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Die Anlage UR in der Umsatzsteuererklärung

Die Anlage UR ist von jedem Unternehmer zusammen mit dem Hauptvordruck zur Umsatzsteuererklärung einzureichen. Bei der Anlage geht es um Umsätze, die nicht alltäglich sind.

Dies können zum Beispiel innergemeinschaftliche Erwerbe oder steuerfreie Umsätze sein. Im Regelfall ist nicht jeder Unternehmer von solchen „sonderlichen“ Umsätzen betroffen, besonders Kleinunternehmer können sich auf eine vereinfachte Steuererklärung freuen.

Die Anlage UR kann man sich mit der Eselsbrücke Umsatzsteuerlicher Rest herleiten. Hier werden alle Umsätze aufgeführt, die nicht in dem Hauptteil der Umsatzsteuererklärung aufgeführt werden können. Als weitere Anlage existiert noch die Anlage UN, diese gilt jedoch nur für diejenigen Unternehmer, die im Ausland ansässig sind.

Umsatzsteuererklärung: Anlage UR ausfüllen

In der Anlage UR für die Umsatzsteuererklärung werden in den Zeilen 6 bis 13 die innergemeinschaftlichen Erwerbe behandelt. Die innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfte folgen in den Zeilen 14 bis 20. Ab Zeile 21 geht es um den Leistungsempfänger als Steuerschuldner. Hier werden die Umsätze eingetragen, für die ein Unternehmer oder eine juristische Person die Steuer schuldet.

In Zeile 29 werden die Umsätze des „Auslagerers“ aus einem Umsatzsteuerlager eingetragen. Dort müssen Lieferungen aufgeführt werden, bei denen Gegenstände ausgelagert werden. Der Unternehmer schuldet in diesem Fall die Umsatzsteuer für diese Auslagerungen. Steuerfreie Leistungen und unentgeltliche Wertabgaben folgen in den Zeilen 33 bis 35.

In der Zeile 51 können ergänzende Angaben zu den Umsätzen gemacht werden. In Zeile 58 geht es um Lieferungen und Leistungen, die als nicht steuerbar gelten (zum Beispiel Umsätze aus Veräußerung/Verpachtung von Grundstücken oder die Gewährung von Krediten).

Besonderheiten in der Anlage UR – das innergemeinschaftliche Dreiecksgeschäft

Verschiedene Geschäftsabläufe zwischen den Staaten in der Europäischen Union wurden in den letzten Jahren erheblich vereinfacht. Nicht erst durch die Gemeinschaftswährung und offene Grenzübergänge haben die europäischen Wirtschaftsnationen Vorteile erlangt, auch die Steuerbürokratie konnte vermindert werden.

Zur Förderung dieses europäischen Binnenmarktes gibt es Vereinfachungsregeln bei den sogenannten innergemeinschaftlichen Erwerben. Anzuwenden ist dies, wenn mindestens 3 Unternehmen über denselben Gegenstand ein Liefergeschäft abschließen, welches innerhalb der EU bewegt wird.

Beispiel für ein innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft

Der Unternehmer Müller aus Deutschland bestellt bei Unternehmer Sanchez aus Spanien eine Maschine, die unmittelbar an den Kunden van der Wiel aus den Niederlanden geliefert werden soll.

Im Regelfall müsste nach dem europäischen Umsatzsteuerrecht der Unternehmer Müller in Spanien für den Erwerb der Maschine eine Umsatzsteuererklärung abgeben und ebenso in den Niederlanden für den dortigen Verkauf.

Um diesem Verwaltungsaufwand zu entgehen, wird bei der ersten Lieferung von Spanien nach Deutschland die Steuerschuld auf den spanischen Unternehmer übertragen. Bei dem letztendlichen Verkauf der Maschine in die Niederlande wird die Steuerlast auf den Empfänger der Ware übertragen. Damit entgeht der deutsche Unternehmer einer steuerlichen Registrierung in den Niederlanden oder in Spanien.

Dadurch, dass ohnehin alle Unternehmer in ihren Ländern eine Umsatzsteuererklärung abgeben müssen, werden in allen Steuererklärungen die innergemeinschaftlichen Lieferungen angegeben. Diese Regelung sollten auch alle Unternehmer streng befolgen, da es bei mangelnden Nachweisen und verdächtigem Verhalten zu einer Einzelprüfung oder sogar zu einer Anklage wegen Steuerhinterziehung kommen kann.

Exportweltmeister ohne Hindernisse

Auch wenn es so scheint, als seien bei dem Beispiel Unmengen an Voraussetzungen zu erfüllen, damit dieses Szenario eintritt und es ohnehin nur wenige solcher Geschäftsvorfälle geben würde, ist diese Annahme falsch.

Durch die Stärkung des europäischen Binnenmarktes und aufgrund der stetig wachsenden Produktions- und Lieferketten ist davon auszugehen, dass es sich bei vielen Lieferungen um genau diese Art von Geschäften handelt.

Und vielleicht ist es auch dieser Vereinfachung zu verdanken, dass Deutschland lange Jahre als Exportweltmeister galt, da der Binnenmarkt Europa diverse bürokratische Hindernisse zu vermeiden wusste.

2. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.