Sie kennen natürlich die Geschichte vom Kaiser und seinen neuen Kleidern:
Alle Hofschranzen machten das üble Spiel mit, bis ein Kind rief, dass der Kaiser ja nackt sei. Genauso geht es zurzeit in Euroland. Nur kam diesmal die Wahrheit von einem gestandenen Manager.
Das Undenkbare wird möglich
Nun ist es soweit, der Damm ist gebrochen: Als erster Chef eines DAX-Konzerns hat Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle einen Euro-Austritt Deutschlands ins Gespräch gebracht. Zwar könne die Rettung des Euro gelingen.
Doch klang der Manager alles andere als optimistisch. Und weiter: Er sei "nicht der Meinung, dass der Euro um jeden Preis gerettet werden muss", sagt Reitzle dem "Spiegel". "Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten."
Ganz recht so. Wer meinen Newsletter verfolgt, der kennt meine kritische Meinung zu diesem Club: Wenn sich einige nicht an die Regeln halten wollen und prassen, dann müssen die Nettozahler überlegen, ob sie das Theater noch mitmachen wollen.
Die Politiker in Rom, Athen und Madrid werden NIEMALS riskieren, durch einen harten Sparkurs die Masse gegen sich aufzubringen. Sie haben Angst, gelyncht zu werden. Also werden sie weiter zu den braven Nordstaaten laufen, die zahlen werden.
Kurzer Schock für die deutsche Wirtschaft
Auch Reitzle vermutet zwar, dass Deutschlands Wirtschaft im Falle eines Ende des Euros massiv an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen würde. Dieser würde zu einer Aufwertung "der D-Mark, des Euro-Nord, oder welche Währung wir dann auch hätten, führen".
Zwar würde in den ersten Jahren durch einen einbrechenden Export die Arbeitslosigkeit steigen, aber dann würde der Druck zunehmen, noch wettbewerbsfähiger zu werden.
"Schon fünf Jahre später könnte Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Wettbewerbern noch stärker dastehen", meinte der Chef des Anlagenbauers. Dieses Szenario sei für ihn nicht wünschenswert, "aber es darf auch nicht zum Tabu erklärt werden"
Chancen für uns
Das ganze Szenario wird nun immer interessanter. Noch nie ist eine Währungsunion dieser Größe auseinander gebrochen. Die Frage ist, ob sich bei einem tatsächlichen Abschied der starken Nordländer die Südstaaten erholen, oder nicht.
Werden spanische oder italienische Banken zusammenbrechen? Wahrscheinlich nicht, weil Rom und Madrid angesichts der Euro-Schulden einfach einen Default erklären – und ihre Staatsanleihen nicht zurückzahlen.
Werden Fiat und Endesa von einem solchen Schritt profitieren? Ganz sicher, weil die Kosten in der Heimat niedrig sind und die Gewinne in harten Nord-Euro erzielt werden.
Spanische Aktien mit Potenzial
Insofern wäre ein Ende der bisherigen Eurozone auch eine Chance an der Börse. Wenn ich mir den Sub-Index von Dow Jones für die 30 größten italienischen und spanischen Firmen so anschaue, dann scheint es mir, als liegen sie am Boden auf der Lauer.
Luft bis zur roten 200-Tage-Linie besteht allemal. Ein Engagement könnte interessant werden.
Italiens Aktien auf der Lauer
Die Eurokrise bleibt spannend, ich halte Sie auf dem Laufenden.





