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Deutschlands Biotech-Schmiede will auf die Überholspur

Biotechwerte gehören für viele in ein Langfrist-Depot. Gesundheit ist ein Zukunftsmarkt. Aus deutscher Sicht ist da die Morphosys-Aktie von Interesse.

Das im Tec-Dax gelistete Unternehmen aus Martinsried bei München ist nach eigenen Angaben Europas größter Anbieter von Antikörpern für Forschung und Pharmaindustrie. Auf deren Basis lassen sich Medikamente herstellen.

Morphosys-Aktie – Höhenflug und Rückschläge

Tatsächlich blickt Morphosys mit seinem Geschäftsmodell seit den Anfängen 1992 bisher auf eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte zurück. Die gründet auf Partnerschaften mit namhaften Pharmaherstellern. In jüngster Zeit kam es zu Rückschlagen, doch das Unternehmen ist im Umbruch und zuversichtlich.

Diesen Weg zeichnet auch die Morphosy-Aktie nach. Das Papier startete nach einer Kooperation mit GlaxoSmithKline und Celgene Ende 2012 durch: vom langjährigen Kurs unter 20 € auf über 88,50 € Ende 2014. Zu der Zeit gab es weitere Erfolgsmeldungen.

Dann aber wurde die gemeinsame Entwicklung eines Alzheimer-Wirkstoffs mit Roche gestoppt – die Morhosys-Aktie rutschte im Januar 2015 unter 60 €. Nach rascher Erholung ging bald die Partnerschaft mit Celgene zu Ende, das aus einem Knochenmarkkrebs-Projekt ausstieg. Die Aktie gab abermals nach.


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Solche Meldungen verschrecken natürlich Investoren. Doch Morphosys lebt von vielen Projekten. Außerdem sind Rückschläge typisch in der Pharmaentwicklung.

Antikörper-Bibliothek und Partnerschaften

Von den ersten Tests bis zur Marktzulassung über mehrere Studien vergehen Jahre bis neue Wirkstoffe in Form von Medikamenten Geld bringen und die enormen Vorlaufkosten einspielen. Oft genug wird die Entwicklung wegen schlechter Zwischenstudien eingestellt oder die Zulassung versagt. Sind mehrere Projekte in der Pipeline, ist das Risiko begrenzt.

Morphosys ging hier von Anfang an einen eigenen Weg. Im Gentechniklabor werden massenweise synthetisch menschliche Antikörper produziert, die dann Pharmahersteller für bestimmte Präparate weiterentwickeln. Morphosys bringt neue Substanzen in die Entwicklungs-Pipeline, der Hersteller übernimmt in Kooperation den Rest, vor allem Markteinführung und Vertrieb. Als Serviceunternehmen für die Basis trägt Morphosys damit nur einen Teil der gesamten Investitionen.

Mit 11 der 20 größten Pharmaproduzenten weltweit laufen derartige Partnerschaften, mehr als 20 Programme sind in der Entwicklung. Geld erhält Morphosys zunächst aus Lizenzen für die Antikörper. Dann gibt es Meilensteinzahlungen, wenn bestimmte Entwicklungsziele erreicht werden. Die steigern sich bis zur Zulassung und bringen pro Wirkstoffprojekt gut 10 Mio. US-$ ein. Hinzu kommen Umsatzbeteilungen, wenn die Präparate verkauft werden.

Die Hersteller nutzen die Innovationskraft der mit 290 Mitarbeitern relativ kleinen und flexiblen Biotechschmiede. In deren Antikörper-Bibliothek finden sie über 10 Mrd. verschiedene humane Antikörper. Diese HuCAL-Bibliothek (Human Combinatorial Antibody Library) ist die Basis, mit der Morphosys groß wurde.

Lange Vorlaufzeiten, langer Atem

Trotz dieser einträglichen Plattform fuhr das Unternehmen immer wieder Verluste ein. Zwar arbeitet es seit 2005 profitabel, was in der Branche nicht selbstverständlich ist. Doch die Projektvorlaufzeiten sind lang, auch bei partnerschaftlicher Entwicklung. Und von den vielen Pogrammen sind nur wenige in der letzten Studienphase III, aber noch nicht marktreif. Insofern machen sich eingestellte Projekte durchaus bemerkbar. Bei Celgene etwa fielen geplante 628 Mio. € aus.

Zum Ausgleich gab es immerhin einen Einmalbetrag in zweistelliger Millionenhöhe. Bilanztechnisch verbesserte der Ausstieg sogar die Umsatzprognose für 2015 von 63 Mio. € auf über 100 Mio. €. Und aus einem Verlust von fast 30 Mio. € wurde ein Gewinn (EBIT) von bis zu 16 Mio. €. Doch dies ist nur ein Sondereffekt. Zudem werden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erheblich aufgestockt.

Neuausrichtung auf zwei Spuren

Der Grund: Morphosys setzt seinen Umbau hin zum vollwertigen Biopharma-Unternehmen fort. Bereits 2013 hatte es sich mit einer Kapitalerhöhung Geld besorgt, um verstärkt selbst Wirkstoffe zu entwickeln und dann zu vermarkten. Das dürfte um 2020 soweit sein.

In der eigenen Pipeline sind 5 Wirkstoffe gegen entzündliche Erkrankungen sowie Knochen- oder Lymphdrüsenkrebs. Dazu gehört auch das zuvor mit Celgene vorangetriebene Projekt.

Damit tritt Morphosys zunehmend als Konkurrent auf. Partnerschaften sollen aber weiterhin ausgebaut werden. Schon steht die neue Antikörper-Bibliothek der neuen Generation bereit, Hylanthia, die angeblich größte ihrer Art – 10 mal größer als HuCAL. Ein neues Herstellungsverfahren soll die Ausfallquote in der späteren Entwicklung reduzieren. Auch sind weitere Zukäufe geplant.

Gelingt die Doppelstrategie aus Antikörperanbieter und Eigenentwickler, wird auch die Morphosys-Aktie profitieren. Der weltweite Biotech-Markt wächst jährlich um über 10%. Das Papier ist eine Langfristanlage. Und dass Firmengründer Malcolm Marony nach wie vor das Unternehmen führt, ist ein Zeichen für Kontinuität und Solidität – es sei denn, Morphosys würde aufgekauft.

22. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.