Die Verlustserie an den internationalen Börsen setzt sich fort.
Da gestern die US-Notenbank FED neue Liquiditätsspritzen nur angekündigt hat, aber noch keinen genauen Starttermin für den Eingriff nennen wollte, setzte wieder Verkaufspanik ein.
Der deutsche Aktienindex DAX verlor 1,7%, Gold 3%, Silber 5% und Öl 4%.
Solange die internationalen Notenbanken den Markt nicht mit Geld fluten, verkaufen die Kurzfrist-Anleger alles, was sich versilbern lässt.
An sich hatte ich damit gerechnet, dass die Notenbanken erst Anfang 2012 eingreifen, aber noch 2 oder 3 Börsentage wie heute, dann dürften die Notenbanker weichgekocht sein und noch vor Weihnachten in den Markt eingreifen.
Solon Aktie: Fast 50% Tagesverlust
Die Kursverluste waren heute hoch, doch ein Minuswert ist besonders auffällig: Der Aktienkurs des Solarmodulherstellers Solon bricht um fast 50% ein. In der Spitze lag das Minus sogar bei deutlich über 60%.
Der Kurssturz ist verständlich, da Solon gestern abend den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Solon ist als erster großer deutscher Solarwert pleite. Die Marktbereinigung beginnt.
9-Monats-Zahlen als letzter Warnschuss
Die im November präsentierten 9-Monats-Zahlen waren der letzte Warnschuss: Solon brauchte dringend frisches Kapital. Die Zahlen waren ein Desaster.
Der Umsatzrückgang auf 358 Mio. Euro sah optisch noch halbwegs verkraftbar aus, doch die Negativ-Wirkung auf das Ergebnis war gewaltig.
Der Verlust überschritt die 200-Mio.-Euro-Marke (208 Mio. Euro).
In der Bilanz gab es keinen Puffer mehr, um diesen Verlust auszugleichen. Die Nettoverschuldung lag Ende des dritten Quartals bei fast 400 Mio. Euro.
Einziger Hoffnungsschimmer: Der Vorstand hätte die Geldgeber überzeugen müssen, Kredite in Höhe von 275 Mio. Euro zu verlängern, damit Solon kurzfristig Luft zum Atmen bekommt. Diese Gespräche sind in dieser Woche gescheitert. Der Insolvenzantrag war die zwingende Konsequenz.
Branchenkonsolidierung mit Ansage
Die Frage war schon lange nicht mehr, ob es eine große Pleite in der deutschen Solarbranche geben würde, sondern nur noch, wann es passiert und wen es zuerst erwischt. Prominente Namen wie Q-Cells, Conergy und auch Solon waren die Top-Kandidaten für den Startschuss der Pleitewelle.
In anderen Ländern hat die Marktbereinigung schon früher begonnen. In den USA gab es bereits eine große Pleite und in China wurden mehrere kleine Fabriken geschlossen. Die deutschen Unternehmen haben überraschend lange gekämpft.
Seit der Gründung vor 15 Jahren hat Solon eine Achterbahnfahrt erlebt. Zunächst ging es steil nach oben. Krönung war der Aufstieg in den TecDax. Damit gehörte Solon zu den Top-Solarwerten in Deutschland.
Die relativ starke Fremdfinanzierung brachte im Boom viel Wachstum, war im Abschwung aber der große Schwachpunkt. Solon hofft jetzt, in der Insolvenz die Schulden ablegen zu können, damit ohne Rucksack ein Neustart gelingen kann. Da eine kleine Resthoffnung besteht, ist der Aktienkurs noch nicht ganz auf 0 Euro gefallen.
Pleitewelle als Basis für den nächsten Aufschwung
Die Bewertung der Solon-Insolvenz ist schwierig. Auf der einen Seite ist es bitter, dass über 800 Mitarbeiter kurz vor Weihnachten um ihre Jobs bangen müssen. Auch die Steuerzahler werden bluten, da Bürgschaften greifen.
Auf der anderen Seite gibt es gewaltige Überkapazitäten am Markt. Ohne eine Marktbereinigung leiden alle Solarunternehmen und gehen langsam dem Ende entgegen. Wenn dagegen Solarunternehmen die Produktion einstellen und Angebot und Nachfrage wieder im Gleichklang sind, ist das die Basis für den nächsten Aufschwung in der Solarbranche.
Und der nächste Aufschwung wird kommen. Der gnadenlose Preiskampf hat dazu geführt, dass die Solartechnologie viel früher als gedacht einen echten Mehrwert bringt (auch ohne staatliche Subventionen).
Einen kleinen Vorgeschmack auf das Comeback der Solarwerte gibt es heute an der Börse: Während die Solon-Aktie 50% verliert, legt die Aktie des Marktführers Solarworld in einem sehr schwachen Gesamtmarkt um fast 6% zu.
Wer das Restrisiko weiter reduzieren will, wartet mit einem Kauf von Solar-Aktien noch, bis weitere Unternehmen vom Markt verschwunden sind. Das wird 2012 passieren. Danach bietet die Branche attraktive Investitions-Chancen.



