, warum die Chemie selbst ihr bester Kunde geworden ist. Auch das verarbeitende Gewerbe wird wichtiger. Der Leichtbau bei Automobilen etwa oder der Trend zu mehr Effizienz mit neuen Werkstoffen beleben die Nachfrage und werden zum Innovationstreiber.

Diese Veränderung prägt die meisten der rund 2.000 Unternehmen der Branche. Wer Chemie-Aktien in Deutschland sucht, wird im DAX mit BASF, Bayer oder Linde fündig. Im MDax sind es Evonik, Lanxess oder Wacker Chemie.

Bei Wacker stimmt die Chemie

Innovationsfreudig, wendig und international aufgestellt präsentiert sich Wacker Chemie. Das Unternehmen mit Sitz in München wurde 1914 gegründet und ist heute mit 25 Produktionsstätten in Europa, den USA und Asien vertreten. Vor allem von China aus wird beispielsweise die starke Nachfrage nach Silikonen bedient. Silicium gehört mit Ethen zu den Hauptrohstoffen, die verarbeitet werden.

Beliefert wird etwa der Halbleitermarkt mit Wafern für Speicherchips, die im Zuge der aktuellen Digitalisierung der gesamten Industrie unverzichtbar werden. Hinzu kommen der Solarmarkt, die Bauindustrie, Automobile, Farben oder Textilien. Mit Ethen wird vor allem die Bauindustrie beliefert. Insgesamt reicht die Produktpalette von Ölen und Dichtstoffen bis hin zu Pharmaproteinen für die Biochemie.

Wacker ist einer der wichtigsten Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Entsprechend entfallen 80% der Umsätze auf den Siliciumbereich. Ca. 86% der Gesamtumsätze in Höhe von über 5 Mrd. € stammen aus dem Ausland. Die jährliche Steigerungsrate liegt bei durchschnittlich 6%. 2015 konnte der Gewinn um 23,7% auf 241 Mio. € gesteigert werden. Erfreulich für Aktionäre: Die Dividende stieg auf 2 €.

Im Geschäftsbericht sind die Ausgaben für ein neues Werk in den USA berücksichtigt. Wacker expandiert auch im zweitgrößten Chemiemarkt der Welt. Was für die Aktie spricht: Das Unternehmen ist mehrheitlich in Familienbesitz und weniger an Shareholder-Prinzipien orientiert.

Gleichzeitig entwickelten sich die Umsätze in den letzten Jahren wesentlich besser als etwa die des Chemieriesen BASF. Nebenbei scheinen die Mitarbeiter zufriedener und motiviert, was zumindest aus dem Bewertungsportal glassdoor.de hevorgeht.

Bayer, BASF, Monsanto – Kampf der Giganten

Dafür kann sich ein nach Umsatz fast zehn Mal so großer Konzern wie Bayer eine Übernahmeofferte von Monsanto erlauben und mehrfach nachlegen. Scheitert ein derartiges Angebot, bietet sich den Anlegern Gelegenheit, bei der Aktie zuzugreifen. Bis zur Entscheidung ist sie Spielball widersprüchlicher Erwartungen.

Der größte Chemiekonzern der Welt ist BASF. Dessen Umsatz gab aber zuletzt deutlich auf 70,45 Mrd. € nach – ebenso der Überschuss, der mit 4,30 Mrd. € mehr als eine Milliarde unter dem Vorjahreswert liegt. Interessanterweise will nun ausgerechnet Monsanto die Agrarsparte von BASF kaufen. Nicht auszuschließen, dass dies ein Ränkespiel des Übernahmekandidaten ist, um das Angebot von Bayer in die Höhe zu treiben.

Insgesamt teilen sich also die Chemie-Aktien Deutschlands in Papiere globaler Großkonzerne und Spezialisten auf. Zu denen gehört übrigens auch Lanxess, eine ehemalige Abspaltung von Bayer, die erfolgreicher wurde als anfangs erwartet.

9. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.