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Deutschland: Schlusslicht in der Elektromobilität

Bis 2020 will die deutsche Bundesregierung erreichen, dass 1 Mio. Elektroautos auf den deutschen Straßen unterwegs sind. Dieses Ziel ist nach Expertenmeinung schon heute eher Wunschdenken, auch wenn Deutschlands führende Autobauer nach wie vor für das E-Auto trommeln.

Tatsächlich ist Deutschland eher Schlusslicht in der Elektromobilität statt Vorreiter, denn die Zulassungszahlen sprechen eine ganz andere Sprache. Noch immer liegt der Marktanteil der reinen Elektroautos bei den Neuzulassungszahlen bei unter 1% im Monat.

Insgesamt waren bis Mitte 2015 rund 32.000 Elektroautos auf den deutschen Straßen unterwegs – ein Tropfen auf den heißen Stein, bei einem Fahrzeugbestand von mehr als 62 Mio. Fahrzeuge in der gesamten Bundesrepublik. Keine Frage, Deutschland fährt beim Elektroauto hinterher.

Warum ist Deutschland weiterhin Schlusslicht in der Elektromobilität?

Doch woran liegt die Misere, die nicht nur Autofahrer, Autobauer, sondern auch Anleger betrifft, die in der Automobilbranche investiert sind? Autoexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer sieht gleich mehrere Gründe, warum Deutschland Schlusslicht in der Elektromobilität ist.

Ein Grund für die maue Nachfrage nach E-Autos in Deutschland sind fehlende Subventionen. Während in Frankreich, Norwegen, China oder den USA Elektroautos vom Staat gefördert werden, warten deutsche Autokunden und Hersteller vergeblich auf ein Signal aus der Politik.

Zwar sind deutsche Autohersteller wie Daimler, VW und BMW mit insgesamt 20 verschiedenen Modellen am Markt (Hybride und Elektroautos), doch eine flächendeckende Ladeinfrastruktur von Seiten deutscher Hersteller sucht man hierzu Lande vergeblich. Lediglich der amerikanische Autobauer Tesla Motors bemüht sich, um in Eigenregie eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in Deutschland aufzubauen.

Deutschland technologisch nur Mittelmaß

Viele Autokäufer schreckt neben dem vergleichsweise hohen Preis der E-Autos auch die nach wie vor dürftige Reichweite mancher elektrisch betriebenen Fahrzeuge.

Der bayerische Autobauer BMW nennt beim BMW i3 eine Reichweite von maximal 190 Kilometern, die gleiche Kilometerzahl gibt auch VW bei seinem VW E-Golf an. Auch bei der elektrischen B-Klasse von Mercedes sind es knapp 200 Kilometer. Zum Vergleich: Tesla Motors schafft mit einem Model S eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

Experten sehen für die großen Unterschiede in der Reichweite vor allem den technischen Rückstand bei der Akku-Technik verantwortlich. Während BMW mit Samsung SDI zusammenarbeitet, setzt VW auf eine Zusammenarbeit mit Panasonic, was die Akku-Technik angeht. Daimler lässt nicht nur die Akkus, sondern auch den kompletten Antriebsstrang von Tesla für seine B-Klasse Electric Drive liefern.

Das Forschungsinstitut Fraunhofer ISI sieht Deutschland bei der Batterieproduktion inzwischen weit abgeschlagen hinter den USA und Japan. Der Zug dürfte für die deutschen Hersteller hier längst abgefahren sein, zumal Daimler seine einzige Batteriezell-Fertigung in Deutschland zum Jahresende schließen will.

Fazit: Deutschland fährt bei der Elektromobilität weiter hinterher

Deutsche Autobauer fahren nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit hinterher, was die Batterie-Technik als auch die Marktanteile im E-Auto-Markt angeht. Im wichtigen US-Markt für Elektroautos spielen deutsche Hersteller mit 9% Marktanteil (Stand: 2014) noch keine große Rolle.

In Europa sieht es zwar etwas besser aus für die deutschen Hersteller, doch auch hier dominieren japanische Automarken mit einem Marktanteil von 39%, erst danach folgen deutsche Hersteller mit einem Marktanteil von 24%.

Die eigentliche Gefahr für deutsche Autobauer und Anleger ist der Umstand, dass die deutschen Hersteller den technologischen Wandel verschlafen und sich zudem in eine gewisse Abhängigkeit von asiatischen Batterie-Herstellern begeben. Akkus sind nicht nur das Herzstück eines Elektroautos, die Batteriezellen machen gleichzeitig auch ein Viertel der gesamten Wertschöpfung bei einem Elektroauto aus.

Für Anleger, die in große deutsche Automobil-Aktien investiert sind, bedeutet dies unsichere Zeiten. Noch läuft zwar das Geschäft mit höherpreisigen SUVs und anderen Oberklasse-Fahrzeugen, doch ob die deutschen Hersteller den Rückstand in der Elektromobilität zu japanischen und amerikanischen Herstellern aufholen können, bleibt abzuwarten.

1. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands